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{Special} „Es begann mit meinem Wunsch, eine neue Art des Denkens zu erleben“ – Interview mit Melanie Meier Teil 1

Kristina: Hallo liebe Melanie! Schön, dass du hier bist, komm herein in die gute Stube und setz dich zu mir aufs Sofa. Kaffee? Schwarz oder mit Milch und Zucker? Darf es sonst noch etwas sein?

Melanie: Danke für die Einladung! Ich nehme einen Kaffee mit Milch und Zucker, und eine Zigarette. *lächelt zurück und setzt sich auf die Couch*

Kristina: Gerne, meine Liebe! *gießt alles ein und schiebt Zucker und Aschenbecher herüber* Ausnahmsweise, weil du’s bist, normalerweise ist Rauchen in der Wohnung strengstens verboten. *zwinkert*
Gestern haben wir ja schon etwas über die Welt der Filii Iani und die Charaktere, die sie bevölkern, erfahren und nun ist es mir eine Ehre, dich höchstpersönlich auszuquetschen! Ich freue mich, mein allererstes Interview überhaupt mit dir führen zu dürfen – eine echte Premiere!
Möchtest du dich zu Beginn kurz vorstellen? Was macht dich aus? Hast du ein Lebensmotto? Und was tust du, wenn du gerade nicht in die Tasten haust?

Melanie: Klar, ich versuche es mal: Ich heiße Melanie Meier, komme aus dem beschaulichen Regensburg und, äh … Was mich ausmacht? Was mich zusammenhält, das kann ich sagen: Tee, Zigaretten, Bücher, das Schreiben, Kaffee und Serien. Ein Lebensmotto habe ich nicht, das heißt, es ist in jeder Situation ein anderes. Und wenn ich nicht in die Tasten haue, dann bin ich bevorzugt an der Donau, schaue (ausgewählte) Serien, lese – oder schlafe.

Regensburg bei Nacht

Regensburg und die Donau bei Nacht von pixabay

Kristina: Ah, interessant zu hören, was dich im Innersten zusammenhält. *lächelt* Es gibt aber auch zu viele tolle Mottos, je nach Stimmung und aktueller Lage…
Serien! Du bist also ein echter Serienjunkie? Was schaust du denn gern?

Melanie: Mein absoluter Favorit ist „Doctor Who“. Ich weiß gar nicht, wie oft ich die Staffeln nun schon geschaut habe. Tatsache ist, dass die Serie IMMER gute Laune macht, man entdeckt immer wieder Neues (ähnlich wie bei den Asterix-Comics ^^) und sie stellt für mich eine unheimliche Inspirationsquelle dar. Unheimlich, im wahrsten Sinne des Wortes, denn manchmal frage ich mich wirklich, wie eine TV-Serie nur so gut sein kann …

Kristina: Oh, Doctor Who also? Dann weiß ich ja, woher die Zeitreisethematik aus Loki von Schallern Staffel 1 inspiriert ist. *grinst*
Aber jetzt zur nächsten Frage: Was wolltest du als Kind mal werden? Tierärztin? Feuerwehrfrau? Astronautin? Millionärin?

"Dr. Who" Matt Smith (Foto: Cliff Donaldson auf flickr)

„Dr. Who“ Matt Smith (Foto: Cliff Donaldson auf flickr)

Melanie: Richtig, „Doctor Who“ hat mich ganz klar inspiriert. *lächelt*
Ich weiß gar nicht, was ich als Kind werden wollte. Ich weiß nur, dass ich mit vierzehn, fünfzehn den Entschluss fasste, Journalistin zu werden, und das aber auch nur, weil ich eigentlich Schriftstellerin werden wollte, mir aber sagen ließ, das sei nicht so einfach. Journalismus kann man studieren, ließ mich mein Berufsberater wissen. Jedenfalls habe ich mich gleich auf die Suche nach einem Job gemacht und war tatsächlich ab meinem 15. oder 16. Lebensjahr (da müsste ich jetzt meinen Lebenslauf ausgraben ^^) neben der Schule als freie Journalistin bei einem kleinen Regensburger Magazin tätig. Dem folgte ein mehrmonatiges Praktikum bei einer Wochenzeitung – und dann habe ich das Ganze aufgegeben, weil es doch ganz anders war als in der Vorstellung. Den Nebenjob habe ich aber noch ein paar Jährchen gemacht.

