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{Rezension} Tanz, meine Seele von Kira Minttu

„Aber womöglich existiert dieser Teil in mir einfach nicht. Vielleicht bin ich Harper-ohne-diesen-Teil, einfach nur Harper, ein empfindungsarmes Tiefseewesen.“

Harper liebt das Tanzen, ihre Unabhängigkeit und daneben nur noch Molly, ihre eigensinnige Perserkatze. Reicht völlig aus, findet Harper, und beobachtet kopfschüttelnd, wie ihre beste Freundin Andra von einer Beziehungskatastrophe in die nächste stolpert. Bis Harper beim Tanzen plötzlich vor einer Herausforderung steht, die sich weder durch Kampfgeist noch mit Sarkasmus lösen lässt: Wie soll sie Gefühle auf der Bühne zeigen, die sie nicht spürt? Einen gäbe es vielleicht, der ihr helfen könnte. Doch vor ihm hält Harper ihr Herz erst recht unter Verschluss … (Klappentext)

Rezension

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde es immer besonders aufregend, die Geschichte einer Autorin zu lesen, von der man bisher noch nichts kennt und sich sozusagen blind ins Abenteuer zu stürzen. Ich habe von der zauberhaften Kira Minttu bisher nur ein paaar Zitate plus eine superkurze Leseprobe aus „Tanz, meine Seele“ inspiziert. Nach dem schnellen Test-Reinschnuppern stand für mich fest: Das Buch muss ich lesen! Gesagt, getan und hier kommt nun meine knallhart ehrliche Meinung. ;)

Zuerst mal: Kira Minttu kann definitiv schreiben, aber sowas von! Harper, die Ich-Erzählerin, hat eine ganz eigene Art, ihre Geschichte zu erzählen. Vorwiegend sarkastisch, würde ich sagen. Sie ist wirklich eine coole Socke und ziemlich locker und aufgeschlossen. Einem One Night Stand nicht abgeneigt und tiefe Gefühle nicht zulassend, tanzt sie durch die Geschichte. Ihre größten Vertrauten sind ihre Perserkatze Molly und ihre beste Freundin Andra, zu der die Beziehung allerdings auch nicht immer einfach ist.

Obwohl Harper etwas eigen und völlig anders ist als ich, mochte ich sie gleich vom ersten Satz an. Ihre schlagfertigen Sprüche und sarkastischen Gedankengänge haben mich ein ums andere Mal eiskalt erwischt. Ich musste so breit grinsen! Sie ist keine Dramaqueen und das war zur Abwechslung mal erfrischend zu lesen. Ich steckte zu jeder Zeit in ihrer Haut.

Neben ihr verblassen die weiteren Charaktere ein wenig, aber ich habe sie trotzdem alle ins Herz geschlossen und das Wichtigste: Sie waren keineswegs perfekt und damit lebendig! Luke, ihr Agent war irgendwie schon heiß, muss ich zugeben. :D So manche Szene hätte ich auch gern aus seiner Sicht gelesen.

Harpers Gefühle – Trauer, Verzweiflung, Wut, Leidenschaft – haben mich förmlich mitgerissen und es fühlte sich so realistisch an, dass ich sie am eigenen Leib gespürt habe. Dafür ein dickes „wow“ an die Autorin! Ebenso merkt man, dass die angesprochenen Themen (die ich hier nicht spoilern will) der Autorin wichtig sind und sie mit viel Leidenschaft schreibt. Es gab auch einige schöne Zitate, die ich mir markiert habe. All das machte „Tanz, meine Seele“ zu einem Suchtbuch, das ich am liebsten in einem Rutsch verschlungen hätte!Rezension | Tanz meine Seele Kira Minttu | Jugendbuch | Liebe | New Adult | Tanzen | tintenmeer.de

Gemäß Lobsandwich ist nun auch etwas Kritik angesagt (leider, aber was soll ich machen?). Manche Handlungsstränge wurden nicht komplett zu Ende gebracht, ein Charakter verschwindet zum Beispiel völlig in der Versenkung und ich hatte bis zum Schluss vermutet, dass er nochmal eine Rolle spielen würde. Außerdem hätten, für meinen Geschmack, einige Szenen noch ausführlicher beschrieben werden können und ich hätte auch gern mehr Details zur Umgebung und zum Äußeren der Charaktere erfahren.

Was das Tanzen angeht, hätte ich mir auch noch mehr Fokus darauf gewünscht, einfach mehr Tanzszenen und Choreographien. Die, die vorhanden waren, haben mir nämlich Lust auf mehr gemacht. Manchmal fühlte ich mich beim Lesen wie kurz vor dem Höhepunkt hängen gelassen zu werden. Es fehlte oft nur ein Quäntchen, ein Atemhauch und ich hab gedacht: „Komm schon, Harper, komm schon, komm schon, komm schon!“ Aber sie kam nicht (im übertragenen Sinne, ihr versteht ^^).

Wahrscheinlich lag es daran, dass ich eher die poetisch-gefühlvolle Schreibe bevorzuge und Harpers Erzählstil ein bisschen knapp und nüchtern ausfiel. Andererseits macht gerade dieser Erzählton das Buch zu etwas Besonderem. Und so ist Harper nun mal. Ich weiß auch zu schätzen, dass die Autorin sie ihre Geschichte einfach hat erzählen lassen, ohne sie in ein Korsett zu zwängen. Trotzdem hätte ich mir zum Ende hin einfach noch mehr Gefühlsexplosionen und Veränderungen ihrerseits gewünscht.

Übrigens hatte ich wohl einen guten Riecher, was die Nebencharaktere und Nebenhandlungen angeht. Ich habe ja angemerkt, dass einige Handlungsstränge nicht zu Ende geführt wurden und im Nachwort sagt die Autorin, dass einige potenzielle Pärchen noch ihr eigenes Buch bekommen. Am gespanntesten wäre ich auf die Story von Harpers Freundin Andra und ihrem Sänger Sebastian. Ein bisschen gemein ist es ja schon, dass es hier so angedeutet und nicht weiter erzählt wird … Soll heißen: Was Fortsetzungen angeht, count me in! ^^

Fazit

Eine besondere Protagonistin, die ich in mein Herz geschlossen habe. <3 Harper erzählt die Geschichte auf ihre ganz eigene, sarkastisch-lockere Weise. Kira Minttu kann definitiv schreiben! Ich konnte das Lesen als Rausch genießen, hatte einen richtigen Film vor Augen und wollte immer noch ein bisschen weiter kommen, um zu wissen, was Harper noch alles bevorsteht …

Achtung, kurze Kritik auf hohem Niveau: Manchmal ging es mir leider ein bisschen zu schnell und ich hätte mir mehr innehalten, Beschreibungen und Verweilen im Augenblick gewünscht (und viel mehr Tanzszenen!). Auch zu einigen Nebenfiguren hätte ich gerne noch mehr erfahren, aber das kann ich ja bald in den geplanten Fortsetzungen – da bin ich auf jeden Fall wieder mit an Bord! :D

Bewertung

Kira Minttu: Tanz, meine Seele | ink rebels |  350 Seiten | ISBN: 978-3958693234 | Taschenbuch 12,90 Euro, E-Book 3,99 Euro

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

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