Für immer die Seele
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{Rezension} Für immer die Seele von Cynthia J. Omololu

 Klappentext: Als die 16-jährige Cole den Londoner Tower besichtigt, wird sie von einer unglaublich realistischen Vision heimgesucht: Sie erlebt eine Jahrhunderte zurückliegende Enthauptung! Und dieses Erlebnis bleibt kein Einzelfall. Wohin Cole auch geht, was sie auch berührt, seit Kurzem fühlt sie sich ständig in andere Zeiten und an fremde Orte versetzt. Wird sie vielleicht verrückt? Nur einer scheint sie zu verstehen: der Amerikaner Griffon, den sie in London kennenlernt. Doch Stück für Stück entdeckt Cole, welch dunkles Geheimnis sie und Griffon verbindet. Kann sie dem Jungen, den sie liebt, wirklich vertrauen?

Schicksalhafte Begegnungen, große Gefahren und eine unendliche Liebe: der Auftakt der fesselnden „Für immer“-Trilogie.

Rezension:

Zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Vater ist die 16-jährige Cole – eigentlich Nicole – auf einer Sightseeing Tour durch London. Doch dieser Urlaub scheint alles zu verändern. Cole fühlt sich in dieser Stadt zu Hause, sie überkommen immer wieder merkwürdige Gefühle, doch das ist nicht alles. Immer realistischer werden die Visionen, die sie heimsuchen. Als sie dann den Tower of London besucht, wird einer dieser Flashbacks so realistisch, dass sie sogar dabei ohnmächtig wird.

Meine Hände zittern, und einen Augenblick lang fürchte ich, Münzen und Anhänger könnten zu Boden fallen, doch schließlich senkt sich beides mit einem leisen Klimpern auf die ausgestreckte Hand des maskierten Henkers. Verwundert bemerke ich, dass auch seine Hand zittert, und ich blicke hinauf in die dunklen, braunen Augen, die alles sind, was ich von seinem Gesicht erkennen kann.
Er weicht meinem Blick aus, wendet sich ab und sieht hinaus auf den weiten Rasen, während seine Hand sich mit einer endgültigen Geste um seinen Lohn schließt.

– Omololu: Für immer die Seele, S.27f

Cole glaubt, dass diese merkwürdigen Geschehnisse mit London zusammenhängen müssen, und ist erleichtert, als sie nach dem Urlaub wieder nach San Francisco zurückkehren und die Visionen hinter sich lassen kann. Doch weit gefehlt. Das, was sie verändert, kann nicht einfach zurückgenommen werden. Sie muss sich ihm stellen, denn es gibt eine Aufgabe, die auf sie wartet. Zusammen mit Griffon, den sie in London kennengelernt hat, lernt sie, mit ihrem neuen Leben umzugehen.

Obwohl man nach den ersten Kapiteln von „Für immer die Seele“ noch denken könnte, dass es sich hier um einen Zeitreiseroman handelt, wird man doch recht schnell eines Besseren belehrt, denn es geht vielmehr um die Reise der Seele, um Seelenwanderung und Wiedergeburt – ein Thema, das im aktuellen Jugendbuchsegment noch relativ frisch und unverbraucht ist und somit einen eigenen Reiz ausübt.

Es sind Coles Visionen, die sie von Anfang an begleiten und immer wieder in die Geschichte einbrechen, die die Lesenden in andere Zeiten entführen und so ein wenig „Zeitreisefeeling“ aufkommen lassen. Diese Abschnitte sind für das junge Mädchen sehr real und heben sich auch optisch durch eine andere Schriftart und Farbe vom Rest des Textes ab. Sie bilden eine Ebene, auf der sich Figur und Leser ein bisschen näher sein können, den beide fühlen sich hier in etwas völlig Neues, Unbekanntes hineingerissen.

Den Schreibstil empfand ich in diesem Buch zweigeteilt, aber doch zweimal sehr gut auf überschiedliche Weise. Während sich Cole in ihrer Realität befindet und von ihren Gefühlen und Handlungen aus der Ich-Perspektive berichtet, enthält der Stil eine gewisse Leichtigkeit, was sehr stark mit dem Charakter der Figur zu tun hat.

Cole ist ein junges Mädchen mit den gleichen Ängsten, Sorgen und Wünschen wie die anderen Jugendlichen in ihrem Alter. Sie ist nicht naiv und auf alle Fälle in der Lage, ihre eigene Meinung zu vertreten. All das wird in jenen Abschnitten durch den lockeren Stil betont, der auch erstklassigen Humor mitbringt. Cole ist hin und wieder wunderbar sarkastisch, ohne dabei allerdings fies zu wirken. Im Gegenteil, sie ist eine sehr sympathische Figur, die man wirklich gern auf ihrem Weg begleitet.

