Das Labyrinth erwacht von Rainer Wekwerth
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{Rezension} Das Labyrinth erwacht von Rainer Wekwerth

Klappentext:

Das Labyrinth. Es denkt. Es ist bösartig.
Sieben Jugendliche werden durch Raum und Zeit versetzt.
Sie wissen nicht mehr, wer sie einmal waren.
Aber das Labyrinth kennt sie.
Jagt sie.
Es gibt nur eine einzige Botschaft an jeden von ihnen:
Du hast zweiundsiebzig Stunden Zeit das nächste Tor zu erreichen oder du stirbst.
Problem Nummer Eins, es gibt nur sechs Tore.
Problem Nummer Zwei, ihr seid nicht allein.

Rezension

Sieben Jugendliche wachen in einer einsamen Graslandschaft auf. Keiner weiß viel mehr über sich als seinen Namen, niemand weiß, wie er hierhergekommen ist. Aber eins ist klar: Es geht hier um das Besiegen der eigenen Ängste und das Überleben. Ziel ist es, in je sechs Welten ein Tor zu erreichen, um sich zu retten. In jeder Welt gibt es immer ein Tor weniger als „Mitspieler“, sodass am Ende nur einer gewinnen kann.

Klingt verdammt aufregend! Ich hatte also auch erwartet, dass mich dieses Buch in atemlose Spannung versetzt, dass ich es nicht aus der Hand legen kann, dass ich es in 1-2 Tagen durchlese … Doch irgendwie das hat nicht funktioniert. Im Gegenteil. Das Buch hat mich in eine richtige Leseflaute reinmanövriert. Am Ende habe ich sogar über eine Woche an diesem Buch herumgelesen! Warum?

Es gab einige Gründe, wieso es mit „uns beiden“ anscheinend irgendwie nicht richtig klappen wollte. Obwohl die Grundidee sehr fesselnd klingt, vermochte es der Autor jedoch nicht, sie in etwas Einzigartiges zu verwandeln. Sieben Jugendliche wachen ohne Erinnerung in einer unbekannten Landschaft auf und müssen zu einem bestimmten Punkt laufen. Dabei müssen sie zusammenarbeiten, um zu überleben, sind aber gleichzeitig Gegner, denn nur einer kann „gewinnen“. Um es noch etwas tragischer zu machen, ist der „Gewinn“ das eigene Leben. Welche Konflikte sich hieraus entwickeln, kann sich ja jeder denken – die Spannung leidet also.

Das Licht von draußen blendete Mary. Sie wusste nur eines: Raus hier! Mary flitzte den Gang entlang und auf den Ausgang zu, den Blick fest auf die offene Tür gerichtet, als ihr Fuß kurz vor der Türschwelle plötzlich ins Leere trat. Vor Schreck stockte ihr der Atem, und noch bevor sie wusste, wie ihr geschah, fiel sie ins Leere.
Den Aufprall spürte Mary nicht mehr.

– Wekwerth: Das Labyrinth erwacht, S.325

Wirklich fesselnd ist aber auch die unbekannte Umgebung nicht. Dreiviertel des Buches befinden sich die Protagonisten in einer Graslandschaft – wo es einfach mal nichts gibt – ab und zu unterbrochen von einem Zipfelchen Wald. Ehrlich gesagt fand ich diese Welt ziemlich öde. Einen Pluspunkt bekommt das Buch aber für die sehr realistische Beschreibung der Umstände und die der Reaktion der Figuren: Hitze, Wassermangel und Verletzungen setzen ihnen zu und machen den ersten Teil interessanter. Der zweite Abschnitt, der auf die erste Welt folgt, war sehr viel kürzer, komprimierter und dadurch vermutlich auch fesselnder.

Wenn es schon rundherum nicht viel gibt, woran man sich „festhalten“ kann, dann müssen die Figuren schon richtig gut entwickelt sein, um die Geschichte noch mal aus dem Tief rauszureißen. Aber auch hier gibt es ein Problem. Die sieben Jugendlichen haben zwar sehr unterschiedliche Charaktere, aber keiner von ihnen erinnert sich an viel aus seinem vergangenen Leben. Eine richtige Entwicklung konnte ich in diesem Band auch bei keiner der Figuren feststellen. Jeder bekam ein paar Charakterzüge verpasst und handelt jetzt danach – wirkliche Überraschungen gibt es leider nicht. Selbst die Gedanken der so unterschiedlichen Figuren sind alle gleich.

Auch das war etwas, dass mir leider negativ aufgefallen ist: Der Autor strapaziert seine Leser mit endlosen Wiederholungen. Es ist ja vielleicht noch spannend, bei einer Figuren zuzusehen, wie sie in der unbekannten Umgebung aufwacht, nichts weiß, ihre Klamotten anzieht und sich orientiert, aber bei vier von sieben? Tut mir leid, aber das war leider echt langweilig. Hier hätte man sicher einen anderen Weg finden können. Auch die Gedanken der Figuren variieren immer nur die gleichen Aussagen: die Fassungslosigkeit über die Situation und die Einschätzung der anderen Figuren. Letzteres bringt den Leser aber auch nicht weiter, weil man alles, was der eine über den anderen denkt, ohnehin schon weiß.

Der Schreibstil des Autors hat mir hingegen wirklich gut gefallen. Er ist sehr flüssig und sehr dialoglastig. Die meisten Kapitel sind allerdings ziemlich kurz, was das Buch künstlich aufplustert. Wenn man einmal reingekommen ist, dann liest sich die Geschichte sehr zügig, allerdings fehlte mir nach dem Aufhören immer etwas die Motivation, wieder anzufangen.

Fazit:

„Das Labyrinth erwacht“ von Rainer Wekwerth kommt mit einer nicht unbedingt neuen, aber vielversprechenden Grundidee daher. Leider hat es der Autor für mich nicht geschafft, diese zu etwas Besonderem auszuarbeiten. Obwohl der Schreibstil sehr angenehm ist und die sehr verschiedenen Figuren eine gute Grundlage bilden, gibt es keine wirkliche Entwicklung. Weder konnte mich die Handlung fesseln, noch konnten mich die Figuren begeistern. Dafür erschien mir alles zu unausgereift. Doch ich setzte Hoffnungen in den folgenden Teil der Reihe.

Bewertung:

zweieinhalb_sterne

Rainer Wekwerth: Das Labyrinth erwacht I Arena Verlag I 408 Seiten I 978-3-401-06788-9 I 16,99 Euro

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