Das göttliche Mädchen von Aimée Carter
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{Rezension} Das göttliche Mädchen von Aimée Carter

Kate ist nicht nach Eden gekommen, um Freunde zu finden, sondern, weil es der Wunsch ihrer sterbenskranken Mutter ist. Sie möchte ihr Leben an dem Ort abschließen, an dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Doch für Kate ist es eine Qual. Jeden Tag und jede Nacht möchte sie mit ihrer Mutter verbringen, die schon bald nicht mehr da sein wird. Doch diese möchte natürlich, dass ihre Tochter glücklich wird und auch ein Leben ohne sie führen kann.

Notgedrungen sagt Kate also eines Tages zu, mit Ava, einem Mädchen aus ihrer Schule, auf eine Party zu gehen. Diese verläuft jedoch gar nicht nach Plan. Als Ava tödlich verunglückt, taucht Henry auf und bringt sie von den Toten zurück. Doch Kate muss für Ava ein großes Opfer bringen.

Rezension

Der erste, sehr positive Eindruck, den ich von diesem Buch hatte, hat sich definitiv bestätigt. Aimeé Carter erzählt hier eine Geschichte, die überwiegend durch die Charaktere und ihre Gefühle geprägt ist.  Dadurch, dass es sich um eine Ich-Erzählung aus Kates Sicht handelt, bekommt man als Leser natürlich nur das mit, was Kate unmittelbar erfährt. Das macht allerdings den Reiz hier aus. Kate ist, wie im ersten Post erwähnt, eine sehr sympathische, junge Frau, aber sie ist auch sehr sensibel und trifft recht kluge Entscheidungen, wenn sie dazu gezwungen wird. Obwohl sie gerade einmal 18 Jahre alt ist, wirkt das jedoch nicht unrealistisch, denn ihre Bürde (ihre sterbende Mutter zu pflegen) hat sie ein großes Stück erwachsen gemacht. Sie ist erwachsen, aber doch unerfahren. Ich empfand das als ausgezeichnete und stimmige Mischung.

Er hielt die Karten hoch. „Sollen wir? Ich hab gehört, alle guten Dinge sind sechs.“
Ich verdrehte die Augen. „Eher friert die Hölle zu, als dass du gegen mich gewinnst.“
Lächelnd hob er eine Braue. „Das lässt sich problemlos arrangieren.“

Carter: Das göttliche Mädchen, S.263

So nun zu Henry, alias Hades: toller Typ! ;) Habe eine Schwäche für Männer mit trauriger Vergangenheit. Aber nur, wenn sie auch wirklich, wirklich herzzerreißend ist. Und das ist sie – finde ich jedenfalls. Von Anfang an ist ziemlich klar, wer er eigentlich ist und grob, was er braucht: nämlich ne Königin für sein Reich. Aber warum, weshalb, was alles genau passiert ist und was der arme Kerl hinter sich hat – lasst euch überraschen. Es hat unheimlich Spaß gemacht, mit anzusehen, wie Kate versucht, einen Zugang zu ihm zu finden. Das meine ich aber nicht im witzigen Sinne, sondern eher im interessanten. Die Beziehung zwischen Kate und den anderen Figuren (besonders Henry) und die Gefühle, die die ganze Zeit im Raum zwischen den Zeilen sind (seien es Neid, Eifersucht, Trauer, usw.), sind das, wovon „Das göttliche Mädchen“ im eigentlichen Sinne lebt.

Aufgelockert wird die ganze Schwermut und die Trauer über verlorene Menschen, unterfüllte Liebe und gebrochene Herzen durch die moderne Kate. Sie kennt sich nicht nur mit all dem schweren Dingen des Lebens sehr gut aus, sondern hat auch einen gewissen Zynismus und eine Schlagfertigkeit entwickelt, um damit klarzukommen. Manchmal, und diese Stellen mochte ich wirklich sehr, färbt dieser Wesenszug auf mal auf Henry ab.

Eine Sache habe ich allerdings wirklich vermisst: die schreckliche Gefahr, in der Kate angeblich stecken soll. Die schwebt die ganze Zeit wie ein dunkler Schatten über Eden Manor, scheint sich jedoch so gut wie gar nicht zu bewahrheiten. Die Hysterie, das Kate etwas passieren könnte, scheint an dieser Stelle realer als die Bedrohung selbst. Ich glaube, hier hätte man ein bisschen mehr Action einbauen können. Das hätte die Geschichte zum spannenden Pageturner gekrönt. Das soll zwar nicht heißen, dass das Buch nicht spannend gewesen ist, aber es hat schon eine gewisse Episodenhaftigkeit. War ein fesselnder Abschnitt zu Ende gebracht, konnte man das Buch guten Gewissens zuklappen und sich auf die morgige „Episode“ in Kates Leben auf Eden Manor freuen. Wie eine daily soap! ;)

Zum Schluss habe ich noch zwei Dinge loszuwerden:

1. Vielen, vielen Dank an den Mira Taschenbuchverlag! Ich habe dieses Buch von der Blogger-Aktion bekommen und bin wirklich froh mitgemacht zu haben. Das Cover ist traumhaft schön und passt sehr gut zur Geschichte (auch wenn mir die ewigen Weiber auf den Büchern auf die Nerven gehen) und auch die Story selbst ist spannend und mitreißend. Bitte, bitte schickt mir auch den zweiten Teil (am besten gleich! :))

2. Eine quasi fachliche Kritik muss ich noch loswerden: Lieber Mira Taschenbuchverlag, bitte schau „dir“ doch mal den Satz an! Die tausend Rattenschwänze (ich weiß, es sind Hurenkinder, aber das Wort ist einfach hässlich) tun in den Augen weh!

Fazit

„Das göttliche Mädchen“ ist ein wirklich mitreißendes Buch mit liebevollen Charakteren, die einem direkt ans Herz wachsen. Ein bisschen mehr Action hätte der Story allerdings gut getan. Von der Bedrohung, die schon auf der ersten Seite überdeutlich ist, hätte ich mehr erwartet. Darum ziehe ich einen Stern ab. Für den Satz allerdings nicht. Das habe ich schon schlimmer gesehen und es ist beim Lesen auch nicht so störend. Außerdem kann die Geschichte ja nix dafür. Ich gebe dem Buch auf jeden Fall eine Kaufempfehlung. Besonders geeignet für Leser, die die gerade die Gefühlswelt der Figuren zu schätzen wissen und auch die kleinen „Töne“ lesen können.

Bewertung

 

Aimée Carter: Das göttliche Mädchen | Mira Taschenbuch | 298 Seiten | 978-3-86278-326-7 | Originaltitel: The Goddess Test | 9,99 Euro

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7 Kommentare

  • Antwort Flori 26. Mai 2012 at 10:32

    super tolle Rezension :-*

    • Antwort tintenmeer 26. Mai 2012 at 11:12

      Danke, dass du jeden meiner Beiträge liest! *knutsch* ♥

  • Antwort Jan 22. Juni 2012 at 13:52

    Ich lese es auch gerade und finde es toll :)
    Sehr schöne Rezension!
    Lg Jan

    • Antwort tintenmeer 22. Juni 2012 at 18:08

      Hallo Jan,

      vielen Dank! Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

      Liebe Grüße
      Sandy

  • Antwort Paralauscher 1. März 2014 at 10:40

    Ich habe das Buch erst vor kurzem für mich entdeckt, aber ich habe es auch gelesen und rezensiert. Deine Inhaltsbeschreibung klingt schön, ich habe da ziemlich lange überlegt^^

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