Gedankenflut Kolumne über Bücher und Bloggen
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{Kolumne Gedankenflut} 7x Freud und Leid einer Buchbloggerin

Ihr Lieben, es ist wieder an der Zeit für eine Gedankenflut meiner Wenigkeit. :D Im Laufe meines Bloggeralltags haben sich nämlich ein paar Gedanken angesammelt, die langsam mal an die frische Luft müssen. Denn sie beschäftigen mich sehr und begleiten mich jeden Tag. Deshalb bekommt ihr jetzt einen kleinen Einblick „hinter die Kulissen“ und ich plaudere etwas aus dem Nähkästchen … Am meisten interessiert mich aber zu erfahren, ob es dem ein oder anderen von euch ähnlich geht, dann fühle ich mich nicht so allein. ^^

1. Kritischer Lesen

Traurig, aber wahr. Ob ich will oder nicht, seit ich Vielleserin und Bloggerin bin, lese ich Geschichten viel kritischer und das nervt mich manchmal. Denn ich suche bei Büchern, die mich nicht zu 100 % fesseln, schon während des Lesens nach Fehlern und Schwächen. Das betrifft vor allem das schriftstellerische Handwerk: Storyaufbau, Charakterentwicklung, Schauplatzbeschreibung, überraschende Wendungen, Klischees, Schreibstil usw. Da kommen mir wohl die ganzen Schreibratgeber, Filmanalysen & Co. in die Quere, die ich im Laufe der Jahre gelesen habe … Ich bin stets auf der Suche nach der „ultimativen Story“, den „authentischsten Charakteren“ und der „überraschendsten Wendung“. Diese Checkliste, die ich im Hinterkopf habe, kann ich ganz schwer ausblenden, was mir manchmal das Lesen vermiest … Die gute Nachricht: Bei wirklichen Pageturnern und Knaller-Büchern kann ich so tief eintauchen, dass ich das fast komplett ausschalten kann – immerhin.

2. Lese- und Rezensionsstress

Ja, ein zugegebenermaßen hausgemachtes Problem, das hauptsächlich in meinem Kopf existiert. Ich frage in letzter Zeit ab und zu Rezensionsexemplare an, weil es mich motiviert zu wissen, dass jemand auf meine Meinung wartet und ich eine Rezension schreiben MUSS. Das ist manchmal der fällige Tritt in den Allerwertesten, damit ich auch wirklich eine schreibe. Das versetzt mich aber auch in Stress, weil ich manchmal nicht sofort Lust auf ein Buch oder zu viele Bücher auf einmal angefragt habe (wer kann denn damit rechnen, dass er auch alle zugesagt bekommt xD). Ergo bleibt es dann erst mal liegen und schaut mich vorwurfsvoll an, während mein SUB weint …

Auch kostet es mich manchmal etwas Überwindung, mich an eine Rezension zu setzen (vor allem, wenn es eine nicht so begeisterte ist) und mir während des Lesens Notizen zu machen, was ich auch nicht immer durchziehe. Außerdem möchte ich lieb gewonnene, vor allem deutsche und unbekanntere Autoren unterstützen, deren Werke mich beeindruckt haben. Eine Rezension will geschreiben werden und das möglichst schnell nach dem Erscheinungstermin. Da ich soooooooooooo viele interessante Bücher hier stehen habe, versetzt mich das schon manchmal in Stress und ich muss noch lernen, damit besser umzugehen …

3. Mehr Stöbern als Lesen

Ein alltägliches Problem. Dank Smartphone, Empfehlungen auf allen Kanälen und Amazon-App vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Buch auf meiner WuLi landet bzw. auch mal runtergeschmissen wir. Da man das immer nebenbei machen kann – beim Warten auf den Bus, beim Arzt, beim Fernsehen und sogar auf der Toilette –, nimmt es langsam echte Ausmaße an. Die Ablenkung nervt mich, weil ich manchmal lieber lesen als am Smartphone sitzen würde, doch die Verlockung ist zu groß. Und so landen noch mehr Bücher auf meiner WuLi oder werden direkt gekauft und die alten bleiben weiterhin liegen … Zumindest habe ich jetzt ein strenges Buchauswahlverfahren eingeführt, das wie folgt geht:

