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{Rezension} Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen von Angela Mohr

**** Manchmal ist das Glück nur einen Kuss entfernt **** Nik rennt vor seinen Schulden davon. Aino vor ihrer Schuld. Nik ist fasziniert von diesem Mädchen mit der zerbrechlichen Stimme – und fassungslos. Denn Aino will ins Kloster und schweigen, für immer. Gestrandet im Nirgendwo schließen die beiden einen Pakt: Aino verpfeift Nik nicht, der in Dauerschwierigkeiten steckt. Und Nik zeigt Aino, was sie auf dieser Welt verpasst. Für 48 Stunden steigen die beiden aus ihrem Leben aus. Aber wie beweist man jemandem, wie schön diese Welt ist – mit einem Banküberfall, einem Besuch in einem Sex-Shop oder einer Nacht im Wald? Sicher ist nur: Das Leben hat für die beiden einen ganz anderen Plan … (Klappentext)

Rezension

Puh und wow und oh Gott, was war das für ein Buch! o.O Es hat mich am Ende sprachlos gemacht. Ich wusste nicht, wohin mit meinen Gefühlen und musste alles erstmal sacken lassen. Aber von vorn …

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive zweier Charaktere erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nik, ein Junge, mit einer ordentlichen Prise krimineller Energie, hat mich sofort an seine Seite geholt. Ich war ab dem ersten Satz als unsichtbarer Zuschauer direkt neben ihm bzw. als heimlicher Gast direkt in seinem Kopf. Apropos Gast: Er kommuniziert immer wieder mit einem „Captain“, der in seinem Kopf sitzt, und es ist an den Lesern, sich zu überlegen, was es mit ihm auf sich hat. Es ist auf jeden Fall eine interessante und besondere Idee. Ebenfalls genial war, wie Nik uns Leser direkt angesprochen hat. Ich mag seine Umgangssprache und seine ganz eigene Sicht der Dinge. Ein Beispiel:

Ich renne die Rolltreppe runter, rempele an Menschen vorbei, höre, wie jemand etwas hinter mir herruft. Ich kann keine Rücksicht nehmen. Jemand ist hinter mir her, Leute, denke ich, vielleicht will er mich umbringen, also einfach mal die Fresse halten. Menschen, die keine Ahnung haben, stehen einem ständig irgendwo im Weg rum. Und die meisten Menschen haben keine Ahnung. (Nik, S. 8)

Das hat mich sofort in die Story reingezogen und mich verzaubert. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass Nik ein ausgedachter Charakter ist, er ist durch und durch ECHT.

Genau so wie Aino, die wir gleich darauf kennenlernen. Sie ist ein schweigsames, etwas merkwürdiges und in sich gekehrtes Mädchen. Warum, erfahren wir im Laufe der Geschichte. Ihre Kapitel sind zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, denn sie denkt sehr sprunghaft in kurzen, abgehackten Sätzen und rhetorischen Fragen, baut außerdem eine kryptische „Altaikrieger-Geschichte“ ein und auch noch jede Menge Fakten über Sprachen und Gesänge. Darauf muss man sich erstmal einlassen. Aber ich mochte das. Wie sage ich immer? Lieber besonders und schräg, als langweilig und Mainstream. Außerdem schürt dieses spezielle Art des Erzählens die Spannung und ich wollte unbedingt wissen, warum Aino so hartnäckig schweigt …

Ich bin allein. Wir sind alle allein, jeder für sich: kalte Meteoriten, die durch ein kaltes Universum taumeln. Wir suchen und suchen und suchen nach einem Sinn in dem Ganzen, aber die Wahrheit ist: Es gibt keinen Sinn. (Aino, S. 209)

 

