Rezension | Eine Handvoll Lila | Ashley Herring Blake | Magellan | Jugendbuch | Musik | Erwachsen werden | Pianistin | tintenmeer
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{Rezension} Eine Handvoll Lila von Ashley Herring Blake

Lila lackierte Fingernägel sind das Markenzeichen von Grace und ihrer Mutter Maggie. Dabei könnten sie sonst nicht unterschiedlicher sein: Die ehrgeizige Grace will nach der Schule Musik studieren, denn sie ist eine begabte Pianistin. Ihre Mutter dagegen ist das personifizierte Chaos und stolpert von einer schlechten Entscheidung in die nächste, ohne zu verstehen, was sie ihrer Tochter damit antut. Erst als Eva in ihr Leben tritt, glaubt Grace, sich mit ihrer Hilfe endlich aus den Fängen ihrer Mutter und der engen Kleinstadt befreien zu können. Doch als Maggie immer mehr an Bodenhaftung verliert, steht auch die Zukunft der beiden Mädchen auf dem Spiel. Jetzt ist es an Grace, sich und Eva zu retten, und endlich zu lernen, wie man liebt und wie man loslässt. (Klappentext)

Rezension

Es ist schon über zwei Wochen her, dass ich „Eine Handvoll Lila“ gelesen habe und erst jetzt schreibe ich meine Rezension. Warum? Weil ich mir nicht sicher war, wie ich zu der Geschichte stehe und was ich eigentlich in meiner Besprechung aussagen will. Gar nicht so einfach, ein Buch zu beurteilen, das „neutral gesehen“ nichts falsch macht, aber mit dessen Charakteren man einfach nicht warm wurde … Aber von vorn.

Ashley Herring Blakes Debüt „Liebe ist wie Drachensteigen“ habe ich geliebt, weil es mich berührt hat und der feinfühlige Schreibstil mich beeindruckte. Ich war deshalb natürlich sehr gespannt auf ihr neuestes Werk und machte mir keine Gedanken, dass es mir eventuell nicht so gut gefallen könnte. Doch woran lag’s?

Zum Hauptteil an Grace, unserer Protagonistin, aus deren Sicht die Geschichte erzählt ist. Zum Anfang tat sie mir leid, weil sie eine so flatterhafte und verantwortungslose Mutter ertragen muss und dadurch ihre eigenen Wünsche andauernd hinten anstellt. Ich bewunderte sie für ihre Stärke und drückte ihr die Daumen, dass sie aus ihrem Käfig namens Mutter ausbrechen kann!

Aber leider verschmolz ich nicht mit ihr und sie blieb mir die ganze Story über fremd. Kennt ihr dieses Gefühl? Ich betrachtete sie stets von außen und kam ihr emotional nicht nahe. Das lag vor allem an ihrer distanzierten, kühlen Art und ihrer Zickigkeit, die sie allen anderen gegenüber an den Tag legt. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass sie sich dem Leser öffnet und so wurde es immer schwieriger mit uns beiden … *seufz*

Rezension | Eine Handvoll Lila | Ashley Herring Blake | Magellan | Jugendbuch | Musik | Erwachsen werden | Pianistin | tintenmeerEinen Pluspunkt sammelte sie bei mir hingegen mit ihrer Bisexualität, die sie ganz selbstverständlich ausspricht und auslebt. Sehr schön, dass das Thema hier so entspannt und natürlich eingebaut wurde. Daumen hoch! Eva war ein interessantes Mädchen und die Lovestory zwischen den beiden ganz süß, aber leider nichts, was mich berührte. Es knisterte für meinen Geschmack zu wenig und es wäre noch viel mehr drin gewesen als zarte Küsse und Gespräche an ungewöhnlichen Orten …

Komischerweise fand ich Graces Mutter Maggie sympathischer und interessanter als Grace selbst. Sie sagt es in der Geschichte und ich habe es auch so empfunden: Maggie ist (an ihren guten Tagen) faszinierend, sie leuchtet von innen heraus und trägt eine Leidenschaft in sich, die ansteckend ist! Sie ist ein vielfältiger Charakter und überstrahlt Grace mit ihrer Präsenz bisweilen, hat aber auch extreme psychische Probleme (worauf ich hier nicht näher eingehen kann, weil Spoilergefahr).

