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5 Bücher, die „Einstiegsdroge“ ins Lesen sein können

Obwohl die meisten Kinder das Lesen im ersten Schuljahr lernen, werden die wenigsten von ihnen sofort zu freiwilligen (Viel-)Leserinnen und Lesern. Meist wird ja das, was man tun oder lernen muss, nicht unbedingt zur Lieblingsbeschäftigung auserkoren. Dennoch gilt das Lesen unangefochten als das liebste Hobby bei gut der Hälfte der Jugendlichen, wobei der Anteil der Mädchen größer ist als der der Jungen.

Aber warum lesen wir überhaupt gern?

Abgesehen davon, dass die Fähigkeit zu lesen für die persönliche und berufliche Bildung obligatorisch ist, ermöglichen es uns Bücher – ob Romane oder Fachtexte –, in andere Zeiten und Leben einzutauchen, neue Orte und Wesen kennenzulernen, das Unbekannte oder auch Unmögliche zu erleben. Das befriedigt unsere natürliche Neugier und funktioniert als kurzzeitige Flucht aus dem eigenen Dasein. Letzteres gab natürlich immer wieder Grund zur Kritik am Genusslesen. Und hat man einmal das Kopfkino für sich entdeckt, können Fernseher und PC oft nur schwer mithalten. Das geht manchmal sogar so weit, dass sich eine richtige Buchsucht entwickelt, Literatur wird seitenweise verschlungen, die Stapel ungelesener Bücher wachsen und gedeihen.
Oft reicht ein einziges Buch, das einem die Welt der Literatur eröffnet, das das Kopfkino zum Laufen bringt. Welche das sein könnten und warum? Hier eine sehr kleine Auswahl. Die Nummerierung spiegelt übrigens keine Wertung wider.

J.K. Rowlings „Harry Potter“

harrypotterDie Heptalogie um den jungen Zauberer wuchs sich nach einigen Bänden zum echten Erfolg aus. Es folgten Filme, ein Riesenhaufen Merchandise und Kinder, Jugendliche und Erwachsene erwarteten jedes neue Buch mit Spannung. Selbst heute stehen die Romane von J.K. Rowling in Leserrankings ganz weit oben und führen Empfehlungen an. Aber warum? Was hat Harry, was andere nicht haben?

Man muss es einfach sagen: Hier ist wirklich für jeden etwas dabei! Rowling vereint in dieser enorm komplexen Geschichte unheimlich viele Motive, die nicht nur junge Leserinnen und Leser, sondern auch Erwachsene seit jeher ansprechen. Zum einen wäre da die Thematik des Internats. Wer kennt und liebt sie nicht, die Hanni und Nannis und Trotzköpfe dieser Welt? Harry fügt sich hier perfekt ein. Elemente aus der Mythologie, aus Krimi und Fantasy vermischen sich zu einer geheimnisvollen und spannenden Geschichte. Auch Themen aus dem „echten“ Leben wie Mobbing, Freundschaft, Rivalität und erste Liebe spielen für die Charaktere eine wichtige Rolle und bereiten so den Realitätsbezug für die Lesenden. Auch der Schreibstil der Autorin, ihr Spiel mit der Sprache und ihr schier unerschöpflicher Einfallsreichtum, mit dem sie bekannten Motiven ganz neue, teils abstruse Wandlungen verpasst, tragen zum Lesegenuss bei, und zwar für jung und alt. Wer einmal reinschuppert, entkommt dem Potter‘schen Universum nur schwer.

Stephenie Meyers „Twilight“

Nach wenigen Sätzen ist klar, ansprucMeyer-biss-zum-morgengrauenhsvolle Literatur ist definitiv was ganz anderes. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, die Vorbildfunktion der Charaktere eher zweifelhaft. Und trotzdem schlugen die vier Bände der romantisch-dramatischen Geschichte um Mädchen Bella und Vampir Edward ein wie eine Bombe. Warum das?

