Die Frau meines Lebens Nicolas Barreau
Bücherschrank

{Kurzrezension} Die Frau meines Lebens von Nicolas Barreau

Klappentext: Eines Mittags sitzt im Pariser Lieblingscafé des passionierten Buchhändlers Antoine wie vom Himmel gefallen die Frau seines Lebens. Beim Hinausgehen wirft die schöne Unbekannte ihm ein Kärtchen mit einer Telefonnummer zu, die aber nicht mehr vollständig ist. Antoine hat nun zehn verschiedene Möglichkeiten und nur vierundzwanzig Stunden Zeit, um die Frau seines Lebens wiederzufinden.

Kurzrezension

Vor einiger Zeit war Nicolas Barreau in aller Munde. Zum einen, weil seine Bücher viele Leserinnen und Leser verzaubert haben, zum anderen weil es ihn nicht gibt. Ob es nicht genug gute französische Literatur gibt, die man übersetzen könnte, ohne seine Leser dermaßen hinters Licht zu führen – lasse ich einfach mal unkommentiert. Es soll um den Roman gehen.

Eigentlich handelt es sich ja eher um ein Romanchen, um nicht zu sagen eine viel zu lange, überstrapazierte Kurzgeschichte. Klappentext und Cover lassen eine nette, romantische, Pariser Geschichte erwarten. Was man bekommt, ist aber leider etwas unschön. Ein recht unsympathischer Protagonist, Antoine, sieht eines Tages im Café die Frau seines Lebens. Der Versuch, sie zu treffen, scheitert immer wieder kläglich, bis es am Ende doch noch klappt (ist ja von Anfang an klar) – inhaltlich doch sehr fad, dann sollte es doch die Schreibe herausreißen! „Ein federleichter und lebenskluger Roman“ wird versprochen. Federleicht könnte man sagen, weil er eben nicht wirklich Inhalt zu bieten hat, aber lebensklug? Das muss an mir vorbeigegangen sein. Antoine erscheint vielmehr sehr einfältig. Auch das Versprechen, das hinter seinem Beruf „passionierter Buchhändler“ steckt, wird nicht eingelöst, denn die Buchhandlung kommt quasi nicht vor, das einzige Buch, das Antoine berührt, hält er – aufgrund der Verzauberung durch seine Traumfrau – verkehrtherum, und von intellektuellem Charme ist bei diesem Mann leider gar nichts zu spüren. Sowohl die Handlung als auch die Charaktere bleiben leider sehr flach und farblos.

Auch sprachlich kann der Roman nicht überzeugen. Es gibt keine sprachlichen Spielereien, kaum Beschreibungen, die den Leser auf einen Spaziergang durch Paris mitnehmen könnten. Alles in allem ist der Stil ebenso unspektakulär wie der Inhalt. Die einzige Auffälligkeit sind die „unübersetzten“ Sätze und einzelnen Worte. Wozu diese ganzen französischen wörtlichen Reden und Ausdrücke, fragt man sich automatisch. Sie geben dem Ganzen ein nettes, aber leider bloß pseudo-französisches Flair. Nett vielleicht als kleine Sommerlektüre für Zwischendurch.

Bewertung

ein_stern

Nicolas Barreau: Die Frau meines Lebens I Piper Verlag I 144 Seiten I 978-3-492-25356-7 I 8,99 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort nachrichtendana 23. August 2013 at 21:15

    Hallo Sandy,
    ich kann mich deinem Urteil über dieses Buch nur anschließen. Ich war enttäuscht nachdem mich der Klappentext echt geködert hatte. Bei den anderen Büchern von ihm habe ich gar nicht mehr angebissen, nachdem ich schon in der Buchhandlung angelesen habe. Wie kann es sein, dass es Leute gibt, die diese Farblosigkeit und vermissende Spannung interessant finden? Mir fehlte entschieden die Handlung und ein richtiger Spannungsbogen.
    Liebe Grüße aus dem verschlafenen Grimma^^

    • Antwort tintenmeer 24. August 2013 at 7:22

      Hallihallo Dana,

      Gott sei Dank bin ich nicht allein. Ich habe nachträglich mal Rezensionen zu dem Buch gelesen, weil ich mich gewundert hatte, dass ich es so grauselig finde und das bisher aber noch von keinem gehört hatte. Kein Wunder bei den vielen guten Rezensionen – vielleicht hatten die ein anderes Buch. Ich kanns mir sonst wirklich nicht erklären. Ich habe mich auch etwas schwer getan mit der Rezension, weil ich sonst ja zumindest irgendwas Gutes schreibe. Immerhin ist es ja doch eine Leistung, eine Geschichte aufgeschrieben zu haben. Aber hier wollte mir – abgesehen von dem hübschen Cover – leider einfach gar nichts einfallen.

      Liebe Grüße
      Sandy

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