Der Preis der Ewigkeit
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{Rezension} Der Preis der Ewigkeit von Aimée Carter

In den letzten neun Monaten wurde Kate von Calliope und Kronos gefangen gehalten. Die ganze Zeit gab es nur einen Gedanken: die Sorge um ihr ungeborenes Kind. Auf eine Rettung durch Henry, der noch immer glaubt, seine Frau würde den Sommer auf der Erde verbringen, konnte sie nicht hoffen. Doch nun geht es ganz schnell. Calliope erzwingt die Geburt, Henry erfährt von der Intrige und kommt in unbändiger Wut zu Kronos Insel, um Kate zu befreien. Dass er dabei schwer verletzt wird und Kate ihren Sohn zurücklassen muss, stürzt sie in große Verzweiflung, währenddessen rüstet sich Kronos zum Krieg. Die einzige Möglichkeit die Welt der Menschen und ihre Familie zu retten scheint es zu sein, sich dem Titanen als Königin zu versprechen.

Rezension

  ❧ Alles nur Schall und Rauch ☙

Nach dem recht schwachen, aber sehr amüsanten zweiten Teil dieser Reihe habe ich mir erhofft, dass es wieder bergauf geht, und die interessante Konstruktion, mit der Aimée Carter hier auffährt, scheint vielversprechend. Leider bleibt es jedoch beim Schein. Alles Schall und Rauch. Die Umsetzung dieser tollen Idee versandet erneut in endlosen Dialogen und sich immer und immer wiederholenden Gedankengängen. Aus jeder Mücke wird ein Elefant gemacht und viele Konflikte wirken in ihrer Sinnlosigkeit geradezu lächerlich.

Das trägt auch nicht dazu bei, dass Kate, die ich im ersten Teil wirklich sehr mochte und die im zweiten Teil in meinem Sympathie-Ranking tief fiel, in selbigem wieder ansteigen konnte. Das, was diese Figur zu Anfang ausgemacht hat, ihre Reife, ihr Herz, ihr Kampfgeist, ist auf dem Weg verlorengegangen. Diese Figur veranschaulicht definitiv eine Charakterentwicklung, wie sie nicht sein sollte. Gerade der Punkt Reife fehlt entscheidend. Noch immer hat man das Gefühl, ein unreifes Kind vor sich zu haben, das ständig mit dem Fuß aufstampft, wenn es etwas nicht bekommt. Ihre Mutterschaft ändert daran leider auch nichts.

Auch Henry legt eine auffällige Verhaltensänderung an den Tag. Er wird gesprächiger. Leider äußert sich dies nur allzu stark in teilweise mehr als kitschigen Liebesschwüren, die so gar nicht zu ihm passen wollen. Selbst für mich war das stellenweise einen Tick zu krass. Bei Äußerungen wie: „Du bist der Leim, der mich zusammenhält.“ (S.167), weiß man wirklich nicht, ob man lachen oder weinen soll.

❧ Fehlende Logik strapaziert die Lesenerven☙

Negativ fiel erneut auf, dass die ganze Geschichte zu einem großen Teil nur aus Dialogen und dem Sinnieren über die Situation bestand. Eine Aktivität der Figuren war vor allem in der ersten Hälfte kaum festzustellen, und wenn es sie gab, dann erschien sie häufig sinnlos. Gerade zu Beginn hatte ich oft den Eindruck, dass es mit der Logik hier nicht allzu weit her ist. Wie ließe sich sonst erklären, dass Kate und James, die den sterbenden Henry retten wollen, den „langen“ Weg nehmen (sprich: mit dem Flugzeug und Umwegen von Amerika nach Afrika fliegen) und wertvolle Zeit verschwenden, wo sie sich einfach an den Ort ihre Bestimmung beamen könnten. Die Erklärung, man müsse sich vorher noch einen Plan überlegen, schlägt dem Fass den Boden aus. Ebenso wie die später nachgeschobene zweite Erklärung, James wollte noch ein bisschen Zeit mit Kate allein verbringen.

Und so geht es munter weiter: Zunächst ergeht die Warnung, auf keinen Fall in die Nähe von Griechenland zu kommen, weil dies Kronos‘ Einflussgebiet ist, und dann reist Kate mit dem verletzten Henry genau dorthin, um ihn noch ein bisschen vor dem Kampfgeschehen zu bewahren. Solcherlei Beispiele gab es leider ohne Ende.

Frage türmte sich auf Frage. Wieso macht sich Kate Sorgen zu ertrinken, wenn sie doch unsterblich ist? Warum wundert sie sich darüber, dass ihr Sohn unsterblich ist, wenn sie doch gerade erst von ihrer Mutter erklärt bekommen hat, wie das mit der Sterblichkeit von Götterkindern läuft? Wieso glaubt sie, nicht durch die Barriere zu kommen, die Kronos auf seiner Insel einsperrt, wenn alle anderen doch nach Belieben kommen und gehen dürfen? Teilweise habe ich mich wirklich gefragt, ob Kate so dumm ist oder ob die Autorin selbst noch merkt, was sie da zusammenbastelt.

❧ Pluspunkt für die letzten 100 Seiten☙

Ein kleiner Lichtblick – der Abglanz des ersten Bands der Reihe möchte man sagen – zeigt sich erst im letzten Drittel des Buchs. Die Handlung nimmt Fahrt auf und die Autorin liefert endlich die lang ersehnte Dramatik, die nicht unentwegt zerredet wird. Nun lässt auch Kate ihr altes Wesen hin und wieder aufblitzen. Dieser Wandel schlägt sich auch im Schreibstil nieder. Während der erste Teil von dauernden Wiederholungen und langatmigen Überlegungen geprägt war, zeigt die Autorin nun, dass sie es auch besser kann.

In jener Nacht sprachen Henry und ich kein Wort. Wir verloren uns ineinander, zelebrierten einen stummen Abschied, den keiner von uns aussprechen konnte. Wenn ich mir bisher nicht sicher gewesen war, jetzt war ich es: Er ließ mich gehen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich erfahren würde, welchen Preis wir beide dafür zahlen müssten. (S.174)

Nur schade, dass diese Wendung so spät kommt. Ein wenig mehr Liebe zum Detail und zum durchdachten Plot hätten aus dieser Buchreihe ein durchweg spannendes und auch sehr humoristisches Leseerlebnis machen können.

Fazit

Eine Buchreihe, die richtig gut angefangen hat, dann zu schwächeln begann, findet hier ihr klägliches Ende. Es ist traurig, aber anders kann man es nicht sagen. Große Schwächen vor allem in der Umsetzung des Geschehens machen den Lesespaß zunichte. Der Humor, der den zweiten Teil noch zusammengehalten hatte, fehlt nun auch noch. Die Charakterentwicklung ist zum Weinen. Aimee Carter hat mit dieser Buchreihe das Paradebeispiel geliefert, wieso es manchmal besser ist, einen Roman in einem Band zu schreiben. Das, was nach „Das göttliche Mädchen“ kam, wurde mehr und mehr zum Trauerspiel. Die letzten guten 100 Seiten können darüber nicht hinwegtäuschen.

Bewertung

zwei_sterne

Aimée Carter: Der Preis der Ewigkeit I  Darkiss/ MIRA-Taschenbuch I 300 Seiten I 978-3-86278-869-9 I 9,99 Euro

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