Die Mutter-Tochter-Beziehung steht im Vordergrund und wird ausführlich beleuchtet. Dass hier neben Graces Bisexualität auch das Thema psychische Krankheiten beleuchtet wurde, war wirklich mutig von der Autorin und verdient meinen Respekt. Diese beiden Thema waren übrigens die Gründe, warum ich das Buch überhaupt wieder zur Hand genommen habe, denn ansonsten konnten mich weder Story, noch Prota so richtig fesseln …

Den Schreibstil empfand ich als nicht so poetisch und tiefgründig wie in „Liebe ist wie Drachensteigen“. Es liest sich zwar alles gut und flüssig, aber erzeugte keine Spannung und plätscherte so vor sich hin. Außerdem hat mich gestört, dass es sehr viel „tell“ und wenig „show“ gab, alles rauschte in Zeitraffer an mir vorbei, ohne dass ein richtiger Erzählfluss entstand.

Die Story selbst enthielt zu wenig Höhepunkte, lediglich das letzte Gespräch von Maggie und Grace konnte mich mitreißen. Da sprechen sie ENDLICH aus, was so lange ungesagt blieb, und ich habe mit ihnen gefühlt. Ansonsten haben mich die Gefühle im Buch leider kaum erreicht. Ich habe eher unbeteiligt weitergelesen und war nicht mit dem Herzen dabei. *seufz* Das Ende ist aber gelungen, bietet eine teilweise Aufklärung und noch genug Raum für eigene Gedanken.

Fazit

„Eine Handvoll Lila“ ist eine besondere Geschichte mit wichtigen Themen wie Bisexualität und eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung mit dem Hintergrund einer psychischen Krankheit. Allein dafür hat die Autorin meinen Respekt! Mich konnte die Protagonistin mit ihren Gefühlen und ihrem schwierigen Charakter leider nicht erreichen und auch die Lovestory fand ich nur „süß“ und nicht mehr.

Es wurde insgesamt zu viel behauptet und erzählt, aber nicht vor meinen Augen lebendig. Dafür ist Graces Geschichte sehr lebensnah erzählt mit vielen Alltagssituationen. Es fehlte an Spannung und denkwürdigen Szenen, ich stehe da einfach auf mehr Drama! :D Aber es ist sicher Geschmackssache, denn einige andere Leserstimmen fanden gerade diesen Realismus so eindrucksvoll. Mein Tipp: Einfach in die Leseprobe schnuppern und merken, ob es was für euch ist! ;)

Bewertung

Ashley Herring Blake: Eine Handvoll Lila | Magellan Verlag | 352 Seiten | ISBN: 978-3-7348-5030-1 | 18,00 Euro

Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar!

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3 Kommentare

  • Antwort {Lese-Logbuch} Kristinas Februar 2018 - Tintenmeer 27. März 2018 at 19:22

    […] Buch dürfte euch ja schon durch meine Rezension bekannt vorkommen (hach, wie elegant sie das wieder eingebaut hat ^^). „Liebe ist wie […]

  • Antwort tachiken 6. Mai 2018 at 11:50

    ich habe das buch auch gelesen ich 15 weiblich auch bie kann mich einfach sehr mit grace idetifizien und fand das buch auch sehr interressant ich bin ihr einfach in ihrer art sehr ähnlich und kenne auch ein paar Sachen von meiner mutter .ich verstehe dein Einwände aber würde das buch trotzdem weiter empfehlen.

    • Antwort Kristina 7. Mai 2018 at 9:05

      Danke für deinen Kommentar, ich freue mich, dass dir die Geschichte so gut gefällt und du dich mit Grace identifizieren kannst. Daran scheiterte es ja etwas bei mir, weil ich ihr irgendwie nicht „nahegekommen bin“. Ich empfehle das Buch auch trotz meiner Kritikpunkte gerne weiter, allein schon wegen des wichtigen Themas und der Botschaft, für sich selbst einzustehen. <3

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