Was für eine Frage?! Warum sind Romeo und Julia eines der erfolgreichsten Liebespaar der Weltliteratur? Eine Liebe, die nicht sein darf, ein Hauch von Gefahr, Romantik, ein naives Mädchen und ein tragischer Held – ach ja und dann noch eine Dreiecksgeschichte, um dem Ganzen noch ein wenig Würze zu geben. Wenn das kein Geheimrezept für eine erfolgreiche Liebesgeschichte ist … Bedingungslose Liebe zwischen Mensch und Vampir, die Verbote und alle Grenzen schließlich überwinden kann. Für diese „Einstiegsdroge“ sind besonders junge Mädchen empfänglich!

Wolfgang und Heike Hohlbeins „Märchenmond“

cover_maerchenmond_hohlbein_wolfgangEr ist einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller und gilt als der Vater der deutschen Fantasy. „Märchenmond“ war sein Durchbruch und könnte es auch für Schmökeranfänger sein. Zusammen mit seiner Frau schrieb er zig fantastische Romane für junger Leserinnen und Leser, die – zugegeben – alle nach dem gleichen, aber erfolgreichen Schema ablaufen. Welches?

Da ist sie nun endlich: die typische Welt der Fantasyliteratur. Hohlbein lässt hier keine Wünsche offen: Hexen, Zauberer, Drachen und Magie sind die elementaren Bestandteile der Geschichten. Das reine Gute kämpft gehen das abgrundtief Böse in einer magisch-mittelalterlichen Welt. Und! Ganz wichtig: das Menschenkind, das mitten hinein in diese Unruhen gerät, der Auserwählte, einziges Wesen, das das Zünglein an der Waage ist – für das Gute, versteht sich. Ein hoher Identifikationsfaktor trifft auf märchenhafte Fantasie – wer könnte da aufhören zu lesen?

Stephen Kings „Der Friedhof der Kuscheltiere“

kuscheltiereManche Leserinnen und Leser können nichts anfangen mit übertrieben verklärten Lovestorys oder finden keinen Zugang zum Wunderland. Drachen, Trolle und mittelalterliche Settings sind uninteressant und viel zu abstrakt. Zum Glück ist der Buchmarkt nicht beschränkt, es gibt für jeden das Passende. Aber wieso sollte es ausgerechnet ein Horrorautor sein?

Obwohl es sicher nicht wenige gibt, die jüngeren Lesern von Kings Romanen abraten, erfreuen sich seine Bücher doch auch besonders in der Altersgruppe von 12-15-Jährigen großer Beliebtheit. Kein Wunder! Was man verbieten möchte, ist doch gerade interessant. Aber nicht nur das. Der Reiz dieser Bücher liegt unübersehbar in der realen Ebene, auf der sich die Geschichten aufbauen und in die das Grauen, der Grusel, das Unfassbare hereinbricht. Jugendliche mögen es, sich zu gruseln, sie lieben Nervenkitzel und atemlose Spannung – das macht King wohl zu einer einzigartigen „Einstiegsdroge“ in die Welt der Literatur. Weiter geht’s später vermutlich mit Krimis und Thrillern, aber das ist nur Spekulation!

Johann Wolfgang Goethes
„Die Leiden des jungen Werther“

werther und pyjamaWas wäre diese kleine (und hoffnungslos unvollständige) Liste ohne historisches Vorbild? In einer Zeit, in der Vernunft und Verstand gehenüber den Gefühlen den weit höheren Stellenwert hatten, gab es für ein Buch wie dieses nur zwei Möglichkeiten: das schmähliche Verschwinden in der Versenkung oder der absolute Medienhype. Dass Letzteres der Fall war, ist wohl kein Geheimnis. Außerdem hatte der Briefroman noch ein kleines Erfolgsgeheimnis, das auch heute noch immer funktioniert: Er thematisiert die Literatur und die Liebe zu ihr. Ein Buch über Bücher lässt wohl zu jeder Zeit das Herz der Leserschaft höherschlagen, macht das Lieblingsding Buch sich doch so selbst zum seinem Inhalt.

