Kolumne | ChaosNotizen | Kommentar | Bücher | Buchblog | Reise
ChaosNotizen

[ChaosNotiz] Der schiefe Turm von PiSuB

Da meine vormals geplante ChaosNotiz von Testlesern aufgrund explosiven Materials und einer nicht nur möglichen, sondern wahrscheinlichen Beeinträchtigung der allgemeinen Harmonie als zu gefährlich eingestuft wurde und darum ausgefallen ist … *hüstel* erscheint nun etwas verspätet eine andere Notiz – garantiert ungefährlich und sehr friedlich.

Vielen Dank noch einmal an die Testleser, die dazu beigetragen haben, eine Katastrophe möglicherweise apokalyptischen Ausmaßes zu verhindern.

Vom putzigen Zwerg zum Buch-Blob

Einen SuB hatte ich schon immer. Er glich allzeit einem dieser kurzbeinigen Wesen. Zwerge – man kennt sie spätestens aus Schneewittchen: klein, robust, standhaft, manchmal griesgrämig, aber dennoch stets treu. Ein verlässlicher Freund. Von Fantasy über Studienlektüre bis hin zu Belletristik war alles Mögliche vertreten. Je nach Lust und Laune konnte man eines der unterschiedlichsten Werke herausziehen.

Heute ist das anders. Mein kleiner Zwergenfreund hat sich in einen Fettwanst verwandelt, der sich blob-artig ausbreitet. Und so träge, wie er jetzt ist, will er offenbar auch nicht mehr so vielfältig sein. Das meiste, was da im Moment steht, kommt aus dem Bereichen Jugendbuch und Fantasy.

SuB – RuB – KuB

Achso, falls es hier noch Leser gibt, die noch nie etwas von einen sogenannten SuB gehört haben – es soll sie wirklich geben –, beim gemeinen SuB handelt es sich um das mystische Wesen eines Stapels ungelesener Bücher. Ein Büchermensch hat so etwas, bei fast 100.000 Neuerscheinungen im Jahr ist das aber auch kein Wunder. Wer hat schon die Zeit, all das zu lesen, was man gern lesen möchte. Das Resultat ist ein mehr oder weniger hoher SuB. Je nach Charakter und Statur lassen sich SuBs auch verschieden klassifizieren. Oft spricht man auch von RuBs (Regale wahlweise Regalbretter) oder KuBs (Kisten). Genauer definiert ist mein SuB eigentlich ein RuB. In Zeiten der Bücherregale vermutlich die verbreitetste Daseinsform.

Wie ist das eigentlich passiert?

Nun, da klar ist, über welches geheimnisvolle Wesen ich spreche, kann es ja weitergehen. Mein alter SuB also der Zwerg, der ist jetzt ein RuB (Buch-Blob ist eben doch kein anerkannter Terminus – schade eigentlich!) und er breitet sich über mehrere Regaletagen aus. Und wer ist schuld? Rebuy, ist klar, aber der von Luzifer höchstpersönlich ins Leben gerufene Verein ist nur eines der ausführenden Organe. Wer brachte den Stein überhaupt ins Rollen? Die Bloggerszene! An allen Ecken und Ende des world wide webs stehen sie und wedeln mit den Büchern, die du UNBEDINGT gelesen haben musst. Versteht mich nicht falsch. Ich mag euch sehr, ich kann mir nicht mehr vorstellen, ohne euch zu sein. Aber mein RuB … würde ich ihn wieder in seine alte Form bringen, er würde mich erschlagen – und ich könnte es ihm noch nicht einmal verübeln.

Den einfallsreichen Italienern ging’s vor rund 850 Jahren vermutlich ähnlich. Sie hatten aber eine tolle Idee: Wir stapeln unsere ungelesenen Bücher einfach zu einem Turm und verkaufen den als Sehenswürdigkeit!

Apropos Italien

Zum Thema Sammelsünden – denn nichts anderes ist dieses Bücherhorten – und dem Land der flachen Pizzen und schiefen Türme fällt mir spontan Dante Alighieri ein. Der gute Mann war Dichter und Philosoph und er fand, dass man statt in Latein doch lieber in Italienisch schreiben sollte. So ähnlich wie der gute alte Luther – ihr wisst schon. Vermutlich hat er damit auch zur Weiterentwicklung des SuBs beigetragen, denn in seinen Büchern konnten die Italiener – wenn sie lesen konnten – in der eigenen Sprache schmökern.

