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{Rezension} Der Spiegel von Feuer und Eis von Alex Morrin/ Lynn Raven

Die Welt, in der das Mädchen Cassim lebt, wird von Eis und Schnee beherrscht, seit der Spiegel von Feuer und Eis vor langer Zeit zerstört wurde. Der ewige Winter hält die Menschen, Tiere und Fabelwesen in seinem eisigen Griff, bis jemand kommt, der den Spiegel wieder zusammenfügen und das Gleichgewichte damit wieder herstellen kann. Cassim, die die Stimmen der Edelsteine hören und diese reparieren kann, ist jene Erwählte. Dies erfährt sie, als die Eiskönigin sie fangen lässt, damit sie den Spiegel nach den Wünschen der eiskalten Lady zusammenfügt, um deren Macht noch mehr zu vergrößern. Als der Faun Jornas Cassim aus dem Kerker befreit und die beiden kurz darauf auf das „Eishalbblut“ Morgwen treffen, beginnt eine Jagd durch den ewigen Winter.

Rezension:

Im Großen und Ganzen haben wir hier eine nette Fantasy-Geschichte vorliegen, die auch die meiste Zeit recht spannend ist. Die drei Gefährten haben die ganze Zeit ein klares, übergeordnetes Ziel, nämlich den Weißen Avaen, wo die Spiegelscherben liegen, zu erreichen. Auf dem Weg dorthin werden sie immer wieder aufgehalten, müssen sich gegen die Firnwölfe verteidigen, die sie jagen, und an jeder „Station“ gibt es bestimmte Aufgaben zu lösen – klassische Fantasy würde ich sagen. Dieses Schema wäre durchaus fesselnder, wenn die Charaktere interessant wären, ihre Geheimnisse hätten oder zumindest irgendetwas Unvorhergesehenes passieren würde …

Ohne Kritik kann ich das Buch leider aber nicht davon kommen lassen, obwohl ich es im Groben gar nicht so übel fand. Zwei Punkte muss ich doch abziehen. Zum einen sind die ewigen Landschaftsbeschreibungen zwar sehr schön und ausladend, aber irgendwann leider nur noch nervig. Ich muss sogar gestehen, dass ich kurz vor Schluss sicher zwei ganze Seiten übersprungen (bzw. nur quergelesen) habe. Die Spannung ist hier nämlich auf dem Höhepunkt und die Autorin hat nichts Besseres zu tun, als ewig lang ein Wandgemälde (oder sowas ähnliches – genau weiß ichs jetzt schon nicht mehr) zu beschreiben.

Den zweiten Punkt muss ich abziehen, da die Geschichte an den meisten Stellen sehr vorhersehbar ist und auch die Figuren keine Überraschungen geboten haben. Es gibt kaum Geheimnisse und ich glaube, die arme Cassim ist die Einzige im ganzen Buch, die bis zum Schluss keine Ahnung hat. Sie tut einem da geradezu leid. Man hatte schon den Eindruck, dass die Autorin ganz unterschwellig auf die Zusammenhänge hinweisen möchte, nur hat man als Leser den Dreh schnell raus und kann sich so gut wie alles denken.

Sie hatten das Schneefeld gerade zur Hälfte überquert, als die Wolkendecke über ihnen aufriss. Von einem Atemzug auf den anderen verwandelte sich das sanfte Glitzern in blendendes Gleißen, das in den Augen schmerzte. Hinter ihnen erklang das Heulen erneut, sehr viel näher diesmal. Morgwen begann zu laufen, stolperte im lockeren Schnee. Unter Cassims zusätzlichem Gewicht sank er ungleich tiefer ein als Jornas. Die weiße Wand kam immer näher. Am Waldrand waren die Firnwölfe nur als geisterhafte Schemen auszumachen. Ein hastiger Blick über die Schulter zurück ließ Cassim vor Entsetzen keuchen. Hinter ihnen waren mehr als drei der riesigen Bestien.

