Einfach Liebe von Tammara Webber
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{Rezension} Einfach. Liebe. von Tammara Webber

Jacqueline ist gerade von ihrem Freund verlassen worden. Um sie aus dem Tief zu holen, in dem sie seinetwegen seit zwei Wochen steckt, überredet ihre Freundin und Mitbewohnerin Erin sie, mit ihr zu einer College-Halloweenparty zu gegen. Als Jacqueline diese früher und ohne ihre Freundin verlässt, wird sie von einem Bekannten auf dem Parkplatz überfallen. Bevor dieser sie vergewaltigen kann, schreitet ein Fremder ein und rettet sie.

Danach versucht Jacqueline, ihr (Studien-)Leben wieder auf die Reihe zu bringen, das sie in ihrer Liebeskummerphase ziemlich vernachlässigt hat. In dem meisten Fächern klappt das ganz gut – nur nicht in ihrem Wirtschaftkurs, denn sie nur belegt hat, um ihn mit ihrem Freund – nun frischgebackener Ex – zu belegen. Ihr Dozent stellt ihr darum seinen Tutor an die Seite, mit dem sie fortan per E-Mail kommuniziert. Und auch ihr Retter Lucas begegnet ihr nun ziemlich oft und schleicht sich langsam in ihr Herz.

Rezension

Zum Valentinstag hatte ich Lust, ein bisschen im Kitsch zu schwelgen und zu schmöckern, also angelte ich mit dieses Buch aus der Onleihe. Ich wusste ja nicht, worauf ich mich da einlasse! Dass ich am Ende den ganzen Tag auf dem Sofa verbringen und es in einem Rutsch durchsuchten würde, damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Allerdings hätte es mir nach wenigen Seiten klar sein können.

Schon der Anfang war so unglaublich fesselnd und dramatisch, dass ich das Buch nicht hätte aus der Hand legen können, wenn draußen die Welt untergegangen wäre! Die Autorin geht gleich ans Eingemachte: Jacqueline lernen wir kennen, als sie von der Party kommt und zu ihrem Auto geht – quasi eine Minute bevor sie brutal überwältigt und fast vergewaltigt wird. Mit dem Wortlaut „bedrängt“ spielt der Klappentext des Buchs das, was hier passiert, unglaublich weit herunter. Das ist nichts für schwache Nerven und geht doch ziemlich weit. Ich habe mich echt gefragt, wo denn der versprochene Retter bleibt. Nach diesem krassen Einstieg für einen Liebesroman kann sicherlich kein Mensch das Buch aus der Hand legen.

Jacqueline ist eine tolle Protagonistin, die ich vom ersten Moment an sofort mochte. Ihre gerade erst gescheiterte Beziehung macht sie richtig fertig, trotzdem verliert sie weder ihren Humor noch ihren Ehrgeiz, beides Eigenschaften, die man sehr schnell an ihr bemerkt. Manchmal ist sie etwas naiv und ich habe mich hin und wieder gefragt, wieso sie nicht anders reagiert, aber diese Schwäche hat sie für mich nur realistischer gemacht.

Lucas, der Retter, ist – na klar, wie sollte es auch anders sein – ein echtes Sahnetörtchen. Yummy! Er ist aber nicht nur heiß (ja, das ist er wirklich), sondern auch noch ein Charakter, den man einfach supercool und liebenswert finden muss. So ganz ehrlich ist er von Anfang an nicht und irgendwann ist klar, dass er ein Geheimnis hat. Ich werde jetzt sicher nicht spoilern – aber es ist echt megashocking(!). Wenn man denkt: „Schlimmer geht’s nimmer!“, dann läuft Tammara Webber anscheinend grad erst warm … Ich bin immer noch ganz zerrüttet von dieser Story!

Das Bemerkenswerte war, dass die Autorin es auf so wenigen Seiten schafft, nicht nur die Protagonisten, sondern auch nahezu alle Nebenfiguren mit so komplexen Charakteren auszustatten, dass ich das Gefühl hatte, sie richtig gut zu kennen. Und das macht sie so geschickt, lässt immer wieder hier und da so gekonnt Informationen einfließen, dass man es fast nicht bemerkt.

Nicht nur die Charaktere sind komplex. Auch die Geschichte selbst ist es. Hier passiert einfach so unglaublich viel – eine Wendung nach der anderen – und wenn man glaubt, nun aber wirklich mal alles zu wissen oder vorhersagen zu können, dann schafft es die Autorin doch noch einmal, einen Twist einzubauen und zu überraschen. Dieser Geschichte ist vom ersten bis zum letzten Satz so perfekt durchkomponiert, wie ich es selten bei einem Buch dieses Genres gelesen habe.

Was ich auch unglaublich gut fand, war, dass die Thematik der Vergewaltigung nicht nur ein „Aufhängerthema“ war, um die Lovestory in Gang zu bringen. Sie ist zwar nicht permanent präsent – aber sie verliert ihre Bedeutung bis zum Schluss nicht. Außerdem wird damit absolut nicht oberflächlich umgegangen. Die Autorin zeigt vielmehr, was das noch immer für ein Tabuthema ist, wie von verschiedenen Interessengruppen versucht wird, es totzuschweigen, was es mit den Opfern macht und wie viel Mut es braucht, am Ende den Mund aufzumachen und sich zu wehren.

Fazit

Auch wenn der Titel (und das Buchcover) danach klingt: Einfach. Liebe. von Tammara Webber ist KEINE kitschig-leichte Liebesgeschichte. Dafür steckt hier viel zu viel Drama und anspruchsvolle Thematik zwischen den Buchdeckeln. Die Charaktere sind ebenso komplex wie die durchdachte Handlung und machen diese College-Geschichte zu einem Pageturner, den man einfach in einem Stück durchsuchten muss. Ich kann dieses großartige Buch gar nicht genug loben und kann euch nur raten: Wenn ihr auf Contemporary Romance steht, LEST dieses Buch auf der Stelle!

Bewertung

Tammara Webber: Einfach. Liebe. | Blanvalet Verlag | 978-3442382163 | Taschenbuch | 384 Seiten | 8,99 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort Phyllis 16. Februar 2016 at 16:19

    Hallo Sandy,
    ich habe soeben euren Blog entdeckt und bin absolut begeistert!
    Euer schlichtes und doch farbenfrohes Design und zusätzlich diese wunderbaren und so spannenden Rezensionen. Da möchte man sich am liebsten direkt auf jedes dieser Bücher stürzen!
    Liebste Grüße, Phyllis.
    http://zeilensehnsucht.blogspot.de/

    • Antwort Sandy 16. Februar 2016 at 16:29

      Hallo Phyllis,

      vielen Dank für das Lob. Nach vielen Design-Experimenten fühle ich mich mittlerweile mit dem Blog auch richtig wohl. Freut mich total, dass es dir hier auch gefällt! <3 Und dass du unsere Artikel magst, freut mich natürlich umso mehr. :)

      Liebe Grüße,
      Sandy

  • Antwort {Books about} 300+ romantische Bücher zum Valentinstag - Tintenmeer 14. Februar 2018 at 8:44

    […] Einfach. Liebe. (Tammara Webber) […]

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