Asche und Phönix von Kai Meyer
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{Rezension} Asche und Phönix von Kai Meyer

Klappentext: Parker und Ash haben nichts gemeinsam. Er ist Hollywoods größter Jungstar, das Gesicht des Magiers Phoenix aus den »Glamour«-Filmen. Sie ist eine »Unsichtbare«, nirgends zu Hause, getrieben von der Angst, wie alle anderen zu sein. Doch dann erwischt Parker Ash in seiner Londoner Hotelsuite, wo sie gerade sein Bargeld klaut. Parker kann sein Leben im Fokus der Medien nicht mehr ertragen. Und nutzt die Chance, mit Ash vor den Fans und Paparazzi zu fliehen. Dabei scheint er geradezu körperlich abhängig von Ruhm und Aufmerksamkeit. Ihre gemeinsame Flucht führt sie durch Frankreich an die Côte d’Azur – auf den Spuren eines teuflischen Paktes, verfolgt von einer dämonischen Macht, die sie gnadenlos jagt.

Rezension

Für Kai Meyer und seinen neuen Roman Asche und Phönix begann das Jahr 2013 schon äußerst positiv. Die Phantastische Akademie ehrte es mit dem Jurypreis Seraph für das Beste Buch. Kein Wunder, bedenkt man, wie beliebt auch schon die anderen Bücher und Reihen des Autors beim Publikum waren und immer noch sind – zuletzt übrigens die Arkadien-Reihe. Auf Asche und Phönix – einen Einzelband – haben viele Leser somit auch schon sehnsüchtig gewartet.

Ein Merkmal wirklich geschickter Fantastik-Autoren ist es, wenn sich in der Geschichte Realität und Fantastisches so schleichend vermischen, dass man es beim Lesen nicht sofort merkt. Kai Meyer beherrscht diese Art zu Schreiben wirklich perfekt. Obwohl mir persönlich Arkadien erwacht nicht gefallen hat, kann ich doch nicht sagen, dass es daran lag, dass dem Autor dies dort nicht gelungen wäre. Im Gegenteil. Auch bei seinem neuen Roman vermag es Meyer wieder, mit dieser Kunstfertigkeit zu begeistern.

Im Schein der aufgehenden Sonne wandert er barfuß über den schmalen Grünstreifen in der Mitte einer Autobahn. Zu beiden Seiten, nur wenige Meter entfernt, rasen Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit vorüber. Der Wind zerrt an den Gräsern zwischen den Leitplanken, wirft sie im Sekundentakt in die eine, dann in die andere Richtung. Abfälle und Glassplitter bedecken den Boden. Doch er setzt sicher einen nackten Fuß vor den anderen, während das Tosen ihn durchweht und seinen Zorn abkühlt.

– Meyer: Asche und Phönix, S.144

Asche und Phönix beginnt in der „Realität“, und zwar in einer, die uns tagtäglich begegnet, auch wenn die meisten von uns das Glück haben, nicht unmittelbar betroffen zu sein. Die meisten von uns sind nur Leser, Hörer, Zuschauer, vielleicht auch mal Fans von irgendjemandem oder irgendetwas. Parker Cale, Meyers Protagonist, hingegen ist mitten drin im Presserummel und kann dem niemals entgehen. Der umschwärmte Teeny-Star zeigt dem Leser von Anfang an und durchgängig nicht nur das Gute, sondern auch die Schattenseiten des Showbiz auf. Zwar braucht er die Fans, den Jubel und den Trubel, ist geradezu süchtig danach, doch auf der anderen Seite macht es ihn auch kaputt. Immer wieder verdeutlicht Meyer, was es wirklich kostet, ein Sternchen am Hollywood-Himmel zu sein. Kein Privatleben, keine ruhige Minute, keine Zuflucht, das eigene Selbst wird geschluckt und durch die Rolle ersetzt. Wer eigentlich Parker Cale ist, weiß niemand. Alle Welt kennt nur Phoenix Hawthorne, „der es mit einer Elfe treibt“. Fanatische Fans lieben und hassen ihr Idol gleichermaßen. Wie sehr sich eine Rolle in einem Menschen verbeißen und ihn zerstören kann, sieht man immer wieder bei abgestürzten Kinderstars. Dass Kai Meyer seinen Roman nun zum Teil dafür verwendet, auf Derartiges hinzuweisen, und die Situation aus der Sicht des tyrannisierten, aber doch aufmerksamkeitssüchtigen Stars schreibt, finde ich sehr gut. Er kritisiert, er parodiert und als Leser kann man dies nicht ignorieren. Man leidet und lechzt mit Parker um diese ungesunde Art von Aufmerksamkeit. Obwohl die meisten von uns vermutlich niemals in eine solche Situation wie Parker kommen werden, vermag es Meyer dennoch uns für die kurze Zeit der Lektüre in genau dieses Leben zu versetzen.

