Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele von Suzanne Collins
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{Rezension} Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele von Suzanne Collins

Klappentext: In einem Nordamerika der fernen Zukunft regiert das Kapitol mit eiserner Hand. Die meisten Menschen in den unterjochten zwölf Distrikten kämpfen tagtäglich ums Überleben. So auch die sechzehnjährige Katniss. Sie sorgt dafür, dass ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter nicht verhungern, indem sie unerlaubterweise hinter dem Zaun des Distrikts auf die Jagd geht. Doch der Hunger ist nicht die größte Bedrohung: Jedes Jahr werden die „Hungerspiele” ausgetragen, eine Art Gladiatorenkampf. Aus jedem Distrikt werden dafür ein Mädchen und ein Junge zwischen zwölf und sechzehn Jahren ausgelost. Und dieses Jahr trifft es Prim. Doch Katniss geht für ihre Schwester in den grausamen Kampf, der so lange dauert, bis nur noch einer von den vierundzwanzig „Spielern” am Leben ist. Das ist furchtbar genug, doch zu allem Überfluss ist einer von Katniss’ Gegnern ausgerechnet Peeta, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat …

Rezension:

Nach langer Zeit habe ich mich endlich breitschlagen lassen und „Die Tribute von Panem“ Band 1 gelesen. Allerdings war ich vorbereitet. Meine Freundin, die mir das Buch ausgeliehen hat, sagte dazu: „Es ist catchy wie ein Autounfall.“ Und ich war wirklich gespannt, ob sie damit wohl rechthaben würde …

(Zur moralischen Unterstützung habe ich heute meinen Bernd mitgebracht. Als „Geschädigter“ sollte er das Recht haben, an der Verhandlung teilzunehmen! Seinen Unmut hat er ja auch schon auf Tintenmeers Facebookseite kundgetan.)

Mögen die Spiele beginnen …

Schreibstil: Es handelt sich hierbei um eine Erzählung aus der Ich-Perspektive, die im Präsens geschrieben ist, was mich gleich erstmal irgendwie verwirrt hat. Das ist doch schon eher unüblich, bringt aber den Vorteil mit sich, dass man sich recht … ich sage mal … einfach ausdrücken kann. Unglücklicherweise fehlt es dem Stil (dadurch?) an so ziemlich allem. Sprachliche Besonderheiten gibt es nicht.

Charaktere: Da Katniss Everdeen die erzählende Figur ist, erfährt man von ihr am meisten. Allerdings scheint es nicht so zu sein, dass die Autorin uns eine interessante, junge Frau an die Seite stellen wollte, die uns durch das prophezeite Grauen Panems führen soll. Katniss wirkt zwar schon relativ erwachsen für ihr Alter, da sie sich bereits seit Jahren um das Überleben ihrer Mutter und ihrer Schwester kümmern muss. Sie erscheint äußerlich also als starke Persönlichkeit, leider hat man aber als Leser das Pech, dass einem das ganze Innenleben der Figur vor Augen geführt wird. Und das hat mir die Erzählerin leider gründlich vermiest, denn sie ist für meinen Geschmack einfach zu egoistisch, was sich zusätzlich auch noch mit einer gewissen Ignoranz paart. Natürlich sollte man in einer derartigen Situation, wo man um sein Überleben kämpft, ein gesundes Maß an Egoismus an den Tag legen, dennoch konnte ich viele Dinge und Verhaltensweisen dieser Figur nicht nachvollziehen. Hierzu könnte ich sicher tausend Beispiele, allerdings will ich nicht spoilern.

Die anderen Charaktere des Buchs bleiben zwangsläufig relativ farblos. Von Peeta, dem Mit-/Gegenspieler von Katniss aus dem gleichen Distrikt, bekommt man noch verhältnismäßig viel mit, weil er sich logischerweise oft in der Nähe der Hauptfigur aufhält. Wenigsten er verkörpert eine recht sympathische Figur, mit der man auch mal mitleiden kann, wobei ich ihn teilweise sehr naiv fand und mich auch gefragt habe, wie er überhaupt so lange überleben konnte. Sein Hauptmerkmal im ganzen Buch ist die nervige Formulierung „der Junge mit dem Brot“. Für den Leser ist das absolut anstrengend. Spätestens nach dem achten Mal hat mich diese Wendung derart genervt, dass ich sie am liebsten mit Edding gestrichen hätte, aber ist ja nicht mein Buch. =) Der Leser fragt sich hier unweigerlich, ob es den wirklich gar nichts sonst gibt, womit sich dieser Peeta (Pita = Fladenbrot aus Hefeteig – Das erklärt Einiges!) auszeichnet. Die Erklärung hier ist erschütternd. Doch, ja Peeta zeichnet sich sogar durch vieles aus. Er ist einfühlsam und altruistisch, aber auch clever und vor allem charakterstark. Leider ist die Erzählerin so mit sich selbst beschäftigt, dass sie zu nichts anderem fähig ist als zu „der Junge mit dem Brot“. Das ist wahrlich traurig.

