Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern
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{Rezension} Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern

Klappentext: Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.

Rezension

Der Zirkus kommt überraschend.
Es gibt keine Ankündigung, keine Reklametafeln oder Plakate an Litfaßsäulen, keine Artikel und Zeitungsanzeigen.
Plötzlich ist er da, wie aus dem Nichts.

Morgenstern: Nachtzirkus, S.7

Zwar habe ich schon zwei Textschnippsel aus dem Nachtzirkus gepostet (und es  gäbe noch tausend anderen wirklich magische und wunderbare Stellen), habe ich mich dazu entschieden, an dieser Stelle nur die ersten drei Zeilen aufzunehmen. Warum? Diese Geschichte müsst ihr einfach selbst lesen. Ich war wirklich verzaubert und doch habe ich eine Weile gebraucht, um durch dieses Buch zu kommen, denn ab und zu brauchte ich einen Tag, um diesen aus Träumen und Sehnsüchten geschaffenen Ort wieder zu verlassen. Aber selbst am „Tage“ ist es mir nicht immer gelungen, mich aus ihm zu befreien. Aufgefallen ist es mir aber erst an dem Tag, als ich meinen (relativ neuen) schwarz-weißen Rock und die roten Ballerinas anhatte – eigentlich ganz unbewusst bin ich zu einer Rêveuse geworden.

So viel zur Wirkung des Nachtzirkus‘ auf mich und nun mal zur Geschichte. Im Nachhinhein ist es wirklich schwierig zu sagen, worum es alles geht. Eigentlich glaubt man, im Mittelpunkt der Geschichte stehe die „Herausforderung“ der beiden Magier, die ihre Schüler Celia und Marco stellvertretend ins Rennen schicken. Aber eigentlich ist das nur der Ausgangspunkt, denn in der Mitte von allem steht der Zirkus selbst. Alle Ereignisse und Figuren sind um diesen traumgleichen Ort versammelt – einige sind ihm näher, andere ferner. Man merkt nicht immer, wie alles zusammenhängt, aber man hat die Ahnung, dass unsichtbare Fäden alles zusammenhalten, und zieht man an einem, bringt man vielleicht alle anderen in Unordnung.

Es gibt eine recht große Gruppe an Figuren, in der die vermeintlichen Hauptcharaktere geradezu untergehen. Das hatte beim Lesen aber auch einen gewissen Reiz. Von der Herausforderung bekommt man oftmals nur etwas mit, wenn man die Augen genau aufmacht. Es stellt sich schnell heraus, dass der Zirkus der Ort ist, den die Kontrahenten mit immer neuen, fantastischen Attraktionen füllen. Hier lag für mich auch ein wenig der Hase im Pfeffer. Die Lesenden sind nämlich bei diesem Buch nicht unbedingt die ganze Zeit die Außenstehenden, sondern werden immer wieder zu Besuchern des Zirkus gemacht, mal mit eigenen Augen (als im Text Angesprochene) und mal durch die Augen anderen Rêveurs oder die des Jungen Bailey. Zwar ist es wunderbar, sich im Traum zu verlieren, aber manchmal ist es auch anstrengend gewesen, dem Ganzen noch aufmerksam zu folgen. An diesen Stellen hatte das Buch doch ab und zu mal eine Länge für mich.

Aufmerksam ist außerdem ein gutes Stichwort. Das Buch besteht nicht nur aus aneinandergereihten Kapiteln, sondern enthält auch Passagen, in denen der Lesende die Hauptrolle spielt, und fiktive Zitate und Artikel von Rêveurs. Die eigentlichen Kapitel sind mit Orts- und Datumsangaben versehen, die man nicht überlesen sollte. Ich habe einige Male zurückgeblättert und mich gefragte, wann ich jetzt eigentlich bin. Manchmal war das ein wenig verwirrend, aber an der letzten Seite angekommen, fand ich das „Zeitmanagement“ im Buch wirklich super und auch sehr passend zum Thema. Die größte Schwierigkeit dabei war, sich noch am eigenen Zeitgefühl festzuklammern. Die Herausforderung dauert über einen relativ langen Zeitraum und ich habe mich häufig dabei erwischt, wie ich das Alter der Figuren nachgerechnet habe.

Fazit

„Der Nachtzirkus“ ist ein wirklich wunderbares Buch, in dem man sich verliert, wenn man nicht aufpasst. Es besteht aus unheimlich vielen Fäden, deren Zusammenhang man manchmal erahnt, deren Zeiten einen durcheinanderbringen und überraschen. Alles in allem ein gelungen konstruierter Traum mit einem überraschenden, schönen, aber auch irgendwie erschütternden Ende. Nach der letzten Seite fühlt man sich wirklich, wie aus einem Traum erwacht.

Bewertung

Erin Morgenstern: Der Nachtzirkus | Ullstein Buchverlage | 464 Seiten | 978-3-55008874-2 | Originaltitel: The Night Circus | 19,99 Euro

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7 Kommentare

  • Antwort Flori 30. April 2012 at 17:00

    Tolle Rezi. Das Buch klingt spannend

    • Antwort tintenmeer 30. April 2012 at 18:29

      Danke <3 Kannst es ja auch mal lesen *zwinker*

  • Antwort Steffi 25. Mai 2012 at 22:38

    Das Buch ist wirklich wirklich toll. Dazu hab ich auch schon eine Rezi geschrieben. Einfach traumhaft. Ich konnte sogar die Gerüche riechen, das hatte ich sonst so gut wie nie

    • Antwort tintenmeer 25. Mai 2012 at 22:48

      Danke für deinen Kommentar. Ich muss gleich mal in deine Rezi gucken! ;)

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