Für heutige Jugendliche steht der gute alte Werther vielleicht nicht mehr als Einstiegsdroge auf den ersten Rängen. Aber wie wärs stattdessen mit dem Briefroman an sich. Die Figuren geben hier einen sehr tiefen Einblick in ihre Gefühle und Beweggründe und die Sprache entspricht der der allgemeinen Leserschaft, ist heute meist modern und salopp. Der Leser findet sich schnell in einer sehr persönlichen Situation wieder, die Distanz zwischen ihm und dem Schreibenden ist sehr gering, wodurch es einen hohen Identifikationsgrad gibt. Nur ein paar Beispiele: Cecelia Aherns „Für immer vielleicht“, Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ und ganz up-to-date ist wohl „Im Pyjama um halb vier“ von Gabriella Engelmann und Jakob M. Leonhardt.

Ihr seid dran!

Natürlich kann diese Liste nur der Anfang sein und ist nicht allgemein gültig. Ich habe bewusst Kinderbücher herausgelassen, denn es ging mir primär um den Leseeinstieg von Jugendlichen. Viele Kinder wachsen von Haus aus mit Büchern und Geschichten auf und für sie stellt sich die Frage gar nicht, ob sie nun weiterlesen oder nicht, wenn sie älter werden. Aber es gibt eben auch die andere Seite, die auf der Eltern das Lesen nicht so sehr fördern. Das bedeutet nicht, dass diese Kinder niemals zu (genuss-)lesenden Jugendlichen werden können. Denn „Einstiegsdrogen“ gibt es viele, man muss nur die richtige finden.

Da meine Liste so kurz ist, wäre es toll, wenn ihr eure „Buchverführer“ nennen könnten. Fällt euch vielleicht heute auch auf, woran es gelegen hat, dass ihr diesem Buch verfallen seid? Macht mit und schreibt mir in den Kommentaren!

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16 Kommentare

  • Antwort ninespo 22. Januar 2014 at 10:11

    Mit Harry Potter stimme ich voll und ganz mit dir überein. Die anderen kann ich unterstützen, sind aber nicht meine Einstiegsbücher gewesen. Ich hatte die Wilden Hühner von Cornelia Funke noch vor Harry Potter gelesen und auch den kleinen Prinzen. Dann noch die Tinten-Trilogie von Frau Funke. Ich finde auch die Edelstein-Trilogie ist für junge Mädchen sehr interessant. Es gibt einfach so viel!

    • Antwort tintenmeer 22. Januar 2014 at 10:17

      Da hast du recht! Mir sind auch noch so viele eingefallen, aber ich wollte auch zu jedem etwas Genaueres schreiben und da hab ich mich entschieden, es bei einem exemplarischen Titel zu lassen, der die Reihe von vielen anderen anführt. Aber ich könnte ja auch mal eine Liste nur mit Titeln als Ergänzung posten.

  • Antwort Marie 22. Januar 2014 at 13:26

    Kann ich da einen Post auf meinem Blog draus machen, wenn ich dich verlinke? Finde die Idee so toll und würde gerne mitmachen, wenn ich darf :)

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Antwort tintenmeer 22. Januar 2014 at 14:01

      Hallo Marie,

      ja, gerne. Ich bin gespannt auf deine Buchverführer. ;)

      LG
      Sandy

  • Antwort Josi 22. Januar 2014 at 14:35

    Das allererste Buch, was ich komplett gelesen habe, war „Momo“. Michael Endes fantasievoller, wunderschöner Schreibstil zog mich in diesem Buch genauso in den Bann, wie der „Wunschpunsch“ (ich verzichte mal auf den vollständigen Titel), den ich daraufhin gleich auch noch gelesen habe.

    Besonders schön und gut geeignet als Einstieg in Fantasiereiche finde ich auch den „Zauberer der Smaragdenstadt“. Von da an hatte mich die Welt verloren an eine Welt voller wunderbarer Magie…obwohl ich mit Harry Potter anfangs tatsächlich meine Probleme hatte (was ich rückblickend selbst kaum glauben kann), die sich aber beim zweiten Leseanlauf in Luft auflösten.

    Für junge Leser, die es gern spannend haben, sich aber keine langen Bücher zutrauen, kann ich auch sehr die „Fear Street“-Reihe empfehlen, weil sie meiner Meinung nach ganz gut geschrieben und wirklich sehr spannend ist.