Auf der anderen Seite steht Ash. Sie ist keiner dieser verrückten Fans, die alle Freizeit und alles Geld für ihr Idol opfern können und wollen. Sie hat kein rosarotes, sorgloses Leben. Sie muss hart arbeiten, um über die Runden zu kommen, hat kein Zuhause und bestielt die Stars und Sternchen, denen sie das Hotelzimmer putzt, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Genau in einer solchen Situation trifft sie auf Parker. Die beiden bilden eine Zweckgemeinschaft, denn er will seinem Leben entfliehen und sie will von ihm nicht verraten werden. Schnell zeigt sich jedoch, dass diese beiden auf den ersten Blick grundverschiedenen Charaktere, die noch dazu aus völlig unterschiedlichen Lebenssituationen kommen, doch mehr gemeinsam haben, als sie anfangs glauben. Beide sind auf ihre Art und Weise Rebellen, wollen sich nicht der Allgemeinheit anschließen. Ash ist mindestens so zynisch dem Leben gegenüber, wie Parker es ist. Beide sind in ihrem Inneren sehr einsam, sie vertrauen niemandem und wollen es doch beide so sehr. Auch darum ergänzen sie sich sehr gut. Die Sehnsucht nach Geborgenheit und jemandem, dem sie vertrauen können, der sie um ihrer selbst schätzt, ist da, ist auch für den Leser spürbar.

Packend erzählt vereint Asche und Phönix nicht nur tolle Charaktere und eine Kritik an der aktuellen mediengesteuerten Gesellschaft sowie den Gefahren medialer Möglichkeiten, die die abnormale Fanliebe begünstigen, sondern auch eine fantastische Ebene. Diese zieht – wie eingangs erwähnt – sehr schleichend in die Geschichte ein. Immer wieder bricht das Fantastische durch, dreht die Geschichte in eine vollkommen unwirkliche Richtung und zieht sich dann jedoch wieder zurück. Dies wirkt sich auch auf Ash und Parker aus, die versuchen, damit umzugehen und eine vernünftige – reale – Lösung zu finden, bis sie sich eingestehen müssen, dass dem Unmöglichen mit normalen Mitteln nicht beizukommen ist. Der geschickte Wechsel von fesselnden und mysteriösen Passagen mit entspannenden und ruhigen zum Ausgleich trägt dazu bei, ein konstant spannendes Niveau zu halten und den Figuren trotzdem Raum für eine eigene Entfaltung zu geben. Auch der Wechsel zwischen drei verschiedenen Perspektiven (Ash, Parker, Gegenspieler Libatique) ermöglicht es, sich ein umfassenderes Bild von der Geschichte und den Charakteren zu machen.

Absichtlich habe ich in dieser Rezension das Wörtchen Jugendbuch vermieden. Asche und Phönix ist nämlich weit mehr als das und wird auch erwachsene Leser begeistern können. Die Liebe zwischen Ash und Parker entwickelt sich langsam, realistisch, sie erscheint echt und glaubhaft, und schleicht sich ebenso heran wie das Fantastische. Im Gegensatz zu der zarten Liebesgeschichte nimmt das Unglaubliche – ist es einmal da – jedoch teilweise brutale, grausame, erschreckende Züge an, die nichts für schwache Nerven sind. Alles in allem bietet Kai Meyers Buch dem Leser neben einer spannenden, actionreichen und gefühlvollen Geschichte auch einen gewissen Anspruch und eine Brutalität, die für jüngere Leser nicht unbedingt geeignet scheint.

Fazit

Asche und Phönix ist nicht nur ein spannender und rasanter, sondern auch ein gefühlvoller und kritischer Roman, den man kaum als Jugendbuch bezeichnen kann. Meyers Figuren sind sowohl glaubhaft, als auch komplex, manche sind sehr humorvoll, andere tragisch-boshaft oder einfach nur schräg, sodass sie für den Leser durchaus sehr reizvoll sind. Aber das strarre Schema von Gut und Böse wird eigentlich nie durchbrochen wird, was als Einziges etwas schade ist.

Bewertung

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Kai Meyer – Asche und Phönix“ width=“202″ height=“300″ />Buchdaten:

Kai Meyer
Asche und Phönix

Verlag: Carlsen Verlag
Seiten: 464
ISBN: 978-3-55158291-1
Preis: 19,90 Euro

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1 Kommentar

  • Antwort Buechermaedchen 3. Mai 2013 at 21:27

    Hallöchen:) Mir ging es ganz genauso, nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen habe. War zuhause dann doch tatsächlich leid schockiert (oder beleidigt?), dass es zu dem Buch noch keine Rezensionen auf amazon gab.. So findet man in der Stadt-Bibliothek richtige Perlen :)
    Liebe Grüße, Buechermaedchen

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