Benjamin Lacombe - Schneewittchen
Bücherschrank, Märchenzauber

{Rezension} Schneewittchen von Jacob und Wilhelm Grimm (Text) & Benjamin Lacombe (Illustration)

Seit Weihnachten hat diese wunderschöne Schneewittchen-Ausgabe einen Ehrenplatz in der Märchenabteilung meines Bücherregals gefunden und ich habe es wohl selbst schon hundertmal durchgeblättert. Auch auf meiner Wunschliste war es ja so beliebt gewesen, dass ich es von meiner Verwandtschaft gleich dreimal geschenkt bekommen habe – ihr erinnert euch sicher. ;)

Mit dieser Ausgabe legt der Verlag Jacoby & Stuart ein wahrhaft wunderschönes Märchenbuch vor, das das klassische Schneewittchen der Gebrüder Grimm mit den traumhaften Illustrationen von Benjamin Lacombe vereint. Und man kann sich daran nicht sattsehen! Beim Text handelt es sich um das Original von Jacob und Wilhelm Grimm von 1896, es gibt also keine unschönen Modernisierungen oder „freien Interpretationen“.

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: Hätt‘ ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen!

– Grimm/Lacombe: Schneewittchen, S.6

Die Bilder sind atmosphärisch und düster, und kommen durch das sehr große Format des Buchs wunderbar zur Geltung. Dem dritten Tod Schneewittchens, der eine zentrale Position im Geschehen einnimmt, werden sogar ganze 10 Seiten gewidmet, darin enthalten sind 3 textfreie Illustrationen, die sich jeweils über eine Doppelseite erstrecken. Noch besser konnte man die Stimmung dieses entscheidenden Moments im Verlauf der Geschichte meiner Meinung nach nicht einfangen. Jede einzelne Illustration in diesem Buch ist etwas Besonderes. Ich würde sogar behaupten, dass „Schneewittchen“ noch niemals zuvor derart in Bilder gefasst wurde. Sie weichen teilweise sehr stark vom Bekannten ab, interpretieren sehr fantasievoll, und doch erkennt man auf den ersten Blick, um welche Geschichte es sich handelt.

Der typische Lacombe-Stil spiegelt das Wesen der einzelnen Figuren im Äußeren detailreich wider. So erkennt man sofort die Unschuld des von Tauben begleiteten und von aller Schuld reingewaschenen Schneewittchens. Auch die böse Stiefmutter, der eitle Pfau, ist wunderschön, doch begleitet von sich windenden, drohenden Schlangen. Schneewittchens Mutter zeigt ihrer Sehnsucht mit nur einem Blick, Hoffnung und Vergänglichkeit schwingen sich gleichermaßen als Raben vom Balkon der Königin in den Himmel.

Die Vogelmotivik, welche in diesem Märchen eine große Rolle spielt, wurde von dem französischen Illustrator perfekt eingearbeitet – sogar noch etwas erweitert. Besonders die Raben haben bei Lacombe einen hohen Stellenwert bekommen, zieren sie doch sehr viele der im Buch enthaltenen Illustrationen. Als Boten des Todes, aber auch der Weisheit und als Symbol des Irdischen finden sie immer einen perfekten Platz in diesem Buch.

Fazit:

Lacombes „Schneewittchen“ verpackt den historischen Text der Gebrüder Grimm in wunderschöne, detailreiche und fantasievolle Illustrationen, die man wieder und wieder anschauen kann. Für Jugendliche und Erwachsene bietet dieses Buch eine ganz neue Möglichkeit, in die Welt der Märchen einzutauchen und sie vielleicht auch einmal mit einem reiferen Auge zu betrachten. Für Kinder ist dieses Schneewittchen allerdings nicht wirklich gedacht.

Bewertung:

fuenf_sterne

Jacob und Wilhelm Grimm (Text) & Benjamin Lacombe (Illustration): Schneewittchen I Jacoby & Stuart I 44 Seiten I 978-3-941787-39-1 I Originaltitel: Blanche Neige I 17,95 Euro

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1 Kommentar

  • Antwort Chrissi 8. April 2015 at 21:04

    Die Illustrationen von Benjamin Lacombe sind wirklich traumhaft. „Schneewittchen“ war damals auch das erste, das ich mir gekauft habe, weil es im Laden einfach sofort meine Aufmerksamkeit erregt hat. Seinen Stil erkennt man auch sofort ohne seinen Namen zu lesen.
    Kennst du auch schon „Unheimliche Geschichten“? Das ist eine Sammlung mit Geschichten von Edgar A. Poe, zu denen Lacombe die Illustrationen gemacht hat. Wenn du das Buch noch nicht in deiner Sammlung hast, musst du es dir unbedingt holen. Ich kann mich darin immer wieder verlieren, so schön ist es.

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