  1. Nie ohne Leseprobe (Den Fehler mach ich nicht noch mal!)
  2. Lieblingsautoren vor
  3. Persönliche Empfehlungen von Freunden, Bloggern & Co.
  4. Einzelbände vor Reihen
  5. besondere Anlässe
  6. erste Rezensionen abwarten
  7. WuLi-Bücher

4. Reizüberflutung und Sättigung

Das ist mir vor allem im letzten Jahr aufgefallen. Kennt ihr das, wenn ihr den Klappentext eines neuen Buches lest und denkt: „Das war doch alles schon mal da. Nichts Neues unter der Sonne.“? So gehts mir oft. Zu oft. Dazu kommt die wahre Überflutung mit Self Publishern und digitalen Imprints, sodass ich mich oft überfordert fühle. Das alte Leid „Mehr Bücher, als man je lesen kann“. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich irgendwie „satt“ bin vor lauter tollen Büchern und da habe ich letztens erst gedacht: „Jemand schenke uns ein Lesejahr komplett ohne Neuerscheinungen und ich ziehe mich in meinen Burggarten im Himmel zurück, streichle Einhornhaustiere und lese, lese, lese in meinem Wolkensessel. Das wäre dann alles, danke.“ :D

5. Wundervoller Kontakt zu Buchbegeisterten

Genug gemosert, kommen wir zu den positiven Erlebnissen als Buchbloggerin. :) Am dankbarsten bin ich für den wunderbaren Kontakt zu allen Buchbegeisterten: Bloggern, Lesern, Autoren, Verlagen … Ich freue mich so, den ganzen tollen Menschen begegnet zu sein und die gemeinsame Leidenschaft zu teilen (an der Stelle huhu an alle, die sich angesprochen fühlen – ja, genau ihr seid gemeint)! ;) Daraus entstanden auch Freundschaften und viele tolle Treffen auf Buchmessen & Co. Das kann mir keiner nehmen und allein dafür hat sich das Bloggen schon gelohnt! <3

6. Veranstaltungen, Reziex & Co.

Ein Punkt, über den nicht jeder offen spricht und der schon für Unmut in der Bloggerwelt gesorgt hat. Ich bin einfach dankbar für jedes einzelne Rezensionsexemplar und das Vertrauen der Verlage und Autoren. Irgendwie auch ein schönes Gefühl, zu wissen, dass jemand Wert auf meine ehrliche Meinung legt. Dazu kommt der freie Eintritt für Blogger bei der Leipziger Buchmesse, wovon ich beim ersten Mal gar nichts wusste und richtig überrascht war. Dann gibt es ab und zu Einladungen zu besonderen Veranstaltungen rund um Bücher, die man über die Verlagsverteiler erhält, wie z. B. die Pressebörse in Berlin oder auch mal eine Filmpremiere. Das ist immer ein wahres Highlight – sofern ich es schaffe, hinzugehen. Ich versuche immer, mich daran zu erinnern, das  nicht für selbstverständlich zu nehmen, und bleibe einfach dankbar.

