eleanor und park
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{Rezension} Eleanor & Park von Rainbow Rowell

Eleanor und Park sehen sich zum ersten Mal, als sie eines Tages in den Schulbus einsteigt. Und hier gelten ungeschriebene Gesetze. Jeder hat seinen Platz, und wer seinen Sitz nicht teilen muss, hat am Anfang des Schuljahres ziemliches Glück gehabt. Kommt man später – wie Eleanor –, wird es kompliziert, noch einen Platz zu bekommen. Sieht man auch noch aus wie Eleanor, ist es fast unmöglich, unbeschadet durch den Tag zu kommen. Sie ist zu groß, zu pummelig, trägt zu große Männerklamotten und hat wilde rote Locken. Park ist auch ein Außenseiter – irgendwie. Er ist Asiate, etwas zu klein, zu ruhig. Aber er konnte sich so weit mit den anderen arrangieren, dass sie ihn die meiste Zeit in Ruhe lassen. Als Eleanor in seinen Bus kommt, erbarmt er sich ihrer und teilt seinen Sitz mir ihr, nicht ahnend, dass sie zu Freunden und dann zu Liebenden werden sollen.

Ich bin wirklich froh, dass mich mein Gefühl wieder einmal zu einem Buch wie diesem geführt hat. Sozusagen ungesehen, ohne eine Leseprobe, habe ich es gekauft, weil ich mich erinnert habe, dass eine Booktuberin die Bücher von Rainbow Rowell toll fand. Ich finde, Eleanor & Park ist eines dieser Bücher, das jeder gelesen haben könnte, das sicher kaum jemandem missfallen könnte, das zumindest in jedes jugendliche Bücherregal gehört. Denn es ist nicht kitschig und schon gar nicht rosarot oder regenbogenfarben (wie der Autorinnenname suggerieren könnte). Viel öfter, als man bei diesem hübschen Cover denken würde, ist es sogar grau – um bei den Farben zu bleiben. Ganz oft ist es schwer und so traurig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diese Geschichte verfolgen kann, ohne immer wieder tief bewegt zu sein. Besonders von Eleanors Leben.

Ich mochte Eleanor – wie auch Park sehr gern. Allerdings finde ich, dass sich die Autorin auf Eleanor sehr viel mehr konzentriert hat. Sie hat es nicht leicht, weder in der Schule noch zu Hause. Wie unglaublich gemein Mitschüler sein können, kann sich wohl jeder vorstellen. Und so braucht es auch nicht viele Worte der Beschreibung. Überhaupt hält die Autorin alle Begebenheiten in der Geschichte sehr knapp, beschreibt nie zu tief, nie ellenlang und schafft es doch, das man sich die ganze Zeit und immer wieder sehr berührt fühlt von dem, was passiert. Das ist wirklich Kunst. Und Rainbow Rowell hat sie drauf. Ein Blick ihrer Charaktere zu beschreiben, reicht aus, um so viel mehr zu erzählen.

Wenn Park sie jetzt ansehen würde, wüsste er alles.
Aber er sah sie nicht an. Er wickelte den Schal um seine Finger, bis ihre Hand zwischen ihrem und seinem Sitz hing.
Dann schob er die Seide samt seinen Fingern in ihre offene Hand.
Und Eleanor löste sich vollkommen auf.

– Rowel: Eleanor & Park, S.81

Ich habe gelitten beim Lesen, mit Eleanor, wollte manchmal weinen, habe gelacht und geseufzte – denn manche kleine Dinge zwischen den beiden Protagonisten sind wirklich so unglaublich niedlich, wie nur Sechzehnjährige sein können. Und ich habe auch gehasst. Nicht den unausstehlichen, armseligen Stiefvater Eleanors, sondern ihre Mutter. Wirklich, ich hätte sie am liebsten gewürgt. So ein schwaches, geistloses, leeres Wesen. Eigentlich habe ich gehasst, wofür sie steht. Denn viel zu viele Kinder auf der Welt sind mit so etwas als Mutter geschlagen.

Und Park, er blieb für mich blasser. Aber er hatte auch nicht solch schwerwiegende Probleme in seinem Leben wie Eleanor. Es hat mich manchmal genervt, wie schwach er war, aber nicht so sehr, dass ich ihn nicht mochte. Denn es war wiederum folgerichtig. Er schämt sich oft für Eleanor, gleichzeitig mag er aber, dass sie anders ist als die anderen. Er kämpft mit sich, um diese zwei völlig konträren Empfindungen unter einen Hut zu bringen. Und das ist in dem Alter – in der High School – ganz und gar nicht einfach.

Nachträglich habe ich gesehen, dass sich negative Kritiken zumeist an dem Ende dieses Einzelbandes aufgehängt haben, darum möchte ich dazu auch noch was sagen: Ich fand das Ende großartig! Es war das absolut richtige Ende für diese Geschichte. So, wie sie es schon die ganze Zeit über getan hat, hat die Autorin ihre Geschichte beendet auf eine Weise, die so süß ist und ein kleines bisschen bitter und dann wieder ganz süß. Ein Ende, für das man das Buch vorher auch gelesen haben müsste, um es zu verstehen. Nicht nur „in einem Rutsch“ überflogen. Einfach perfekt.

Fazit

Eleanor & Park ist ein Buch, das ich zumindest jedem Jugendlichen (aber auch vielen Erwachsenen) gern in die Hand drücken würde, ganz gleich, welches Genre er oder sie sonst liest. Denn es ist wirklich wahnsinnig schön und bewegend, witzig und traurig und bittersüß. Es ist nicht weit hergeholt, nicht unglaubwürdig, sondern ganz echt, ganz real. In jedem Schulbus auf der ganzen Welt könnte eine Eleanor auf einen Park treffen. Und das, was sie bewegt, sind nicht Konstrukte aus einer Geschichte, sondern Dinge, die jeden Tag mit den Menschen passieren. Es ist ein Buch über Toleranz und das Hinsehen und Erkennen eines Menschen weit über seine Äußerlichkeiten hinaus. Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch, sonst verpasst ihr wirklich etwas!

Bewertung

Rainbow Rowell: Eleanor & Park | Hanser Literaturverlage | 363 Seiten | 978-3-446-24740-6 | 16,90 Euro

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2 Kommentare

  • Antwort Nicole Wagner 17. September 2015 at 10:08

    Hallo Sandy,

    so wie du das Buch jetzt beschreibst, bin ich froh, dass es hier schon griffbereit liegt. „Traurig und bittersüß“ für jedes Alter – darauf kann sich wohl nur freuen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    • Antwort Sandy 17. September 2015 at 20:13

      Hallo Nicole,

      na dann bist du ja auf der sicheren Seite! :) Ich hoffe, das Buch gefällt dir auch.

      Viele Grüße,
      Sandy

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