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{Rezension} Das Lied der Dunkelheit von Peter V. Brett

„Weit ist die Welt – und dunkel …“ … und in der Dunkelheit lauert die Gefahr. Das muss der junge Arlen auf bittere Weise selbst erfahren. Schon seit Jahrhunderten haben Dämonen, die sich des nachts aus den Schatten erheben, die Menschheit zurückgedrängt. Das einzige Mittel, mit dem die Menschen ihre Angriffe abwehren können, sind die magischen Runenzeichen. Als Arlens Mutter bei solch einem Dämonenangriff umkommt, flieht er aus seinem Heimatdorf. Er will nach Menschen suchen, die den Mut noch nicht aufgegeben und das Geheimnis um die alten Kriegsrunen noch nicht vergessen haben. (Klappentext)

Rezension

Keiner, der gern Fantasy-Bücher liest, kommt auf Dauer um Peter V. Brett herum. Mit seinem Debüt „Das Lied der Dunkelheit“, das 2008 erschien, hat er die internationale Fantasy-Gemeinde im Sturm erobert. Auf 800 Seiten lässt er eine Welt aufleben, die Nacht für Nacht von Dämonen heimgesucht wird. Die Menschen sind die hilflosen Gejagten, denn selbst die besten Kämpfer können kaum gegen die Horclinge, so der Name der Dämonen, bestehen. Lediglich ein paar alte Siegel, an die Häuser gemalt, können sie ein wenig im Zaum halten.

Als der junge Arlen eines nachts mit ansehen muss, wie die Dämonen sich auf seine Mutter stürzen, während sein Vater wie ein Feigling dasteht und zusieht, ist sein Ehrgeiz geweckt. Es hält ihn nichts mehr zu Hause. Wut über seinen Vater, gepaart mit dem Abenteuerwunsch treiben ihn hinaus in die Welt, wo er sich zum Kurier und Bannzeichner ausbilden lassen will.

Langsam verdichtete sich der Dunst, und als die Dämonen aus der Tiefe nach oben krochen, gewannen ihre Leiber an Substanz. Auch Arlen stand auf und ballte seine kleinen Fäuste. (S.124)

Leesha leidet zwar unter ihrer herrischen Mutter, doch ihr Leben läuft in geregelten Bahnen. Sie fiebert darauf hin, endlich den jungen Holzfäller Gared zu heiraten und eine eigene Familie zu gründen. Doch natürlich kommt alles ganz anders. Schuld sind jetzt aber nicht die Horclinge, sondern die Menschen. Als Leesha Gared den Beischlaf vor der Ehe verweigert und er ihre Ehre daraufhin mit übler Nachrede beschmutzt, sind alle Träume von der gemeinsamen Zukunft zunichte. Stattdessen ergreift Leesha die Gelegenheit und schlägt den Weg zur Kräutersammlerin ein.

Rojer ist gerade drei Jahre alt, als seine Eltern von den Horclingen ermordet und er von einem Jongleur adoptiert wird. Er träumt davon, wie sein Ziehvater durch die Dörfer zu ziehen und die Menschen mit Musik, Geschichten und Akrobatik zu unterhalten. In einem dramatischen Kampf mit den Dämonen stößt er auf eine interessante Fähigkeit.

Rojer konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen, und Arrick stimmte ein Wiegenlied an. Er sang, während das Dorf Flussbrücke völlig niederbrannte. Er sang, während die Dämonen tanzten und ihre menschlichen Opfer verspeisten. (S.261)

Das Lied der Dunkelheit von Peter V Brett

Es sind drei Perspektiven, drei Leben, die der Autor dem Leser in diesem Buch präsentiert. Alle drei Protagonisten treten zunächst als Kinder bzw. als Jugendliche in der Geschichte auf. Im Wechsel erlebt der Leser ihr Älterwerden, ihre Ausbildung, ihre Charakterentwicklung, und bekommt so ein umfassendes Bild von der Welt und von den Berufen, die die drei anstreben.

Auch die Nebenfiguren und Antagonisten bleiben nicht blass, sondern sind ausführlich gezeichnet. Ebenso viel Wert wie auf die Charaktere legt der Autor auf die politischen, kulturellen und religiösen Aspekte seiner Welt – wenngleich hier noch viel Luft nach oben ist.

Im ersten Band nimmt sich der Autor sehr viel Zeit, seine Welt zu gestalten und die drei Protagonisten vorzustellen. Langweilig wird es auf den 800 Seiten dennoch nicht, denn er wechselt geschickt an besonders spannenden Stellen die Perspektive und produziert dadurch kleine Cliffhänger. Die Handlungsstränge sind recht straff und ereignisreich.

Auch sein Schreibstil ist sehr angenehm. Er beschreibt nicht zu Tode oder reitet lange auf irgendwelchen Details rum, sodass man als Leser durch die Seiten fliegt. Nach einem Perspektivwechsel kommt man schnell wieder in diese hinein und der Autor spinnt den Handlungsstrang auch mit fesselnden Entwicklungen weiter.

Das Buch enthält außerdem eine sehr schöne Karte, die einem beim Lesen und den wechselnden Perspektiven die Orientierung enorm erleichtert.

Fazit

„Das Lied der Dunkelheit“ von Peter V. Brett ist der absolut gelungene Auftakt zur „Dämonenzyklus“-Reihe. Der Autor nimmt sich viel Zeit, seine Welt zu gestalten und seine Protagonisten vorzustellen. Dennoch wird es nicht langweilig, weil er durch den Wechsel der Perspektiven immer wieder Spannung erzeugt und sich auch niemals in Details verliert.

Bewertung

Peter V. Brett: Das Lied der Dunkelheit | Heyne Verlag | 800 Seiten | 978-3453524767 | 15,00 Euro

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2 Kommentare

  • Antwort Elizzy 23. Februar 2017 at 8:45

    Klingt nach einer spannenden Reihe! Wie viele Bücher gibt es denn bereits davon?

    • Antwort Sandy 23. Februar 2017 at 21:45

      Hallo Elizzy,

      es gibt im Moment 4 Bände, die alle (außer der erste) über 1000 Seiten haben. Der fünfte Band erscheint voraussichtlich im September 2017.

      LG Sandy

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