Mein SüBchen ist ja am Ende doch eher ein göttlicher Lacher gegen andere, die ich so kenne. Da kann man die Stapel gar nicht mehr als SuB bezeichnen, es sind eher ZuBs – Zimmer ungelesener Bücher. Mir persönlich ist das egal. Von mir aus darf man auch gern ein ganzes Haus voller ungelesener Bücher haben. Ich frage mich dabei nur: Artet das nicht ein wenig aus? Sind Bücher nicht zum Lesen, statt zum Horten da? Diese armen Menschen müssen sich doch in einem wahren Inferno befinden – die neun Kreise der Bücherhölle oder vielleicht doch das Paradies aus Tinte und Papier?

Das dürft ihr selbst entscheiden. Ich geh jetzt in den Garten und lege den Grundstein für meinen schiefen Turm von PiSuB …

Vorheriger Post Nächster Post

Das könnte dir auch gefallen

7 Kommentare

  • Antwort Makro 1. Mai 2013 at 19:55

    Moin Sandy,

    da hast du mir glatt meinen Beitrag für den heutigen Abend vorweggenommen :D

    Hast du schon gehört, dass die Pisaner ihre Bücher nur gestapelt haben, um dort oben eine Glocke aufzuhängen. Die scheinen Dante für die SuBs aber nicht all zu böse zu sein. Immerhin haben sie sein Bild auf die 2 Euro Münze gebracht!

    Witziges Völkchen da unten…

    Ich schreibe meinen Beitrag dann mal um und helfe bei der Verbreitung des „Buch-Blobs“.

    LG

    • Antwort tintenmeer 1. Mai 2013 at 20:29

      Huhu Marvin,

      tut mir leid. Das war eine absolute Spontanidee. Hab aus meiner Themenliste einfach wahllos eins rausgegriffen und losgeschrieben. Auf deinen Artikel bin ich dann aber auch sehr gespannt.

      Die Glocke habe ich tatsächlich außen vor gelassen, allerdings kam mir grad die Idee, dass so eine Glocke am SuB gar keine so doofe Idee ist: Immer wenn man ein Buch wegliest, klingelts … ;)

      Danke für den Tipp mit der Münze. Ich gucke mir die Dinger tatsächlich niemals an. So konnte mir übrigens auch mal jemand „karibisches Gold“ unterjubeln.

      Liebe Grüße
      Sandy

      • Antwort Makro 1. Mai 2013 at 22:01

        „Karibisches Gold“ habe ich noch nicht bekommen, dafür aber ein paar Baht Münzen.

        Das mit dem Beitrag ist nicht schlimm, du kannst mir ja (hoffentlich) nicht in den Kopf gucken. Ich schieb den Beitrag mal ein paar Tage raus, möchte keine Notlösung posten :)

  • Antwort Anonymous 1. Mai 2013 at 20:54

    Naja wenn mans genau nimmt schrieb Dante im volgare (der Volkssprache), denn so etwas wie das Italienische als Nationalssprache gab es zu Dantes Zeit noch gar nicht!

    • Antwort tintenmeer 1. Mai 2013 at 21:10

      Hallo lieber Unbekannter,

      danke für den Hinweis. Wenn mans genau nimmt, haben die Einwohner des heutigen Italiens auch keinen Turm aus Büchern gebaut. ;) Aber wer macht das schon.

      Liebe Grüße :D

  • Antwort Windsprite 18. August 2014 at 12:34

    Ich habe mir schonmal überlegt angesichts des vielen Bloggerjargons ein Buchbloggerlexikon auf meinem Blog zu schreiben…

  • Antwort {Kolumne Gedankenflut} 7 SUB-Geständnisse - Tintenmeer 29. August 2016 at 17:48

    […] PS: Sandy hat ihre SUB-Gedanken auch schon mal in einer ChaosNotiz niedergeschrieben: Der schiefe Turm von PiSUB. […]

  • Was sagst du dazu?