7. Professionalität vs. Gefühl

Der letzte Punkt bereitet mir beim Rezensieren immer wieder Kopfzerbrechen. Wie viel komplett subjektive Schwärmerei oder Meckerei in einer Rezension ist okay? Geht da nicht irgendwie die Objektivität und Professionalität flöten? Und muss ich überhaupt objektiv sein? Ich mache das hier doch als Hobby und kann im Blog so viel rumschwärmen und meckern, wie ich will. :D Oder? Dann meldet sich die andere Stimme und sagt: „Aber du willst doch professionell rüberkommen und darfst dich nicht zu sehr von deinen Gefühlen leiten lassen. Wahre einen gewissen Abstand zur Geschichte.“ Und am Ende entscheide ich mich doch meistens für die subjektive Schwärmerei oder Meckerei und lasse meinen Gefühlen in den Rezensionen freien Lauf … Wobei ich daran noch arbeite und meine eigene Stimme mehr herausmeißeln möchte. Ich geb mir Mühe! :)


So, das musste mal gesagt werden. Ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt und bin jetzt tierisch gespannt auf eure Antworten. Kommt euch einer meiner Punkte bekannt vor? Geht es euch genauso oder vielleicht auch ganz anders? Habt ihr Erlebnisse oder Tipps, die ihr mit mir teilen wollt? *immer her damit*

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5 Kommentare

  • Antwort Jacquy 11. März 2017 at 14:57

    Schöner Artikel, dem ich so zustimmen kann!
    Mir geht es durch das Bloggen auch oft so, dass ich beim Lesen schon überlege, was ich später in der Rezension bemängeln könnte und dadurch geht schon einiges an Lesespaß verloren. Ich habe schon vor längerem aufgehört, regelmäßig Rezensionsexemplare anzufragen, weil es mich auch zu sehr unter Druck gesetzt hat. Wenn ich wusste, ich muss eine Rezension schreiben, hatte ich überhaupt keine Lust mehr darauf und dann hat es auch nicht mehr geklappt, weshalb ich das jetzt jahrelang nur sehr selten gemacht habe. So ist es auf jeden Fall entspannter, auch wenn einem dabei natürlich einige tolle Bücher durch die Lappen gehen :D
    Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich mir denke „die Zeit, die du gerade auf instagram damit verbracht hast, Bücher anzuschauen, hättest du auch zum Bücher LESEN nutzen können“. Daran muss ich auf jeden Fall noch arbeiten und mir öfter bewusst machen, meine Zeit sinnvoller zu nutzen. Aber hey, das Problem haben wir vermutlich alle, es ist auch einfach zu verlockend :D
    Was Rezensionen angeht gefällt mir eine subjektive Meinung eigentlich noch besser als eine „professionelle“. Was nützt es mir, wenn der Schreibstil objektiv gesehen super ist, aber das Buch trotzdem nicht fesselt? Außerdem macht das Lesen mir viel mehr Spaß, wenn man die Gedanken und Gefühle der Blogger noch rauslesen kann und es nicht komplett sachlich ist. Also keine Sorge, schreib einfach so, wie du möchtest :)

    Liebe Grüße!

  • Antwort Let 'em eat books 11. März 2017 at 17:51

    Huhu Kristina,

    zunächst einmal: Du bist nicht alleine. Ich kann nicht alles unterschreiben. Gerade mehr Kontakte würde ich mir wünschen. Mehr, mit denen auch mal abseits der Blogkommentare redet, einfach so dieses Klischee des ‚Wir treffen uns über ein gemeinsames Hobby und bleiben in Kontakt‘. Da ich aber nicht so der Mensch bin, der gerne rausgeht, und als Klaustrophobiker in Menschenmengen wie auf der Buchmesse untergehen würde, schätze ich, dass das bei mir Wunschdenken bleiben wird.