– Alex Morrin: Der Spiegel von Feuer und Eis, S.101f

Morgwen ist die einzige Figur, die irgendeine Entwicklung durchmacht. Da sein „Geheimnis“ allerdings schon nach fünf Minuten ziemlich klar ist, ist diese leider auch nicht weiter überraschend. So muss es ja kommen … Am besten haben mir die Firnwölfe gefallen. Anfangs als böse Bestien dargestellt, bekommt man doch hin und wieder in kleinen Passagen einen besseren Eindruck von ihnen und ihrem Rudel.

Das Ende fand ich zwar ganz gut, allerdings habe ich den Eindruck, dass etwas gefehlt hätte. Der Erzählstrang ist auf einmal sehr sprunghaft geworden und an ein oder zwei Stellen war ich sogar etwas verwirrt, denn es war, als hätte man einfach Passagen entfernt und die Lücken nicht richtig geschlossen. Auch Jornas, der Faun, der am Anfang eine recht wichtige Figur zu sein schien, wurde immer blasser, bis er plötzlich gar keine Rolle mehr spielte und einfach nur noch schweigend mitgelaufen ist. Das war schon sehr merkwürdig.

Zum Cover: Sehen könnt ihr es ja selbst. Es sagt nichts aus, hat – abgesehen von den roten Haaren der Frau – so gar nichts mit der Geschichte zutun. Ich glaube, das ist wieder eines von diesen „Weiber-sind-auf-Buchumschlägen-ja-so-in“-Covern. Die Geschichte spielt ja, wie gesagt, ununterbrochen in einer Welt aus Eis und Schnee, auch die Protagonistin trägt nur ein einziges Mal ein Kleid. Mir fällt beim besten Willen kein Grund ein, einem Buch wie diesem so ein Coverbild zu verpassen – aber gut. Das ist ja nichts Neues.

Fazit:

„Der Spiegel von Feuer und Eis“ ist ein netter, sehr gut geschriebener Fantasyroman, den zu lesen auch wirklich Spaß macht. Voraussetzung dafür ist aber tatsächlich, dass man darüber hinwegsieht, dass die Zusammenhänge schon anfangs ziemlich klar sind. Man kann sich ja einen Spaß daraus machen, zu rätseln, wann denn Cassim auch auf den Trichter kommt (es dauert eine ganze Weile ;)). Außerdem kann man sich immer noch selbst freuen: Na, hab ichs doch gleich gewusst!

Alex Morrin/Lynn Raven: Der Spiegel von Feuer und Eis | cbt | 384 Seiten | 978-3-570-30502-7 | 12,95 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort c.e 7. Juni 2012 at 21:36

    Macht einen recht durchschnittlichen Eindruck das Buch. Hat wohl das andere Feuer und Eis abgefärbt ^_^
    Aber schon anhand der Rezi wirkt das Coverbild schon jetzt sehr befremdlich und sehr unpassend. Mir drängt sich da der Eindruck auf, dass dort die Cover-„Heldin“ als Verkaufsargument herhalten muss, weil es sonst kaum was herausragendes an diesem Buch gibt.
    Aber solange es ein wenig Spaß macht, das ganze zu lesen, ist auch diese Existenz berechtigt :)

    • Antwort tintenmeer 7. Juni 2012 at 22:25

      Hehe, das hast du gut erkannt. Woher sie aber die roten Lippen hat, hab ich mich auch gefragt. Eigentlich ist sie nämlich die ganze Zeit halb erfroren! ;)
      Wie geschrieben, es ist schon unterhaltsam, aber querlesen hätte leider auch gereicht und manchmal hab ich das ja auch gemacht.

  • Antwort {Lese-Logbuch} Juni 2012 | Tintenmeer 16. August 2018 at 16:34

    […] erste Juni-Buch war „Der Spiegel von Feuer und Eis“ von Lynn Raven aka Alex Morrin. Es ist ein netter, gut geschriebener Fantasyroman, den zu lesen […]

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