Rezension | Zwei Tage zwei Nächte | Wahrheit | Seifenblasen | Angela mohr | Roadtrip | Romance | Abenteuer |Liebe | Sommer | Arena Verlag | Jugendbuch | tintenmeer.deDie Story ist ebenso speziell wie die Charaktere. Wer hier aufgrund des Covers ein fluffig-sommerliches Roadtrip-Romance-Jugendbuch erwartet, könnte eventuell enttäuscht werden. Und das meine ich absolut positiv, denn in der Geschichte steckt so viel mehr. Sie ist meilenweit davon entfernt, gewöhnlich zu sein! Ich hätte es bei der Autorin eigentlich wissen müssen. Schließlich schreibt Angela Mohr immer besondere Bücher zu besonderen Themen. Kein Mainstream weit und breit, nicht mal, wenn man das Fernrohr rausholt. :)

Nik und Aino erleben also ihr ganz eigenes Roadtrip-Abenteuer mit allem drum und dran: Diebstahl, Besuch im Sexshop, Übernachtung im Wald und Motorrad-Spritztour inklusive. Dabei haben aber beide Charaktere ihr Päckchen zu tragen, das immer wieder angedeutet, aber erst sehr spät aufgelöst wird. Schlecht für uns Neugierige, aber gut für die Spannung. :) So wollte ich immer weiter lesen … Es gibt eigentlich keine großen Überraschungen und doch ist der Weg dorthin eine einzige große Überraschung. Man weiß nie, was als Nächstes passiert, und blättert deshalb rasend schnell durch die Seiten …

Angela Mohrs Schreibstil hat dabei eine ganz eigene Melodie, bei der kein Wort fehl am Platz ist. Ich habe ja auch schon gesagt, dass er besonders ist. Genau wie das ganze Buch. Aber Moment, besonders reicht hier gar nicht aus. Besonders hoch 10, hoch 20! Vor allem das Ende hat mich (wie passend) sprachlos gemacht. Ich war danach echt fertig, weil die Worte mich beeindruckt und sich in meine Gehirnwindungen gebrannt haben. Dabei fordert das Buch einiges vom Leser – traut ihm aber auch einiges zu. Ihr solltet am besten euren Kopf ausschalten und auf euer Herz hören.

Es passiert mir wirklich selten, dass mir so ein tief empfundenes Buch unterkommt, das mein Herz zum Rasen bringt, mich nachdenklich macht und zu Tränen rührt. Ich habe das Gefühl, dass die Geschichte GENAU SO niedergeschrieben werden musste. Und das finde ich von der Autorin absolut mutig, denn so gefällt die spezielle Geschichte nicht jedem Leser und man muss sich darauf einlassen. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass Angela Mohr hoffentlich nie aufhören wird, zu schreiben, denn DAS ist Literatur und genau aus diesem Grund lese ich – um solche Geschichten zu entdecken! <3

Irgendwann fange ich an zu lachen und bekomme kaum mehr Luft, weil der Rucksack schwer an meinen Schultern zieht. Und Aino lacht mit, ich höre ein Glucksen von ihr, und auch wenn sie nicht lauthals schreit, so lacht sie doch wenigstens, und das ist das schönste Geräusch, das ich jemals gehört habe, das schönste, das es wahrscheinlich gibt in dieser monströs lauten Welt. Und auch wenn ich mir wünschen würde, dass sie schreit, dass sie singt und laut lacht und nicht nur gluckst, höre ich nicht auf zu rennen, ihre Hand in meiner, wo sie so genau hinpasst, als hätte sie schon immer dorthin gehört.

– Angela Mohr: Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen, S. 137f.

Fazit

Diese Geschichte ist perfekt in ihrer Unperfektheit und fernab von Klischees. Berührend, ehrlich mit Ecken und Kanten. Ein mutiges Jugendbuch in jeder Hinsicht: Schreibstil, Charaktere und Handlung sind etwas ganz Besonderes und haben mich nachhaltig beeindruckt. Ich war am Ende wie die Protagonistin erstmal sprachlos. Unbedingt lesen, wenn ihr Jugendbücher mögt, die besonders sind – besonders hoch 10!

