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{Rezension} Der letzte Zauberlehrling von Gerd Ruebenstrunk

Klappentext: Aus der französischen Provinz reist der junge Zauberlehrling Humbert ins Paris des 19. Jahrhunderts, um sich beim alljährlichen Ball der Zauberer einen neuen Meister zu suchen. Doch in der großen Stadt angekommen, stellt er erschüttert fest, dass die Welt der Magie nicht mehr das ist, was sie einmal war. Denn fast alle Zauberer haben ihre Kräfte an den reichen Unternehmer Pompignac verkauft. Nur Humberts neuer Meister, ein wahrer Sonderling, ist noch im Vollbesitz seiner magischen Kräfte – und denkt nicht ans Verkaufen!

Doch worum geht es dem Geschäftsmann eigentlich? Nur ums Geld? Oder steckt eine geheime Verschwörung dahinter? Ehe Humbert sich versieht, geraten er und seine neuen Freunde in einen Strudel gefährlicher Ereignisse: Was hat der Erzkanzler mit all dem zu tun? Steht womöglich die Zukunft der Zauberei auf dem Spiel?

Rezension:

Humbert ist sechzehn Jahre alt und hat bereits die letzten acht Jahre in der Lehre eines Zauberers verbracht. Nun ist sein Meister allerdings kein sonderlich großartiger Zauberer und so ist er an dem Punkt angekommen, wo er seinem Lehrling nichts mehr beibringen kann. Außerdem ist er selbst bereits alt genug, um sein nahendes Ableben zu spüren. Humbert bleibt also nichts übrig, als zu akzeptieren, dass sein Leben an einem entscheidenden Wendepunkt steht.

Aber nicht nur für dem Jungen, sondern der ganzen Welt steht eine große Veränderung bevor. Geschäftsmann Pompignac kauft sämtliche Zaubersprüche auf und paktiert mir dem Erzkanzler, dessen einziges Ziel es ist, sich über seine Nachbarländer zu erheben …

Schon zu Beginn fiel auf, dass diese Geschichte Wert auf ein tiefgründiges „Setting“ legt. Wir befinden uns in der Großstadt, die Welt ist im Begriff sich zu ändern – und nicht unbedingt zum Positiven. Der schleichende Verlauf eines erwachenden totalitären Systems mit Staatsüberwachung dringt von Anfang an immer wieder zum Leser durch.

Relativ schnell wird die Zauberei in Frankreich völlig verboten, Zauberer verhaftet und Kritiker von der Sicherheitspolizei verschleppt. Die Reaktionen der Hauptfiguren darauf empfand ich als sehr realistisch: der naive Humbert zum Beispiel glaubt nicht daran, dass es soooo schlimm werden wird, er glaubt an die Versprechen der Regierung, wohingegen sein welterfahrener Freund Papillon die Zeichen besser zu deuten vermag.

Diese Situation zur Grundlage der Geschichte zu nehmen, hat mich positiv überrascht. Dem Zauberlehrling Humbert stehe ich aber etwas zwiespältig gegenüber. Leider konnte er mich nicht so richtig für sich begeistern. Zwar ist er recht klug und magisch auch sehr begabt, aber anfangs ist er unglaublich naiv und ängstlich – entwickelt sich dann jedoch zu einem starken Helden. Trotz dieser Veränderung und trotz der Ich-Perspektive habe ich keinen echten Zugang zu diesem Charakter gefunden. Ähnlich ging es mir mit den anderen Figuren. Abgesehen von einer.

Immer wieder gibt es einen Wechsel zwischen der Erzählperspektive von Humbert und der von Lothar, was ich persönlich sehr schön fand. Ich muss sogar zugeben, dass ich mich immer gefreut habe, wenn Lothar zu Wort kam, denn in ihm habe ich sehr schnell meinen Lieblingsprotagonisten gefunden. Er ist ein sprechendes Werhörnchen, oder zumindest der äußeren Erscheinung nach. Ich finde „Hörnchen“ ja schon so echt witzig, aber Lothar ist grandios: trockender Humor, wortgewandt, klug und äußerst durchtrieben. Diese Figur gehört zwar zu Humberts „Team“, verfolgt aber andere Interessen als der Zauberlehrling und seine Freunde und bringt immer ein schönes Gegengewicht. Dadurch nimmt er auch eine besondere Position zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ ein.

Von Cover, Inhaltsangabe und natürlich „Lothar“ war ich zunächst wirklich angetan, leider empfand ich das Buch aber vor allem zu Beginn als sehr langatmig und zäh. Ich weiß nicht, ob es an mir lag oder woran auch immer, aber so richtig mitgerissen hat es mich einfach nicht. Dafür sind mir die Charaktere (außer das Werhörnchen) nicht genug ans Herz gewachsen.

Fazit:

Mich persönlich konnte „Der letzte Zauberlehrling“ leider nicht so richtig begeistern, aber ich glaube, dass dieses Buch sicher für viele Kinder und Jugendliche sehr unterhaltsam sein wird.

Bewertung:

drei_sterne

Ich danke dem Verlag arsEdition und Blogg-dein-Buch für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Gerd Ruebenstrunk: Der letzte Zauberlehrling I arsEdition I 448 Seiten I 978-3-7607-8679-7 I 6,99 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort Nora 9. Januar 2013 at 15:44

    Bin gerade über deinen Blog gestolpert und finde ihn sehr schön!
    Folge dir direkt mal (:
    Liebe Grüße,
    Nora

    • Antwort tintenmeer 9. Januar 2013 at 20:10

      Hallo Nora,

      das freut mich! Ich schau mich auch gleich mal ein bisschen bei dir um! =)

      Liebe Grüße
      Sandy

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