    Aber gerade Punkt 1 und 7 habe ich auch extrem. 1 ist zwar unangenehm, hilft aber bei 7 etwas. Denn auch wenn ich schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist und deshalb wohl nie in Fernsehen, Zeitung oder Radio über meine Bücherempfehlungen sprechen dürfte, hilft diese überkritische Einstellung zumindest, das Urteil auch zu begründen. Oft. Manchmal kann man auch dann nur schreiben ‚Mir hat das entscheidende Etwas gefehlt‘.
    Aber auch Reizüberflutung und Sättigung kommen bei mir dazu. Zum Glück wird aber zumindest meine Wunschliste nur größer, wenn ich Lovelybooks Leserpreise oder die Goodreads Awards durchklicke. Sonst hält sich das zum Glück in Grenzen. Und aktuell habe ich eine Jahreschallenge, die mir Käufe eh unmöglich macht und mich so auch von Rezensionsexemplaren abhält – zumal ich eh nicht so der Freund von Neuerscheinungen bin. Ich mag keinem Hype angehören und Bücher, die alle rezensieren, will ich nicht. Ich rezensiere lieber alte oder wenig bekannte Bücher, die dafür zwar vermutlich weniger Leute interessieren, aber einfach mich als Leser besser … charakterisieren?

    Liebe Grüße
    Taaya von Let ‚em eat books

  • Antwort [WFEW] Was für eine Woche #10 – Let 'em eat books 12. März 2017 at 15:01

    […] Woche gefunden habe ich einen schönen Blogbeitrag von Tintenmeer, bei dem Kristina vom Blog von den Freuden und Leiden einer Buchbloggerin erzählt. Dabei kann ich […]

  • Antwort Seitenfetzer 19. März 2017 at 12:51

    Ave,
    lustigerweise kann ich den ersten Punkt ziemlich gut verstehen – obwohl er bei mir ziemlich anders auftritt. Wenn man die letzten zwei Jahre mit Deutsch- und Englisch-Leistungskursen verbracht und nebenbei noch Latein belegt hat, kommt man auch nicht umhin, im Alltag urplötzlich auch alles mögliche zu analysieren. Beim privaten Lesen geht das noch meistens – auch wenn ich gelegentlich mal denke „Oh, eine Metapher“, „ah, eine Anapher“ oder Ähnliches. Aber wie gesagt, das hält sich noch in Grenzen.
    Allerdings merke ich es bei Musik wirklich extrem. Sobald ein Lied deutsche oder englische Texte hat, fange ich an, die Metaphorik oder andere Stilmittel im Kopf auseinanderzunehmen als gäbe es kein Morgen. Das kann auch ziemlich anstrengend werden, führt gelegentlich aber auch zu recht amüsanten Ergebnissen.

    Liebe Grüße,
    Seitenfetzer

  • Antwort Lotta 24. März 2017 at 9:16

    Guten Morgen,
    Ich habe den Beitrag mit großem Spaß gelesen! Ich glaube, zumindest den ein oder anderen Punkt kennt einfach jeder Blogger. :D Bei Punkt 1 stimme ich auf jeden Fall zu. Das geht mir ganz genauso. Seitdem ich Bloggerin und nun auch Buchhändlerin bin, lese ich Bücher ganz anders als vorher. Ich habe andere Ansprüche an die Geschichten und den Aufbau der Bücher.
    Punkt 2 war bei mir früher auch so, mittlerweile bin ich jedoch unglaublich entspannt geworden. Ich bin der Meinung, dass es einfach keinen Zwang geben sollte, weil die Leser das auch merken, wenn ein Beitrag nur so geschrieben ist, weil es geschrieben werden musste. Das finde ich dann immer schade – bin davor aber auch nicht geschützt. Mir ist das auch schon passiert.
    Mir wäre noch wichtig zu Punkt 7 etwas zu sagen, denn bei den anderen stimme ich einfach vollkommen zu. ;)
    Ich denke, dass gerade unsere Subjektivität doch unsere beste Chance ist Bücher an den Leser zu bringen. Die Leser deines Blogs mögen anscheinend was du schreibst und wie du schreibst. Sie lesen vermutlich ähnliche Bücher wie du und verlassen sich auf deine Meinung und dein Gefühl. Das ist es was deinen / unseren Wert ausmacht. Finde ich. Einen eigenen Stil entwickeln, finde ich gut, es ist immer gut sich von anderen abzuheben bzw. seinen eigenen Weg zu finden.

    Toller Beitrag!

    Liebst, Lotta

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