Die Hungerspiele und  die echten Gegner: Der Anfang der Buchs war ziemlich „lame“, das lag zum einen vermutlich daran, dass man ja schon grob wusste, was passieren wird, zum anderen aber daran, dass wirklich nichts sonst passiert. Das war leider DAS Problem des Buchs: Es war größtenteils  einfach nicht spannend – aber die Hoffnung, dass sich das ändern würde, blieb ungebrochen! Als es endlich in die Arena ging (Juhu! Mögen die Spiele – endlich – beginnen!), habe ich schon regelrecht auf das Gemetzel gehofft, damit endlich mal irgendwas los ist. Aber Fehlanzeige … das hier IST etwas für schwache Herzen. Keine Sorge, es gibt definitiv mehr „Brot“ als „Blut“. Während sich die 24 Gegenspieler irgendwo in der Arena umbringen (wo Katniss nicht ist), geht’s bei ihr nur ums Jagen. Okay, es heißt ja Hunger Games und man muss sich ja auch stärken, um zu kämpfen, nur blöd, dass man bei all der „Jagerei“ gar nicht in die Versuchung kommt, gegen andere kämpfen zu müssen. Ich bin nicht der Typ, der auf Mord und Todschlag steht, aber wenn ich ein Buch lese, in dem es angeblich ums nackte Überleben gehen soll, dann will ich das auch sehen. Nunja, dadurch, dass es ja am Ende ganz nicht um den Kampf geht, kann man die Gegenspieler ja durchaus auch einfach uncharakterisiert lassen und durchnummerieren, was die Autorin streng genommen auch macht. Aber wozu Figuren Leben einhauchen, die eh gleich sterben sollen?

Fazit:

Obwohl ich jetzt eigentlich nur Sachen aufgelistet habe, die mich gestört haben (und da hätte ich doch noch einige Punkte), fand ich das Buch nicht gänzlich schlecht, es war aber auch einfach nicht gut. Um es mal ganz provokant zu sagen: Es ist schlecht geschrieben, komplett platt, nicht wirklich spannend und ausgereifte Charaktere sind was anderes. Aber: Es hat einen merkwürdigen Effekt und ich kann das Urteil meiner Freundin nur bestätigen: catchy. Es ist wie ein Autounfall. Schlimm, aber man kann nicht wegsehen. Hab den zweiten Band hier liegen. Die Hoffnung stirbt zuletzt! Vielleicht wird es besser! =)

Bewertung:

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele | Oetinger | 448 Seiten | 978-3789132223 | 12,95 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort Arya 27. Juni 2012 at 17:06

    Auf jeden Fall liegst du mit deinen Aussagen alles andere als falsch und ich verstehe die meisten Standpunkte, auch wenn ich das Buch persönlich geliebt habe. Allerdings glaube ich, dass diese Ignoranz seitens Katniss‘ und die Einfachheit des Stils bewusst genutzt worden sind, um verschiedene Dinge deutlicher und die Charaktere authentischer zu machen. :) Etwa, wie in „Dust Lands“, nur das man es bei „The Hunger Games“ nicht ganz so deutlich merkt.
    Liebste Grüße & hoffentlich mehr Spaß mit dem zweiten Teil. :)

    • Antwort tintenmeer 27. Juni 2012 at 19:12

      Danke für den Kommi =)
      Ich hatte zwischendurch auch mal die Idee, dass einiges davor durchaus beabsichtig ist, allerdings finde ich das wirklich schade. Ich glaube, wenn man die Charaktere mehr ausgearbeitet hätte (damit würde auch ein anderer Erzählstil einher gehen), hätte man viel mehr daraus machen können. Alles wäre dramatischer geworden, würde viel mehr an die Substanz des Lesers gehen – ich glaube, das hätte das Ziel sein können. Aber gut. Vielleicht kommt das ja noch. Ich bin gespannt!

      Liebe Grüße :)

  • Antwort 10 inspirierende Blogpostideen für Buchblogger - Tintenmeer 21. März 2017 at 14:24

    […] Rezension zu Panem —> Rezension zu Die rote […]

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