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{Rezension} Wahrheit schmeckt wie Mokkatorte von Christina Michels

Was wahr ist, wird man wohl noch sagen dürfen – nach diesem Motto lebt Rinnie und schafft sich damit nicht nur Freunde. Doch jetzt ertappt sie sich dabei, wie sie den Leuten eine Lüge nach der anderen auftischt. Allen voran Christian, der ihretwegen im Krankenhaus liegt und vielleicht nie wieder gesund wird. Aber wie soll sie ihm die Wahrheit sagen, wenn das bedeuten würde, ihn für immer zu verlieren? (Klappentext)

Rezension

Den wundervollen Magellan Verlag beobachte ich ja schon lange. Genauer gesagt, seitdem er gegründet wurde, und es sind schon so einige tolle Bücher erschienen, die direkt auf meinem SUB gelandet sind. Ich habe dann einfach beim Verlag nach einem Rezensionsexemplar gefragt und tadaaa, von der „Mokkatorte“ war noch ein Exemplar für mich übrig. :) Nach dem Auspacken habe ich mich sofort in das absolut zauberhafte und zuckersüße Cover verliebt und MUSSTE einfach ein Foto davon machen. <3 In „echt“ kommt es mit dem Relief und Spotlack erst richtig zur Geltung – ein absolutes Schmuckstück in meinem Regal!

Gleich zu Anfang fiel mir der extrem lockere Schreibstil auf, der auch einige ungewohnte „jugendliche“ Wörter enthält. Dadurch lässt sich die Geschichte schnell lesen und man taucht direkt in die Gedanken der Protagonistin Rinnie ein. Ich denke, für jüngere Leser so um die 14 Jahre (wie vom Verlag angegeben) ist es genau richtig. Für mich war es, obwohl ich sehr gerne Jugendbücher lese, etwas zu jugendlich gehalten. Dafür fühlte ich mich doch stellenweise schon zu alt. :D

Die Story strotzt nur so vor Dialogen und ich musste mich ein bisschen daran gewöhnen, dass sie so zahlreich vorkommen. Aber sie bringen auch ordentlich Wind und Lebendigkeit in die Geschichte. Außerdem sind mir die vielen „Ein-Wort-Sätze“ aufgefallen, die mir nicht so zugesagt haben, da sie zu häufig eingesetzt wurden. Wahrscheinlich ist das Geschmackssache.

Gleich am Anfang passiert das schlimme Ereignis, das Rinnie dazu zwingt, fortan zu lügen. Ich mag euch nicht zu viel dazu verraten, um euch nichts vorweg zu nehmen, aber ich fand die Situation gut gewählt und auch realistisch. Von da an ergibt sich eine Ereigniskette, die Rinnie dazu bringt, Freunde und Familie anzulügen. Rinnies Gewissensbisse während ihrer „Scharade“ machen sie sympathisch und sie reitet sich durch ihre unbedachten Äußerungen und Reaktionen immer tiefer hinein. Das Lügengeflecht wird dichter und zum Ende hin immer dramatischer. Das hat mir gut gefallen.

wahrheit-mokkatorte-cover

Christian, in den sich Rinnie verguckt, ist ein interessanter Charakter, der genug Tiefe besitzt. Vroni, Rinnies beste Freundin, ist dagegen sehr gewöhnungsbedürftig. Oberflächlich, arrogant und ignorant. Das hat stellenweise etwas genervt und man fragt sich irgendwann, warum Rinnie das mit sich machen lässt und ihr nicht mal die Meinung geigt. Dafür war Rinnies Mom eine Klasse für sich! Ich mochte sie sehr, sie hat Humor und versucht oft, mit Rinnie zu reden und zu ihr durchzudringen. Auch war sie immer verständnisvoll und wirklich an ihrer Tochter interessiert. Liest man so auch nicht oft in einem Jugendbuch, da sind die Eltern nämlich oft abwesend (warum auch immer ^^) …

Kommen wir zu meinem größten Kritikpunkt: Die Protagonistin selbst. Rinnie bietet für jüngere Leser Identifikationspotenzial und das ist auch gut so. Nur leider benimmt sie sich fast die ganze Zeit wie ein Elefant im Porzellanladen. Das passt zur Story – das ist mir klar, aber es ging mir doch nach einiger Zeit auf die Nerven. Sie ist verplant, naiv, kindisch und bringt in fast jedem Satz einen lustigen Spruch, einen witzigen Vergleich oder einen sarkastischen Kommentar unter. Das war meist unterhaltsam, aber auch manchmal zu viel des Guten. Weniger wäre mehr gewesen und ich hätte Rinnie gern ab und zu kräftig geschüttelt … Diese leichte Überdrehtheit zieht sich durch die ganze Story. Anderen kann aber genau dieser Humor gefallen (und hat er anscheinend auch, den Rezensionen nach zu urteilen). Tja, ihr merkt es schon  – es ist ein spezielles Buch. ;)

Eine ganze Weile plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne dass groß etwas passiert, bis auf die Annäherung von Rinnie und Christian. Ich hatte mir dank der Rezensionen und der Vorstellung im Katalog des Verlages etwas mehr Krimianteil erwartet. Ich hatte gehofft, dass Rinnie irgendwann anfängt, richtig zu ermitteln und nach dem Täter zu suchen. Dies geschieht nicht wirklich. Sie suhlt sich lieber in ihrem Unglück. *seufz*

Die Spannung wurde dann im letzten Drittel erhöht. Ungereimtheiten und Andeutungen häufen sich und das fand ich toll! Ich habe ein bisschen mitgerätselt, wenn auch nicht so viel, wie erhofft. Das Buch hat mich ab da aber gepackt und ich habe die letzten Seiten ziemlich schnell verschlungen! Die Ereignisse werden eines nach dem anderen aufgearbeitet und die Geschichte wird zu einem zufriedenstellenden Abschluss gebracht. Alle gesponnenen Fäden lösen sich auf – ein gelungenes Ende! Übrigens: Wegen der tollen Botschaft würde ich das Buch auch meiner Tochter in die Hand drücken, wenn sie alt genug ist. ;)

Fazit

Eine nachvollziehbare Geschichte wird rund um eine Notlügen-Unfall-Situation gesponnen. Diese spitzt sich immer mehr zu und zieht weitere Lügen nach sich. Mit der Protagonistin konnte ich mich nicht richtig anfreunden, aber vor allem jüngere Leser werden sich mit ihr identifizieren. Für sie bietet das Buch eine wichtige Botschaft, die sich mehr Menschen zu Herzen nehmen sollten: Sage die Wahrheit, auch wenn sie unangenehm und manchmal beängstigend ist. Denn die Menschen um dich herum verdienen sie.

Bewertung

 

Christina Michels: Wahrheit schmeckt wie Mokkatorte | Magellan Verlag | 304 Seiten | 978-3734856037 | 16,95 Euro

Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar!

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1 Kommentar

  • Antwort {Lese-Logbuch} Kristinas September 2016 - Tintenmeer 20. November 2016 at 7:01

    […] allem vom Schreibstil her. Aber sehr humorvoll und umgesetzt. Für Details verweise ich auf meine Rezension. ;) Ich möchte gerne noch mehr Bücher dieses engagierten und sympathischen Verlages lesen. Hier […]

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