Das Mädchen aus den Wäldern
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{Rezension} Das Mädchen aus den Wäldern von Kira Gembri

Klappentext: Reeva hat das zweite Gesicht – eine gefährliche Eigenschaft in der Zeit der Hexenverbrennung. Als die junge Heilerin dem Thronfolger das Leben rettet, ernennt er sie aus einer Laune heraus zu seiner Gesellschafterin. Zwischen den beiden entwickelt sich eine besondere Freundschaft, und zunächst gelingt es Reeva, ihre Gabe geheim zu halten. Doch dann wird sie durch eine Unheil verkündende Vision von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich dem Prinzen anzuvertrauen und ihre neu gewonnene Sicherheit zu riskieren …

Rezension

Es war einmal …

Mit dieser typischen Floskel hätte Kira Gembri ihren Roman gut und gerne beginnen können, denn nichts anderes als eine märchenhafte Geschichte legt sie mit „Das Mädchen aus den Wäldern“ vor. Schon das wunderschöne, verspielte Buchcover, das ausnehmend gut zum Inhalt der Erzählung passt, lässt dies vermuten.

Märchengleich findet man sich zurückversetzt in eine nicht näher bestimmte mittelalterliche Zeit, in der das Leben alles andere als einfach ist. Tagtäglich geht es für die Menschen primär um das eigene Überleben: um das Beschaffen von Nahrung, das Vorhandensein einer Unterkunft. Aber auch der Aberglaube herrscht über die Menschen. Unbekanntes, Ungewöhnliches und Unerklärliches werden sofort verteufelt. Wie schwer muss es da ein junges Mädchen haben, das ein verkrüppeltes Bein und keine Familienangehörigen hat?

Plötzlich wurde Reeva von einer schrecklichen Angst ergriffen. Die Vase zerschellte auf dem Boden, und die Blumen, die schönsten, die am süßesten duftenden, ergossen sich über den leblosen Körper. (S.78)

Reeva, die Protagonistin, lebt am Rande dieser mittelalterlichen Gesellschaft in großer Armut und vor allem großer Einsamkeit. Sie wird allenfalls geduldet. Und so muss der Tag kommen, der den Menschen Anlass gibt, das unerwünschte Geschöpf loszuwerden. Als einige Tiere in dem Stall erkranken, in dem Reeva nächtigt, finden die Dorfbewohner endlich den langersehnten Grund, um sie davonzujagen. Zum Glück trifft sie in den Wäldern schnell auf die alte Enva. Als Hexe gezeichnet entkam sie nur knapp dem Scheiterhaufen und verdingt sich nun in den Sommermonaten als fahrende Heilerin. In ihrer Hütte findet Reeva zum ersten Mal so etwas wie ein Zuhause, sie lernt die Kräuterkunde und entdeckt ihre Gabe.

Natürlich endet Reevas Weg nicht hier in der idyllischen Hütte im Wald. Das, was vor ihr liegt, wird eine steinige und beschwerliche Reise werden, die viele Enttäuschungen, aber auch immer wieder zarte Hoffnungsschimmer bringen wird.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich überzeugt die Autorin durch etwas Märchenhaftes. Der Stil ist angenehm flüssig und relativ einfach gehalten, aber dennoch bildhaft geprägt. Hier und da stößt man beim Lesen auf besonders schöne Formulierungen und Wendungen oder auf märchentypische Verniedlichungen.

Ramo folgte ihr, immer eine Pfote genau vor die andere setzend, sodass er eine Spur von Abdrücken hinterließ, die aussah wie eine Kette aufgefädelter Perlen. (S.102)

Obwohl Reeva eine sehr sympathische Protagonistin ist und ihre Geschichte einige wirklich spannende Stellen aufweist, besitzt der Roman doch diese gewisse Distanziertheit, die dem Märchen eigen ist und die dazu führt, dass man sich nicht wirklich in ihr verlieren kann. Das Buch hält seine Leser auf Abstand, ist besonders in der ersten Hälfte doch sehr vorhersehbar und Figuren erscheinen eher plakativ.

Mit einem scharfen Knacken zerbrach ihre Welt in tausend Stücke. (S.103)

Trotz der Verwendung sehr märchentypischer Elemente schafft es die Autorin aber auch, der Erzählung sehr reale Bedrohungen einzuflechten. Reevas Visionen erscheinen nur wie das Tüpfelchen auf dem i. Das verkrüppelte Bein und die Kenntnis von Kräutermedikamenten reichen in dieser Welt der Hexenverfolgung schon aus, um in den Fokus der Verfolger zu geraten. Während der ganzen Erzählung ist diese Bedrohung immer die zentrale. Durch die wiederkehrenden Verweise auf unschuldige Frauen, die der Hexerei bezichtigt und verurteilt wurden, wird der Leser stets neu daran erinnert, welche grausame Realität dem zugrunde liegt und dies durchbricht den Anschein des bloß Märchenhaften.

Fazit

Das Mädchen aus den Wäldern ist eine sehr angenehm geschriebene märchenhafte Erzählung, die für die kommenden Herbsttage vermutlich genau die richtige Lektüre sein dürfte. Auch wenn der Plot und die Charaktere gern etwas tiefgründiger aufgearbeitet sein könnten, hat die Geschichte doch vor allem ab dem zweiten Teil wirklich spannende Momente, die verhindern, dass man das Buch aus der Hand legen möchte.

Bewertung

drei_sterne

Kira Gembri
Das Mädchen aus den Wäldern

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Seiten: 270
ISBN: 978-149040221-5
Preis: TB: 9,95 Euro; E-Book: 2,99 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort abraxandria 10. September 2013 at 19:14

    danke für diese wunderbare rezi! :) und deinen buchtipp!
    das cover ist wirklich bezaubernd.

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