Charly von Feyerabend ©CvF-Fotograf Joh. Roessler klein2
Plauderstündchen

Im Gespräch mit Autorin Charly von Feyerabend

Ihr Erstling „Ich glaub, mich knutscht ein Troll“ erschien im Sommer 2013 im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Ihr neues Werk „Tieffliegende Liebe“ kam nun Anfang März dieses Jahres heraus. Das Leben ihrer Protagonistinnen ist bewegt, sie scheuen sich nicht, alles zurückzulassen und einfach einen neuen Weg einzuschlagen – aber keine Sorge, an Humor fehlt es dabei wahrlich nicht! Heute im Gespräch: die Autorin Charly von Feyerabend.

 

Tintenmeer: Hey Charly, erzähl doch erst mal, wer du bist!

Charly: Wenn ich das mit einem Wort beschreiben sollte, würde ich wohl „chaotisch“ wählen. Das aber mit vollem Einsatz und mit einem Hang zum zerstreuten Professor … also Professorin. Ich mag Hunde, bunte Kleider, Hüte und gute Gespräche, bevorzuge Schokoladenkuchen und muss gestehen, zu viel Kaffee zu trinken.

Tintenmeer: Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass du auch Literaturwissenschaften studiert hast. Dazu Medienpädagogik und Texttechnologie. Die üblichen Fragen: Was hast du dir dabei gedacht?!

Charly: Mhmm, wenn man sich heute den Berufsmarkt anschaut, dann habe ich mir damals wohl wenig dabei gedacht, sondern einer Leidenschaft gefrönt. Ich hatte damals noch das Glück, freie Schwerpunkte setzen zu können und beschäftigte mich intensiv mit Theater, Film und pädagogisch wertvolle Lerninhalte für Kids.

Tintenmeer: Du bist beruflich schon ein bisschen rumgekommen. Warst in Rastatt bei Bussi Bär und sogar 5 Jahre in Norwegen? Wo war es am schönsten?

Charly: Am schönsten ist es immer da, wo die Sonne lacht, was bei einem Regentag auch in deinem Herzen sein kann … lach – nee, Quatsch. Heimat ist für mich Baden, ich brauche Natur um mich rum, finde aber Berlin durchaus lebenswert. Bräuchte halt noch ein paar Schwarzwaldtannen. Und Norwegen war großartig – jederzeit wieder!

Tintenmeer: Warum gings dann nach Berlin? Hier spielt ja auch dein neues Buch „Tieffliegende Liebe“.

Charly: Berlin ist ja der Schmelztiegel in Deutschland und zieht so ziemlich alles an, was „Kultur“ gerade mal buchstabieren kann. Eine kribbelnde, sich bewegende Masse, voller Energie – fünf Minuten in einem Berliner Café und man hat drei neue Einfälle für weitere Bücher! Das hat mich durchaus gereizt und tröstet etwas über die fehlenden Tannen hinweg.

Tintenmeer: Wieso heißt dein neues Buch eigentlich „Tieffliegende Liebe“?

Charly: Der Titel war tatsächlich auch mein Arbeitstitel und wurde vom Verlag übernommen – wie ich darauf kam? Es handelt sich um einen amüsanten Roman, der meine Protagonistin Fritzi (die von Mode selbst keinen Plan hat, sie liest lieber Comics als Modezeitschriften) in die Modewelt Berlins schmeißt. Er spielt mit schicksalshaften Verwechslungen, bunten Fettnäpfchen, den Problemen und Wirrungen mit Kindern, streut Brisen von Liebeleien ein und davon fliegen manche doch ganz schön tief!

Tintenmeer: Schon in deinem ersten Buch „Ich glaub, mich knutscht ein Troll“ (ersch. bei Schwarzkopf & Schwarzkopf) geht es darum, Altes hinter sich zu lassen und ein neues Leben anzufangen. Ist das „dein“ Thema?

Charly: Ich denke, dass Aufbruch und neue Wege beschreiten klassische Themen der Literatur sind. Hab ich schon als Studentin in der „Heldenreise“ gelernt. Ohne Konflikte keine Geschichte und ein Sesselpupser vor der Glotze erlebt nicht unbedingt Abenteuer.

Tintenmeer: Ich fand deine Protagonistin Fritzi ja echt crazy. Wie viel Fritzi steckt in dir?

Charly: Uiui … Ein bisschen definitiv :)

Tintenmeer: Eines an Fritzi hat mir allerdings nicht so gut gefallen. Sie ist dem Alkohol doch sehr zugetan. Warum hat sie diese Schwäche? Und warum hat das für sie so gar keine Konsequenzen?

Charly: Eine Figur braucht neben den Stärken auch Schwächen, sie soll ja authentisch rüberkommen und ein verkaterter Kopf und daraus resultierende Verplantheit sind ja eine Folge daraus. Ich verstehe mich als Autorin bei meinen Romanen als Unterhaltungs-Gestalterin und nicht als Richterin. Außerdem sollten sich Figuren weiterentwickeln können, der zweite Band ist in Arbeit, lass dich überraschen.

Tintenmeer: Mir ist aufgefallen, dass sehr viele verschiedene Themen und Aspekte deine Geschichte unterfüttert haben – auch wenn vieles nur angerissen wird. Planst du deine Geschichten von A bis Z richtig durch oder fließen die Ideen ganz kreativ im work-in-progress ein?

