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{Rezension} „Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt“ von Akram El-Bahay

In seinem neuesten Werk „Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt“ entführt Akram El-Bahay, der Autor mit den ägyptischen Wurzeln, seine Leser wieder einmal in eine orientalisch anmutende Welt: genauer gesagt in die Stadt Mythia. Hier lebt der junge Dieb Samir, der seinem bisherigen Leben abschwören möchte. Es gelingt ihm mit einem Trick, ein neues Leben als Teil der Palastwache zu beginnen. Doch seine neue Aufgabe erweist sich als ganz anders als erhofft. Statt den Weißen König zu bewachen, wird er in die Katakomben unter der Stadt gesteckt. Hier, in Paramythia, ist alles voller uralter Bücher und nicht sehr spannend für einen ehemaligen Dieb, der noch nicht mal lesen kann. Es dauert aber nicht lange, bis Sam entdeckt, dass sich in den Hallen und Straßen aus Tinte und Papier noch andere Wesen herumtreiben, die nicht ungefährlich sind. Und auch in der Gefolgschaft des Königs gibt es einige Personen, die anscheinend eigene Ziele verfolgen.

Eine ganze Stadt aus Büchern gebaut, eine unheimliche Bibliothek, mythische Wesen, die durch die Gänge schleichen? Das klang nicht nur vielversprechend, sondern auch nach einer Lektüre, an der kein Buchnerd dieser Welt vorbei kommt. Doch jeder Autor, der sich heute an die große Aufgabe wagt, eine Bücherstadt zu erschaffen, wird sich an Walter Moers Meisterwerk „Die Stadt der träumenden Bücher“ messen lassen müssen. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch – aber dennoch nicht zu hoch, den jedes Werk muss seine eigenen Besonderheiten finden. Dieser Bücherstadt wollte ich liebend gern eine Chance geben, weil ich durch „Henriette und der Traumdieb“ schon wusste, wie schön und fantasievoll der Autor erzählt. Mit meiner Rezension tue ich mich jetzt aber sehr schwer, denn dieses Buch hier war zwar auf keinen Fall schlecht, aber es konnte mich leider nicht so überzeugen und begeistern wie erhofft. Doch der Reihe nach …

Unseren Protagonisten Samir lernen wir gleich in Aktion kennen. Er ist auf seiner letzten Diebestour, auf der natürlich nicht alles glatt läuft und die dem Buch einen rasanten Einstieg beschert. Schnell merkt man, dass Sam ein cleverer Kerl ist, dessen Leben bisher nicht einfach war. Mit einigen Verlusten musste er bereits umgehen – der Autor verrät darüber anfangs noch nicht zu viel, sodass noch Platz für Spekulationen bleibt. Trotz gutem Start hatte ich aber bis zum Schluss das Gefühl, Sam nicht richtig kennengelernt zu haben. Immer bestand eine gewisse Distanz, sodass ich mich nicht gänzlich in ihn hineinversetzen konnte und mir manche seiner Handlungen nicht schlüssig waren. Auch sein Alter von 25 Jahren habe ich ihm nicht abgenommen, war sogar überrascht, als es erwähnt wurde. Ich hätte ihn viel jünger eingeschätzt, ein Eindruck, der sich auch bis zum Ende nicht verändert hat. Mit den anderen Figuren erging es mir leider ähnlich. Nur sehr wenige der Figuren lernt man überhaupt näher kennen und selbst sie blieben mir letztlich zu blass, sodass mich ihr Schicksal nicht recht berühren konnte. Es fehlte ihnen an Komplexität, und vor allem an Handlungsmotiven – sowohl bei den Guten als auch bei den Bösen, die man bedauerlicherweise trennscharf auseinanderhalten konnte.

Die ganze Geschichte verläuft passend dazu linear und ohne Nebenhandlungen, die mehr über die Denkweise anderer Figuren oder den Aufbau der Welt verraten hätten. Stattdessen wechseln sich lange Passagen von Beschreibungen mit vielen Actionszenen ab, die jedoch die Geschichte nicht so recht vorantreiben und für mich auch nicht so spannend waren. Es gibt wenig Enthüllungen und keine besonderen Wendungen. Stattdessen macht der Autor sogar den Kapitalfehler und lässt seine Bösewichte schließlich lang und breit ihre Motivation erklären, bevor es ans Kampfgeschehen geht – für mich leider ein No-Go und der Spannung absolut abträglich.

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Und die Bücherstadt? Konnte sie es wenigstens herausreißen? Ich traue mich fast nicht, es zu sagen, aber … leider konnte sie es nicht. Zwar war die „Einführung“ in die Bücherstadt sehr ausführlich und genau nach meinem Geschmack, doch im weiteren Verlauf spielten Bücher und die Bücherstadt keine große Rolle mehr. Sie war nur noch zeitweise Handlungsort, doch keiner, der besondere Geheimnisse bereithielt. Vielleicht lag es auch daran, dass wir mit Sam einen Nicht-Leser als Protagonisten haben, den die Bücherstadt zu Beginn zwar in Erstaunen versetzt, den sie aber nicht faszinieren kann. Erst gegen Ende der Geschichte erfährt man wieder etwas mehr über die mysteriöse Historie dieses Ortes – ein Part, der mir wieder richtig gut gefallen hat, doch leider nicht zum Fortgang der Geschichte beigetragen hat.

Dass das Ganze der Auftakt zu einer Trilogie ist, habe ich am Anfang nicht gewusst. Leider bleibt damit für mich am Ende auch viel zu vieles offen, das in kommenden Bänden sicherlich weiterverfolgt werden wird. Ich denke aber nicht, dass ich weiterlesen werde.

Fazit

„Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt“ von Akram El-Bahay konnte mich leider nicht so mitnehmen, wie ich es erhofft hatte. Obwohl mir der Schreibstil wieder gut gefallen hat, fehlte mir die Faszination für die (Bücher-)Welt, in der diese Fantasygeschichte spielt. Zudem war sie mir zu eindimensional und die Figuren blieben blass. Es fehlte mir an Komplexität, an Wendungen und Enthüllungen.

Bewertung

Akram El-Bahay: Bücherstadt – die Bibliothek der flüsternden Schatten | Bastei Luebbe | 382 Seiten | ISBN: 978-3-404-20883-8 | 14,00 Euro (Paperback) | 10,99 Euro (E-Book)

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