    PS: Meine kleine Schwester fing übrigens auch mit „Die wilden Hühner“ und den „Lena“-Büchern von Cornelia Funke an, um dann gleich mit Tintenherz&Co. weiterzumachen und würde an dieser Stelle wohl Cornelia Funke als Leseeinstiegs-Schriftstellerin empfehlen… :)

    • Antwort tintenmeer 3. Februar 2014 at 10:19

      Stimmt, Michael Ende ist sowieso grandios. Den könnte ich eigentlich auch mal wieder lesen … und Fear Street … <3

  • Antwort Bücherphilosophin 22. Januar 2014 at 18:46

    Ich würde ebenfalls die „Gänsehaut“ Reihe dazu zählen, die habe ich als Kind verschlungen. Wobei man sie auch im Alter von 12-14 Jahren noch gut lesen kann. Für alle jungen Leser, die für Stephen King etwas zu zart besaitet sind ;)

    LG, Katarina :)

  • Antwort Bücherphilosophin 22. Januar 2014 at 18:50

    Ich hab mal eine Frage, weil das aus Deinem Beitrag nicht ganz klar hervor ging. Sind die 5 Bücher, die Du hier vorstellst Deine persönlichen „Einstiegsdrogen“ oder hast Du sie nur aufgrund ihres Suchtpotenzials ausgewählt?

    LG, Katarina :)

    • Antwort tintenmeer 23. Januar 2014 at 10:11

      Hallo Katarina,

      meine Einstiegsdrogen waren damals lustigerweise auch die Fear-Street-Bücher, dicht gefolgt von Märchenmond, irgendwann später dann verschiedene Bücher von King. Für Harry und Twilight bin ich als „Einstiegsdroge“ zu alt. xD Aber ich habe in letzter Zeit immer wieder an verschiedenen Stellen gelesen, dass gerade die beiden viele zum Lesen verführt haben sollen, und da dache ich, ich könnte mal schauen, woran das vielleicht liegt, und diese kleine Liste machen.

      LG Sandy

  • Antwort Dana 23. Januar 2014 at 21:30

    Ich kann mich überhaupt nicht mehr an mein allererstes Buch erinnern, dass ich gelesen habe, nachdem ich in der Schule Lesen gelernt hatte.*grübel* Voll erwischt hat es mich mit dem „Sattelclub“, „Hanny und Nanny“ und „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ außerdem diverse Märchenbücher. Den ganzen Mix mit „Der Graf von Monte Christo“, „Der Trotzkopf“ und „Momo“ gewürzt ergibt einen Buchstabensalat, den ich heute gerne noch vor dem Einschlafen verspeise -_^

  • Antwort Ulli 26. Januar 2014 at 15:24

    Ich finde die Idee und damit deine Liste der Bücher-Einstiegsdrogen sehr nett! Ich glaube wir alle haben dieses eine besondere Buch zu Hause, das uns zum Lesen gebracht hat. Bei Harry Potter bin ich auch ganz bei dir, bei Twilight bin ich mir recht unsicher, wobei hier wahrscheinlich doch noch mal mehr mein persönlicher Lesegeschmack rauskommt… Und vermutlich müsste auch 50 Shades of Grey dazu genommen werden. Weniger bei Jugendlichen aber allgemein als (wieder?) Einstieg ins Lesen.
    Ich würde auf jeden Fall auch noch die Trotzkopf Reihe ergänzen. Die habe ich sehr gerne gelesen – was ich auch meiner jetzigen Perspektive aber gar nicht mehr nachvollziehen kann. Ich möchte auch noch Christine Nöstlinger nennen, die einfach wunderbare Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben hat.

    • Antwort tintenmeer 3. Februar 2014 at 10:24

      Hallo Ulli,

      danke für den Kommentar. 50 Shades habe ich rausgelassen, weil es ja doch mehr um Jugendliche geht. Aber du hast natürlich recht. Ich glaube, schon allein die Neugier hat viele, die sonst selten oder nie lesen, bei dem Buch ganz sicher dazu verführt, mal reinzuschnuppern (oder es ganz zu fressen). Und dann ist so ein Hype auch zu was gut, den manche bleiben dann wirklich bei den Büchern hängen.

      Liebe Grüße
      Sandy

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