Charly: Beides. Nächste Frage. Grins. Puuh, das ist sehr komplex, ich habe am Anfang eine sehr klare Vorstellung der Rahmenhandlung, doch ploppen beim Schreiben durchaus neue Figuren auf, manche versuchen sogar, andere zu verdrängen und aus einer klitzekleinen Nebenbemerkung können durchaus mehrere Kapitel entstehen. Allerdings baue ich für meine Figuren im Vorfeld richtige Biografien mit allem drum und dran, woraus manchmal ein Detail sichtbar werden kann, vieles jedoch auch nicht. Wenn du auf eine Party gehst und jemanden kennenlernst, dann nimmst du auch nur Details wahr. Doch ist jeder Mensch ein Gesamtpaket seiner ganz eigenen Vergangenheit, die das Handeln im Jetzt beeinflusst. So ist das auch mit den erfundenen Figuren. Vielleicht hat eine Figur Ballett getanzt, was man nie erfährt, aber sie steht stets grazil mit durchgestrecktem Rücken rum.

Tintenmeer: Wie lange arbeitest du an einem Buch – und wie lange schreibst du daran?

Charly: Unterschiedlich – abhängig von den Recherchen! Bei dem aktuellen Buch hatte ich den Erstkontakt zum Thema noch in Norwegen. Ich telefonierte mit einer Stylistin und war sofort von dem abwechslungsreichen Beruf angetan. Viele Bilder ploppten in meinem Kopf auf. Da ich selbst eher Mode-Laie bin, war hier Recherche vonnöten, Kontakte zu Designern, Fotografen, weiteren Stylisten, zur Fashion Week etc. Also konkret – von der ersten Idee zum fertigen Buch waren es 4 Jahre. Lach … Allerdings nicht ausschließlich nur das eine Projekt …

Tintenmeer: Wenn du plötzlich keine Autorin mehr sein könntest – gibt es etwas, das diese Leidenschaft ersetzen könnte?

Charly: Schluck. Hmmm … Bilder malen? Illustrieren? Musik? Landschaftsgärtnerei? Zum Mars fliegen und unterwegs neue Welten entdecken? Aber richtig ersetzen könnten die andere Dinge das nicht.

Tintenmeer: Last but not least: Welches ist dein Lieblingsbuch, dein All-Time-Favorite, und warum? Wem würdest du es empfehlen?

Charly: Stelle einem Autoren nie diese Frage …  Nee … Selbst wenn ich ein Stück Schokokuchen bekäme, darauf kann es keine Antwort geben. Von Aristoteles, Sartre, Kafka über Hesse, Lindgren, Jandl, zu Oskar Maria Graf und Herr der Ringe – zu viele! Zu viele Helden, zu viele schöne Geschichte, zu viel Lachen und zu viel verdrückte Tränchen …

Tintenmeer: Vielen Dank für das Gespräch, liebe Charly.

Infos zum Buch

tieffliegende LiebeFritze ist Grafikerin und richtig gut in ihrem Beruf. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin, die eher durch andere Reize glänzt. Umso ungläubiger ist Fritzi, als ausgerechnet ihr aufgrund von Sparmaßnahmen gekündigt wird. Diese berufliche Bruchlandung ist rund genug, erstmal die Flucht zu ergreifen. Denn auch in Liebesdingen ist momentan kein Happy End in Sicht. So verschlägt es sie nach Berlin zu ihrer alten Schulfreundin Anna. Diese ist gerade dabei, sich einen Stand als freiberufliche Stylistin aufzubauen und muss auch noch einen Mann und zwei Kinder unter einen Hut bringen. Als Anna einen Unfall hat, bleibt das ganze Stylistin-Mutti-Chaos an Fritze hängen – und das obwohl sie weder Ahnung von Kindern noch von Mode hat.

Charly von Feyerabend: Tieffliegende Liebe | 340 Seiten | Montlake Romance | ISBN 978-1503935327 | 9,99 Euro (TB) | 4,99 Euro (E-Book)

Homepage: Tieffliegendes Berlin

Autorfoto: ©CvF-Fotograf Joh. Roessler

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2 Kommentare

  • Antwort Janine2610 6. April 2016 at 22:51

    Hallo liebe Sandy,

    ich habe Charly von Feyerabends “Tieffliegende Liebe” vor ein paar Tagen gelesen und heute auf meinem Blog rezensiert. Als ich dann auf der Suche nach Interviews mit der Autorin war, bin ich glücklicherweise auf eure Seite gestoßen. Ich habe dein Interview in meiner Rezension bei der Autoreninformation verlinkt und hoffe, dass es okay für dich ist? Falls nicht, sag mir einfach kurz Bescheid, dann lösche ich es wieder raus, ja? :) Hier ist der Link: http://janine2610.blogspot.co.at/2016/04/rezension-tieffliegende-liebe-charly.html

    Alles Liebe,
    Janine

    • Antwort Sandy 6. April 2016 at 22:53

      Hallo Janine,

      da hast du ja Glück gehabt. Ich hab das Interview gestern erst online gestellt. :) Danke fürs Verlinken – das ist natürlich erlaubt.

      Liebe Grüße,
      Sandy

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