In den anderen Abschnitten, den Erinnerungen, ist ebenfalls Cole die erzählende Instanz. Auch hier erleben wir das, was geschieht, aus ihrer Sicht, allerdings verändert sich dabei der Stil. Er wird nicht unbedingt komplizierter, vielmehr sachlicher. Während die anderen Stellen teilweise sehr dialog-lastig sind, überwiegen hier die Beschreibungen.

Und das ist auch wichtig, denn die Flashbacks sind oft kurz und in wenigen Sätzen muss es die Autorin schaffen, die Stimmung von der Moderne in die Vergangenheit zu transferieren – was ihr meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist. Egal, ob im Gedränge am Hafen, dem Weg zum Schafott oder bei einer Party der gehobenen Gesellschaft vor hundert Jahren – ich habe mich in allen von Coles Zeiten gut zurechtgefunden, denn jede Szene war detailreich, aber nicht überladen gezeichnet.

Cynthia J. Omololu legt mit „Für immer die Seele“ ein gelungenes und fesselndes Jugendbuch vor. Durch den häufigen Wechsel zwischen Realität und Erinnerung entsteht eine Dynamik, der man sich nur schwer entziehen kann. Die Charaktere sind durchweg sehr liebevoll gestaltet, allerdings muss ich zugeben, dass sie nicht halb so geheimnisvoll wirkten wie erhofft. Beim Lesen wird ziemlich schnell klar, wer wo steht, und so richtig überraschend ist eigentlich nichts. An dieser Stelle hätte man sicherlich noch den einen oder anderen Stolperstein für die Leserschaft einbauen können.

Ein paar andere Sachen haben mich aber ungemein gestört. Zum einen diese „Rettet die Welt und esst am besten keine Tiere“-Botschaft, die einen plötzlich aus heiterem Himmel aufgedrückt wird. Tut mir leid, aber auf so was reagiere ich total allergisch. Zum anderen fand ich es absolut abstrus, dass ständig irgendwelche Promis wie Oprah Winfrey oder Al Gore als positive Seelenreisende präsentiert wurden. Und als Stalin und Hitler dann noch als die bösen Beispiele aufgeführt wurden, konnte ich echt nur noch mit dem Kopf schütteln. Für mich wirkte das leider einfach nur fehl am Platz, aber andere mögen es gern toll finden.

Fazit:

„Für immer die Seele“ ist ein gelungenes Jugendbuch, welches die Lesenden auch in fremde Zeiten entführen kann, obwohl es nicht um Zeitreise geht. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive in einem angenehm lockeren Stil geschrieben und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Der Wechsel zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit bringt eine fesselnde Dynamik, dennoch hätte man die Handlung durchaus etwas geheimnisvoller und vor allem überraschender gestalten können. Alles in allem ist dies aber ein sehr schönes Buch und empfehlenswert für alle, die sich gern in anderen Zeiten wagen oder Geschichten mögen, die nicht zu fantasylastig sind.

Bewertung:

drei_sterne

Cynthia J. Omololu: Für immer die Seele I Dressler Verlag I 382 Seiten I 978-3-7915-1505-2 I Originaltitel: Transcendence I 17,95 Euro

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9 Comments

  • Reply Nora 1. Februar 2013 at 13:22

    Hallo (:
    Ich habe dich getaggt und würde mich freuen, wenn du mitmachst:
    http://phantasiewelten.blogspot.de/2013/02/tag-meine-meinung-in-8-punkten-zu.html
    Liebe Grüße,
    Nora

    • Reply tintenmeer 2. Februar 2013 at 9:24

      Hallo Nora,

      supi =) Ich schau gleich mal, worum es geht!

      Liebe Grüße
      Sandy

  • Reply Jenny 1. Februar 2013 at 20:58

    Eine schöne Rezi , gemütlich hast du es hier ;) Bin gleich mal Leserin geworden , hoffe mir wird das Buch genau so gut gefallen wie dir :D

    • Reply tintenmeer 2. Februar 2013 at 9:31

      Hallo Jenny,

      willkommen im Tintenmeer. Ich freue mich sehr, dass es dir bei mir gefällt. :) Viel Spaß beim Lesen von „Für immer die Seele“.

      Liebe Grüße
      Sandy

      PS. Du hattest einen falschen Link zu deinem Blog eingetragen. Ich hab das mal berichtigt. ;)

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