Kristina: Dann wusstest du ja schon relativ früh, wohin die Reise gehen soll – bewundernswert!
Wie bist du denn genau zum Schreiben gekommen oder kam das Schreiben vielmehr zu dir? Seit wann bannst du deine Gedanken auf Papier? Welche Geschichten haben dich zum Schreiben gebracht? Und wie sahen deine ersten Werke aus?

Melanie: Das ist wirklich eine gute Frage, und ich befürchte, ich habe keine besonders aufregende Antwort darauf, da erging es mir wie allen anderen Schriftstellern wohl auch. Ich bin zufällig in eine Künstlerfamilie hineingeboren worden, so ein bisschen war das also vorgezeichnet. Ausgerechnet zum Schreiben kam es, weil ich unmusikalisch bin. Da musste also ein anderes Medium her, um dem Drang nachgeben zu können. *lacht* Gelesen habe ich schon immer gern. Die ersten Romane sind entstanden, da war ich dreizehn, vierzehn (das typische Alter), und es waren durchweg Fantasy-Schinken, die ich niederkritzelte. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich in der 10. Klasse, als wir den „Faust“ gelesen haben und ich erkannte, dass auch Worte Musik werden können. Irgendwie hat mich das eingefangen und nicht mehr losgelassen. Insofern, ja, es gibt jede Menge „Schubladengeschichten“, ganze Wälzer, oft mehrteilig, und allesamt ungenießbar.

Faust Hamburger Lesehefte Verlag

Faust Hamburger Lesehefte Verlag

Kristina: Schön, dass du den guten alten „Faust“ erwähnst, denn den habe ich damals in der Schule als einzige Lektüre geliebt! Es hat sich so beeindruckend gereimt und es gab viele wichtige Erkenntnisse über das Leben. ^^ Ein paar Faust-Anspielungen meine ich auch in deinen Loki-Geschichten entdeckt zu haben. *lächelt vielsagend*
Was liest du denn selbst gern? Welche Genres bevorzugst du und hast du Lieblingsautoren, die dich inspirieren?

Melanie: Puh, ich lese querbeet. Früher war ich Fantasy- und Sci-Fi-Fan, inzwischen ist alles dabei. Aus ersichtlichen Gründen sind es meistens Thriller, Krimis und alte Schinken. Meine Lieblingsautoren sind Hesse, Süskind („Der Kontrabass“ ist z. B. eines meiner Lieblingsbücher, wobei es ja eigentlich ein Drehbuch ist), Zafón (wegen seiner Sprache – worum es in seinen Büchern geht, das habe ich meistens schon vergessen, bevor ich den letzten Satz gelesen habe ^^), Mankell, ja, und natürlich Stephen King (die „Dunkle Turm“-Reihe hat es mir besonders angetan). Und Sibylle Berg dürfen wir nicht vergessen, von ihr lasse ich mir immer gern zeigen, wie dumm ich bin. *lächelt*

Kristina: Also frei nach dem Motto: „Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.“ *zwinkert*
Erzähl uns doch ein bisschen was zu deinen Lesern. Wie reagieren z. B. die Leute in deinem Umfeld auf deine Geschichten (Nachbarn, Freunde, Verwandte)? Und was war dein schönstes „Fan-Erlebnis“?