Oder, um es frei nach Ainos Worten zu sagen:

Worte sind Waffen.
Sie können verletzen. Verführen. Verändern.
Trilliarden von Worten in meinem Kopf.
Ich bin sprachlos.
Kann man auch schreiblos sein?
Ich denke so viel.
Ich will nicht denken.
Nur fühlen.

Bewertung

Angela Mohr: Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über SeifenblasenArena Verlag | 312 Seiten | 978-3401601229 | 12,99 Euro

Vielen Dank an den Arena Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars und Angela Mohr für die Begleitung der Leserunde auf lovelybooks! :)

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9 Kommentare

  • Antwort Elizzy 2. August 2016 at 13:42

    Wow eine wirklich tolle Rezension! Das Buch kommt definitiv auf meine Wunschliste!

    Wünsche dir einen schönen Tag!

    • Antwort Kristina 2. August 2016 at 15:51

      Hey, danke dir! Freut mich zu hören. ^^ Und umso schöner, dass du das Buch auf deine WuLi gepackt hast. :)

      Dir auch (bei uns regnet es allerdings -.-)!

  • Antwort Buchstabenträumerin 2. August 2016 at 21:34

    Liebe Kristina,
    ach was ärgere ich mich gerade, dass ich das Buch gestern nicht gekauft habe! Davon abgebracht hatte mich die Befürchtung, es könne ein „fluffig-sommerliches Roadtrip-Romance-Jugendbuch“ sein… ;-) Hmpf. Vielleicht hole ich es mir morgen :-)
    Liebe Grüße,
    Anna

    • Antwort Kristina 3. August 2016 at 18:10

      Hallo liebe Anna,

      Mensch, das war ja dann schlechtes Timing! :D Da kann ich dich wirklich beruhigen wie ja in der Rezi steht. Greif zu, wenn du das nächste Mal davor stehst. ;)

      Ganz ganz liebe Grüße zurück!

      Kristina

  • Antwort Cindy von Kumos Buchwolke 17. August 2016 at 8:39

    Hallo Kristina

    was für eine Rezension, ich hab das Buch auf Damaris Wunschliste entdeckt und dachte auch,an einen sommerlich fluffigen Roadtrip Jugendromance. Da scheint echt mehr da hinter zu stecken. Also ich pack ihn auf die Wunschliste. Dankeschön. :)
    Liebe Grüße Cindy

    • Antwort Kristina 29. August 2016 at 20:41

      Hallo Cindy,

      bei dem Buch freut es mich besonders, wenn es auf deine Wunschliste wandert, denn es ist so ein wundervoller kleiner Schatz. Sehr speziell und doch gerade deswegen in meinem Kopf und Herzen geblieben… <3

      Liebe Grüße zurück!

  • Antwort Franzy 25. April 2017 at 9:45

    Hallo Kristina!

    Ich bin gerade dabei meine Rezensionen mit anderen Meinungen von Bloggern auszustatten und deren Rezensionen zu verlinken. Unter anderem habe ich auch deine Rezension dafür gewählt.

    Den Post mit deiner Verlinkung findest du HIER

    Solltest du das nicht wollen, dann melde dich einfach bei mir und ich entferne deinen Namen und den Link umgehend :-)

    Liebe Grüße,
    Franzy

    • Antwort Kristina 25. April 2017 at 12:36

      Hallo Franzy!

      Vielen lieben Dank für deine Verlinkung, ich fühle mich geehrt und du darfst sie selbstverständlich gerne so lassen. <3 Ich freue mich! :)

      Viele liebe Grüße zurück!

      Kristina (die gleich mal in deiner Rezi stöbern geht ^^)

  • Antwort {Books about} 300+ romantische Bücher zum Valentinstag - Tintenmeer 14. Februar 2018 at 15:18

    […] Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen (Angela Mohr) […]

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