Die Mechanik des Herzens von Mathias Malzieu
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{Rezension} Die Mechanik des Herzens von Mathias Malzieu

Am kältesten Tag des Jahres 1874 wird in dem Haus, in dem eine Hexe wohnen soll, ein Junge geboren: Jack. Jack hat leider ein so schwaches Herz, dass er von seiner Hebamme und Ziehmutter eine Kuckucksuhr eingebaut bekommt, die es an das Schlagen erinnern soll. Doch empfindlich ist sein Herz immer noch und darum wird er davor gewarnt, sich jemals zu verlieben.

Rezension:

Schon das Cover lässt ein düsteres Märchen à la Tim Burton vermuten, ebenso wie der Einstieg, die Beschreibung des vereisten Edinburghs. Es ist so kalt, dass die Springbrunnen zu eisigen Blumensträußen gefrieren, die Vögel beim Fliegen sterbend vom Himmel fallen und selbst die Menschen, die sich auf die Straße wagen, zu Eis erstarren. In dieser Nacht wird Jack geboren. Sein schwaches Herz kann zwar mithilfe einer Kuckucksuhr repariert werden, doch damit fängt sein vertracktes Leben gerade erst an.

Direkt nach der Geburt verlässt die Mutter ihn und zieht ihrer Wege. Er bleibt zurück bei seiner Hebamme Doktor Madeleine, die ein Heim für die unerwünschten Kinder führt. Immer wieder kommen Paare zu ihr, um eines der Kinder zu adoptieren. Aber niemals Jack. Und schließlich findet er sich damit ab. Als er zehn Jahre alt wird, darf er zum ersten Mal in die große Stadt. Bei diesem Ausflug verliebt er sich unsterblich in die kleine Tänzerin Miss Acacia, und er schwört, auch ihr Herz zu erobern …

Schauplatz ist ein altes Haus, das auf dem höchsten Hügel von Edinburgh balanciert. Auf dem Gipfel dieses Vulkans aus blauem Quarz soll der gute alte König Arthur begraben sein. Daher auch der Name: Arthur’s Seat. Das Dach des Hauses ist spitz und unglaublich hoch. Der Schornstein ist geformt wie ein Metzgermesser und ragt zu den Sternen empor. An ihm schärft der Mond nachts seine Sichel. Hier oben ist niemand, nur Bäume.

– Malzieu: Die Mechanik des Herzens, S.10

Anfangs war ich sehr begeistert von diesem zauberhaft düsteren Märchen. Die Beschreibung des eisigen Edinburghs und der Geburt sowie der ersten Lebensjahre von Jack haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Auch die Begegnung mit Miss Acarcia ist ebenso traumgleich wie der Rest des Geschehens. Doch hier stolperte ich zum ersten Mal über eine Wortwahl, die mich irritierte. Gut, man kann sich ja mal „vergreifen“, dachte ich und las beschwingt weiter. Im Folgenden stolperte ich jedoch immer wieder über kleinere Merkwürdigkeiten, die einfach weder in die Geschichte noch in die Zeit passten, und das ist für mich ein großer Kritikpunkt. Immer wieder wurde ich herausgerissen und vielleicht lag es schließlich auch daran, dass ich zwar eine nette Geschichte vor mit hatte, aber keinen so rechten Zugang zu ihr finden konnte. Obwohl der Schreibstil die meiste Zeit sehr schön und einfallsreich ist, fehlt es der Geschichte jedoch an besonderen Momenten. Das Geschehen plätschert so vor sich hin, nichts will so recht in Erinnerung bleiben.

Die Figuren dieses Märchens sind allesamt nett, nicht mehr und nicht weniger, keine konnte so richtig mein Herz erwärmen – auch Jack nicht, der ja mit seiner tragischen Geschichte durchaus Potential gehabt hatte. Wie Ilona von den Glimmerfeen sagte: Er erinnert an Edward aus „Edward mit den Scherenhänden“. Wo er aber den Zuschauer sofort verzaubert und jeder ihn einfach in sein Herz schließen muss, konnte Jack dies nicht erreichen.

Das Ende des Buchs – ich werde es natürlich nicht verraten – hat mir wirklich, wirklich gut gefallen. Es war völlig anders als erwartet, aber es war meiner Meinung nach genau das richtige. Und erst hier fühlte ich mich wirklich bewegt.

Wie schon gesagt: Der Vergleich zu Tim Burton ist einfachen zwingend, doch für mich konnte „Die Mechanik des Herzens“ diesem großen Mann und seinen Geschichten nicht gerecht werden. Vielleicht lag die Latte hier zu hoch.

Fazit:

„Die Mechanik des Herzens“ ist ein düsteres Märchen, das mit einem überwiegend schönen, romantischen und verspielten Schreibstil besticht. Hin und wieder wird dieser jedoch merkwürdig durchbrochen, was den Leser einfach aus dem Geschehen herausreißt. Auch inhaltlich gab es wenig, was mich so richtig mitreißen konnte. Dennoch bleibt am Schluss eine nette, kleine Geschichte, die man durchaus gelesen haben kann.

Bewertung:

 

Mathias Malzieu: Die Mechanik des Herzens I carl’s books I 188 Seiten I 978-3-570-58508-5 I 12,99 Euro

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