Melanie: So viel Interaktion zwischen meinen Lesern und mir gibt es gar nicht. Vielleicht auch nur bisher nicht, vielleicht kommt das ja noch. Was ich bis heute zu lesen und zu hören bekommen habe, war eigentlich vorrangig positiv. Das schönste Erlebnis fand während der diesjährigen Leipziger Buchmesse statt, auf die ich leider nicht fahren konnte, und von der aus mir gewisse Buchblogger Fotos, und eine von ihnen sogar einen Überraschungsumschlag mit fantastischem Inhalt geschickt haben. Ich glaube, du weißt, von wem ich spreche. *zwinkert*

Kristina: *lacht* Oh, ich glaube ich weiß, wen du meinst! Nächstes Jahr müssen wir uns unbedingt in Leipzig treffen!
Und nun kommen wir endlich zu den Filii Iani. Ich weiß ja, dass du gemeinsam mit deiner Familie, vor allem mit deiner Mama an ihnen gefeilt hast. Wie fing alles an? Woher kam die Idee und wie lange hat es gedauert, die umfangreiche Geschichte zu recherchieren und aufzubauen?

Filii Iani Wappen

Filii Iani Wappen

Melanie: Angefangen hat es 2009. Ich saß spätnachts in einem Club, in Gedanken versunken. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem neuen Roman-Thema, ich wollte in Richtung Thriller gehen. So ganz ohne fantastische Elemente komme ich aber selten aus, will ich meistens auch gar nicht, mein Alltag ist schon real genug. Also entschied ich, Menschen mit besonderen, mystisch anmutenden Fähigkeiten in unsere sogenannte Realität zu setzen. An sich ja nichts Neues. Es entstand ein Roman, und ich merkte, dass die Welt, die ich da erschaffen hatte, sehr viel mehr hergeben könnte. Ich kam mit meiner Mutter ins Gespräch, und ein paar Jahre später, Ende 2011, Anfang 2012, fing ich an, Loki von Schallern, äh, zu entwerfen? – zu gestalten? Sagen wir so: Er kam einfach zu mir. *lächelt* Und im Laufe der Zeit, während ich mich mit Loki anfreundete und wieder und wieder Rücksprache mit meiner Mutter hielt, bekam parallel dazu auch die „Filii Iani-Welt“ immer klarere Konturen.

Kristina: Das klingt ja nach einem langen und aufregenden Entstehungsprozess.
Und du hast mir gerade die perfekte, elegante Überleitung in die Hände gelegt, also dann: Wann und wie genau begann denn eure verhängnisvolle Affä-… äh… Begegnung und auf welchem Weg trat Loki in dein Leben? Wie lang hat seine Entwicklung gedauert?

Ganzkörper Loki Feuer

Melanie: Da müssen wir jetzt stark differenzieren, und ich muss gut aufpassen, was ich sage, um nichts allzu Persönliches preiszugeben. *lacht* Loki von Schallern ist das exakte Gegenteil von mir. Könnte man sagen. Muss man aber nicht glauben. *grinst* Es begann mit meinem Wunsch, eine neue Art des Denkens zu „erleben“. Mir wurde die Begrenzung der Wahrnehmungsfähigkeit, mein „Erkenntnishorizont“, so bewusst, dass es wehgetan hat. Ich wollte herausfinden, ob ich mehr bin als kreativ-verplant. Also habe ich mich hingesetzt und angefangen, mich mit dem Geist als solchem zu beschäftigen, mit dem Denken, dem Verstand, dem Pragmatismus, der Ratio – du verstehst? Gleichzeitig habe ich Loki gewisse Charaktereigenschaften verpasst und versucht, mich hineinzuDENKEN (nicht zu fühlen!), und anschließend habe ich ihm eine Vergangenheit gegeben, die diese Eigenschaften „provoziert“. Es hat gut ein Jahr gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich während des Schreibens zu ihm wurde. Da erst habe ich es (ihn) auch gefühlt, so verrückt sich das anhört (*hebt die Hände* bitte weise mich jetzt nicht in die Anstalt ein!). Der Prozess dauert noch immer an. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob mein Vorhaben, aus meiner Wahrnehmung auszubrechen, geglückt ist. Das ist wohl eine der großen Fragen des Lebens: War Loki schon in mir und ich habe ihn nur „herausgeschält“, quasi eine meiner Eigenschaften in den Vordergrund gezerrt und ergründet, oder habe ich ihn „herangezüchtet“? Keine Ahnung. Nächste Frage, bitte.

