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ChaosNotizen

{ChaosNotizen} Zeig mir deine Blogstimme und ich sag dir, wer du bist?

Neulich habe ich gelesen: Ein guter Blog hat ein Gesicht und eine Stimme. Wenn‘s geht, ist beides dann auch noch originell, hebt sich von anderen ab, hat Wiederkennungswert. Ganz ansehnlich darf es auch sein – also das Gesicht.

Da sitz ich nun auf meiner schöngrauen Couch mit den gestreiften Kissen – grau-weiß-khaki-hell-und-mittelblau-gestreift, wen es interessiert – und denke: Aha, Stimme braucht mein Blog also, wenn er erfolgreich sein soll. Ich muss aber zugeben, bei dieser Aussage tun sich so einige Fragezeichen in meinem Kopf auf.

Ich meine, klar, weiß ich, was damit gemeint ist – inhaltlich. Ich weiß ja selber auch, wen ich lesen kann und wen nicht. Das ist bei Büchern genau dasselbe. Da kann die Idee noch so toll, noch so originell sein – wenn die Stimme, die sie erzählt, nicht stimmt, komm ich nicht weit. Der Ton macht die Musik. Und der ist oft Geschmackssache.

Meine Fragezeichen kreisen um etwas anderes. Um die Frage nach meiner persönlichen Stimme natürlich. Wie ist die eigentlich? Wie klingt die? Von alten Kassettenaufnahmen aus Kindertagen weiß ich, wie sie sich anhört. Aber wie sie inhaltlich drauf ist? Gute Frage. Heute so, morgen so? Je nach Stimmung?

Ich habe gelernt, wie sie für bestimmte Texte klingen soll – und lerne es immer noch jeden Tag aufs Neue. Für Hausarbeiten im Studium zum Beispiel. Ich habe sogar das Gefühl, das Training damals hat sich richtig gelohnt, war so effektiv, dass ich davon nicht mehr loskomme. Nur noch, wenn ich sarkastisch schreibe.

Das Problem liegt aber vielleicht woanders. Wenn du nicht weißt, wie du klingst, weißt du wahrscheinlich nicht, wer du bist. Versuch es doch mal zu sagen, zu schreiben oder auch nur zu denken: Wer bist du eigentlich? Kannst du das beantworten, ohne deinen Namen und deinen Beruf zu nennen? Ohne dass diese beiden alles dominieren, was du bist?

Manche Menschen denken unentwegt über sich nach. Andere haben keine Ahnung, wer sie sind. Und das Schlimme ist, dass es viele davon auch gar nicht interessiert. Mich interessiert, wer ich bin. Ich will das wissen. Manchmal fürchte ich nur, je mehr Antworten ich nachjage, desto mehr Fragen tauchen auf. Aber ich habe ja ein Leben lang Zeit für meine Suche.

Mein Gesicht, das seht ihr da oben rechts in der Sidebar. Meine Blogstimme, die lest ihr in den Beiträgen auf dieser Seite. Wer ich bin? Das versuche ich noch herauszufinden.

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2 Kommentare

  • Antwort Henrik 2. Januar 2016 at 21:13

    Hey.

    Ein ziemlich seltsamer Gedanke. Ich meine, klar ist es nett, die Stimme zu kennen. Aber bei vielen habe ich sie auf der Messe kennengelernt. Noch nie hats mich interessiert. Schließlich kommuniziert man größtenteils auf Distanz, aus der Ferne. Die Sprache ist der Text. Ich telefoniere, skype und rede kaum mit anderen Menschen, Bloggern oder sonst wem.

    Das hat aber bisher keine Auswirkungen auf Erfolg oder sonst etwas gehabt.

    Chaosnotiz passt also. :D

    Liebe Grüße
    Henrik

    • Antwort Sandy 4. Januar 2016 at 9:32

      Hallo Henrik,

      vielen Dank für deinen Kommentar. :)
      „Stimme“ meint hier nicht unbedingt das Entstehen und Hören eines realen Tons, sondern eher den Tonus des Textes. Die Art und Weise etwas zu sagen. Darum: „Ich weiß, wie meine Stimme sich anhört“ – aber zu wissen, wie ich für andere klinge (also wie ich grundlegend „drauf bin“ – kritisch, verurteilend, sarkastisch, naiv … – was also für ein Mensch rüberkommt, wenn ich schreibe), das finde ich nicht sehr leicht zu bestimmen. Denn die Frage, wie du auf andere wirkst, bringt dich unweigerlich zu der Frage nach dem Menschen, der zu bist.
      Und was ist eigentlich, wenn ich eben von Natur aus keine „Schreibstimme“ habe, die Erfolg bringt. Soll ich die dann verändern? Das wäre dann doch auch nicht mehr authentisch.
      Fragen über Fragen. ;)

      Ich wünsche dir eine schöne Zeit!
      Sandy

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