Der mysteriöse Mr. Spines von Jason Lethcoe
Bücherschrank

{Rezension} Der mysteriöse Mr. Spines von Jason Lethcoe

Ich bin lange um dieses Buch herumgeschlichen. Zum ersten Mal gesehen habe ich es 2011 auf der Buchmesse in Leipzig. Kennt ihr das? Nichtsahnend schlendert ihr durch die Ausstellungsreihen und Bücherregale und plötzlich ist es da. Dieses eine Buch, das ihr schon besitzen wollt, wenn ihr nur einen einzigen Blick darauf geworfen habt? Ja, genau so war es hier auch. Das wunderschöne Coverbild hat mich sofort gefangen genommen, ich wollte das Buch einfach nur in den Händen halten. Und das hab ich dann natürlich auch getan. Klar. Auch meine Freundin (Illustratorin), die damals mit mir unterwegs war, konnte nicht anders, als diesen zauberhaften Zeichenstil, diese unheimliche und ein bisschen melancholische Atmosphäre des Bildes anzuschmachten.

Allerdings – so ist das auf Messen, ihr kennt das bestimmt – kann man einfach nicht alles mitnehmen und so haben wir beide mit Herzschmerz von dem kleinen Büchlein getrennt. Keine Sorge, das wird keine traurige Geschichte, nur eine tragische – zumindest für uns Biblios.

Es dauerte noch sicher ein halbes Jahr, bis mich die Sehnsucht nach dem Büchlein plötzlich wieder packte, und dann war es wie immer: Ich musste es haben! Sofort! Nein, am besten schon gestern!

Ich rannte also in die nächste Buchhandlung, um das Schätzchen mit dem schönsten Cover der Welt endlich zu besitzen. Sie hatten es nicht da … natürlich.

Leider auch nicht im zweiten oder dritten Geschäft. Nicht mal im vierten … Ich war der Verzweiflung nahe und bestellte es schweren Herzens im Internet. Von da an hatte der Briefträger nichts mehr zu lachen … Glücklicherweise sind Online-Buchhändler nicht nur gut bestückt, sondern auch recht schnell im Versand. Und um der Katastrophe gleich vorzubeugen, bestellte ich Band 2 und 3 – mit ebenso wunderbaren Buchcovern – gleich mit.

Ich weiß es noch, es war ein Freitag, und am folgenden Wochenende hetzte ich mit Edward, Mr. Spines und den anderen liebenswert skurrilen Figuren durch die Welt nach dem Tod.

Rezension

Von sieben Brücken zwischen den Welten
sind fünfte lang zerschunden.
Die sechste kein Geländer hat,
die siebte ist verschwunden.

Edward ist 14 Jahre alt und wird als Sonderling wahrgekommen. Er ist ziemlich lang und dünn und wird von allen nur „Bohnenstange“ genannt. Zu allem Überfluss stottert er auch noch. Sein Leben ist auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. Nach dem Tod seiner Mutter wird er gezwungen, eine Lehre in einer ziemlich merkwürdigen Schule mit äußerst fragwürdigen Lehrmethoden zu absolvieren. Kurzum Edward ist ein richtig armer Tropf und als Leser(in) schließt man ihn von der ersten Zeile an direkt ins Herz.

Als ob Edwards Leben nicht schon schrecklich genug wäre, quält ihn seit einiger Zeit ein fürchterliches Jucken zwischen den Schulterblättern, außerdem taucht auch noch ein neuer Lehrer – Whiplash Scruggs – auf, der ihn mit einer monströsen Schere bedroht. Als dem Jungen riesige, schwarze Schwingen wachsen, ist auch endgültig klar, wofür diese wohl gedacht ist. Schnipp. Schnapp.

Nun beginnt eine abenteuerliche Jagd, bei deren Verlauf Edward in die Welt nach dem Tod eintritt, und während der nicht immer klar ist, wer Freund und wer Feind ist.

Im Verlauf der drei Bände „Wings“, „Flight“ und „Song“ zeichnet sich eine detailreiche Welt – bevölkert von Menschen, Dämonen und Engeln –, die wirkt, als wäre sie aus einem bizarren, aber faszinierenden Traum entsprungen. Besonders fesselnd und gleichzeitig unheimlich tragisch war dabei die fortwährende Beschreibung der Verwandlung der Gefallenen Engel. Das klingt im ersten Moment unheimlich kompliziert und anspruchsvoll für ein Kinderbuch. Aber das ist es hier gar nicht. Es ist eine einfache Sache von Ursache und Wirkung, die jedes Kind versteht: Verwendet man die verbotene Magie, wird man mehr und mehr verwandelt. Mit den Augen eines Erwachsenen kann man jedoch viel tiefer blicken und erkennt die ungeheure Tragik hinter der Geschichte.

Gerade das Geheimnis des mysteriösen Mr. Spines, der diesem Buch seinen Namen geliehen hat, bereitete mir, die schon ahnte, wohin die Reise geht, schreckliches Herzweh.

Zwei weitere Eigenschaften Edwards haben mich immer wieder neu an die Geschichte gefesselt (als ob das noch nötig gewesen wäre!): Er ist sehr, sehr intelligent und baut in stressigen Situationen komplizierte Kartenhäuser, um sich zu beruhigen. Das liebe ich. Ich kann es nur so sagen. Es begeistert mich unheimlich und erinnert mich immer an den Film „Das Kartenhaus“, den ich eben auch unheimlich toll finde.

Und (zweitens) Edward, der Stotterer entdeckt, dass er singen kann. Damit übt er seine Magie aus. Da er ja in einem gewissen Verwandtschaftsgrad zu Engeln stehen muss, auf das ich der Spannung halber nicht näher eingehen möchte, mag sein Gesang nur eine Kleinigkeit sein, aber für mich macht ihn das so besonders.

Man merkt es ja schon, ich habe mein Herz zuerst an das Traumcover, dann an den kleinen Engelsjungen, seiner wunderlichen Freund und besonders an seine Kartenhäuser verloren und vergebe darum …

Bewertung

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Jason Lethcoe: Der mysteriöse Mr. Spines: Wings | arsEdition | 224 Seiten | 978-3-7607-5323-2 | 12,95 Euro

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7 Kommentare

  • Antwort tintenmeer 15. Februar 2012 at 18:21

    Falls jemand den angesprochenen Film auf DVD hat und diesen verkaufen, verschenken, tauschen würde, bitte eine Mail schreiben! <3

    • Antwort Büchernische 17. Januar 2013 at 22:52

      Ich glaube, den suchen alle, was? Ich nämlich auch ♥

      • Antwort tintenmeer 18. Januar 2013 at 17:52

        Echt? Das hätte ich gar nicht gedacht. Aber dann ist es ja kein Wunder, dass man nirgends dran kommt! ;)

  • Antwort Büchernische 17. Januar 2013 at 22:55

    Ich suche auch immer noch Band II und III von dieser Trilogie :-)

    • Antwort tintenmeer 18. Januar 2013 at 17:53

      Ich bin total stolz auf alle drei. Die Cover sind sooo schön und haben einen Ehrenplatz in meinem Billy bekommen.

    Was sagst du dazu?