Kristina: Na das ist doch mal eine ganz neue Herangehensweise und beeindruckt mich. Wenn es nach mir geht, ist dir dein Vorhaben auf jeden Fall gelungen!
Du hast dich sozusagen mit ihm entwickelt und er sich mit dir. Oder so. *grinst* Auf Loki kommen wir in einer späteren Frage auch nochmal zurück…
Man sagt ja: „Inspiration liegt auf der Straße, man muss sie nur aufheben“. Wovon lässt du dich inspirieren? Bücher, Serien, Filme, Musik, Gedichte, Bilder, Natur, eigene Erlebnisse?

Melanie: Du hast eigentlich alles schon aufgezählt. Ich weiß nicht so genau, was es mit der Inspiration auf sich hat, so ganz erschließt sich mir der Vorgang nicht, aber irgendwas wird schon dran sein. *grinst* Sagen wir so: Am meisten treibt mich der Wunsch um, neue Gedanken zu haben, die Menschen und ihre Motive zu verstehen und Dinge zu erleben, die ich im Alltag gar nicht wirklich erleben will. Das inspiriert mich.

Kristina: Das hast du aber schön gesagt! Und ich finde, das ist auch das Schöne am Lesen: Man kann tausende verschiedener Leben leben und Gedanken denken, die man sonst nie hätte, und fühlt sich reicher und schlauer und bildet sich ein, unzählige Lebensgeschichten hinter sich zu haben statt nur einer.
Wie kamst du auf die Idee, zuerst eine Trilogie und im Anschluss E-Book Staffeln herauszubringen, die dann später auch als Buch erscheinen? Das Konzept war mir neu, funktioniert aber gut, weil die einzelnen Episoden zwar in sich abgeschlossen sind, aber doch offen bleiben und die Neugierde anheizen. War das von Anfang an so geplant oder hat sich das irgendwie ergeben?

Trilogie

Serie Staffel 1

Serie Staffel 2

Melanie: Das hat sich so ergeben. Anfangs war nicht einmal die Trilogie geplant, nur „Venit“, das natürlich noch nicht so hieß. Loki war so komplex, ich konnte nicht aufhören. Gegen Ende des ersten Entwurfs von „Venit“ wurde mir das klar, und darum habe ich kurzerhand so ziemlich alles umgeworfen und eine neue Version geschrieben, an die sich anschließen ließ. Und als die Trilogie fertig war, verbrachte ich ungefähr einen oder zwei Monate in totaler Selbstverleugnung, ehe ich mir eingestand, dass Loki noch nicht fertig mit mir war. Darum habe ich weitergemacht. Und weil ich zu der Zeit gerade vom „Gar-nicht-Fernsehzuschauer“ zum Serien-Junkie mutierte, kam ich auf die Idee, auf den „eBook-Serien-Zug“ aufzuspringen. Das war für mich eine Herausforderung, immerhin sind die Episoden ein bisschen anders aufgebaut als ein Roman, alles ist schneller, rasanter, muss auf wenigen Seiten erzählt werden, und auf Herausforderungen (in gewissem Rahmen ^^) stehe ich ohnehin.

Kristina: Ah, auch DAS wusste ich noch nicht und ich lerne hier wirklich immer wieder was Neues! Ich kann mir gut vorstellen, dass Loki so seine Aufmerksamkeit fordert. Ein ganz schöner Quälgeist was? *zwinkert*

Ihr Lieben, das war Teil 1 unseres tollen Interviews und wir hoffen, es hat euch bis hierher gefallen. :) Morgen gibt es dann Teil 2, in dem es u. a. um Melanies Schreiballtag, geplante Folgeprojekte, Sherlock, Jensen Ackles und und und … geht. Bis morgen dann! ;)

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