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Try a Chapter – Horror-Thriller-Edition

Auf meine Wunschliste oder meinen SuB kommt schon seit langer Zeit mehr kein Buch, das den Leseproben-Test nicht besteht. Spontankäufe kommen mir nur noch äußerst selten in die Tüte, denn zu oft wurde ich enttäuscht, weil die Covergestaltung und/oder der Klappentext mehr versprachen, als das Buch halten konnte. Und ich bin inzwischen leider auch ziemlich kritisch geworden, was den Schreibstil angeht. Ihr Vielleser da draußen versteht sicher ganz genau, was ich meine. 

Da kommt mir die Idee des Try-a-chapter-TAGs natürlich gerade recht, wobei ich das Ganze nicht als TAG weitergeben werde. Wer sich davon angesprochen fühlt, macht einfach mit. ;) Aufgabe ist es, das erste Kapitel eines Buches zu lesen und seinen Eindruck davon zu beschreiben. Da es auf Halloween zugeht, wird mein erster Try-a-Chapter-Artikel die Horror-Thriller-Edition. Los gehts!

Buchcover So ruhet in Frieden Lindqvist

So ruhet in Frieden von John Ajvide Lindqvist 

„Es glich einem umgekehrten Stromausfall; seit zirka neun Uhr konnten keine Lampen mehr ausgeschaltet, keine elektrischen Maschinen ausgestellt werden.“

Stockholm, 13. August 2002: Nach einer extremen Hitzewelle legt sich ein elektrisches Feld über die Stadt. Lampen können nicht mehr gelöscht, Geräte nicht mehr ausgeschaltet werden. Die Menschen leiden unter mörderischen Kopfschmerzen, ein Chaos droht. Doch plötzlich ist alles wieder vorbei. Oder doch nicht? Irgendetwas ist anders als vorher. Als der pensionierte Journalist Gustav Mahler einen Anruf aus dem nahegelegenen Krankenhaus bekommt, will er nicht glauben, was man ihm berichtet: Die Toten wandeln umher … (Klappentext)

Nach einem kurzen, kryptischen Zitat, aus dem der Prolog besteht, lernen wir Henning im ersten Kapitel kennen. Ich denke irgendwie nicht, dass er in der weiteren Geschichte eine große Rolle spielen wird. Er steht für uns stellvertretend für alle Menschen in der Region, die im Moment unter einem merkwürdigen Phänomen leiden. Seit dem frühen Abend, genauer 9 Uhr, nimmt die elektrische Spannung zu. Das bewirkt zunehmende Kopfschmerzen und dass Geräte nicht mehr ausgeschaltet werden können. Das macht das Setting auch sehr unheimlich. Es ist laut und wird immer heller. Überall tuckern die Autos, schallen Sirenen, die Lichter werden stärker, pulsieren einem Höhepunkt entgegen. Man wartet auf den Knall, genauso wie Henning. Aber er kommt nicht. Das Kapitel endet in einer ruhigen Dunkelheit, die dennoch merkwürdig bleibt. Denn Henning beobachtet, wie eine kleine Larve in einen Grabstein kriecht. Aber das tangiert ihn nicht. Was ich interessant fand, war, dass dieses ganze Phänomen nur etwa zwei Stunden andauert. Ein Detail, das ich fast übersehen hätte. 

Bei diesem Anfang konfrontiert uns der Autor mit einigen Merkwürdigkeiten, ausgeschmückt mit manch wenig relevantem Detail. Das habe ich schon oft bei skandinavischen Thrillern bemerkt, ebenso wie Alkohol und Drogen, die in diesen Büchern allgegenwärtig zu sein scheinen. Das nervt mich ehrlich gesagt schon wieder, obwohl die Idee wirklich spannend klingt. 

Buchcover Das Institut Stephen King

Das Institut von Stephen King

„Tim kam an einem Lebensmittelladen vorüber, einem Drugstore, einem Laden, wo es anscheinend so ziemlich alles gab, und zwei oder drei Frisörsalons.“

In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Sie befinden sich im Vorderbau des Instituts. Luke erfährt, dass andere vor ihnen nach einer Testreihe im »Hinterbau« verschwanden. Und nie zurückkehrten. Je mehr von Lukes neuen Freunden ausquartiert werden, desto verzweifelter wird sein Gedanke an Flucht, damit er Hilfe holen kann. Noch nie zuvor ist jemand aus dem streng abgeschirmten Institut entkommen. (Klappentext)

Das erste Kapitel dieses Buches ist mit vier Seiten extrem kurz und extrem belanglos. Wir lernen Tim Jamieson kennen, aber mehr als seinen Namen erfahren wir nicht. Er sitzt im Flieger Richtung New York und ist derjenige, der seinen Platz freiwillig aufgibt, damit ein FBI-Beamter einen Platz bekommt. Wieso, weshalb, warum? Gute Frage, auch darüber erfahren wir nichts. Ganz ehrlich, auch wenn es nur wenige Seiten sind, habe ich mich gefragt, wie man nur so langweilig in eine Geschichte einsteigen kann. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das irgendwer interessant findet. 

Dennoch habe ich weitergelesen, auch wenn Try a Chapter eigentlich nur ein Kapitel vorsieht. Leider wird es aber in den drei (!) folgenden, ebenfalls kurzen Kapiteln nicht besser. Wir begleiten Tim ein Stück des Weges nach News York. Er hat sich dazu entschlossen zu trampen und gibt King offenbar damit die Möglichkeit, seine Leser mit noch mehr Belanglosigkeiten zuzutexten. Wenn es darum geht, zu zeigen, dass wir hier einem völlig unbesonderen Menschen durch eine völlig belanglose Welt folgen, macht King das großartig. Aber ganz ehrlich? Ich bin nicht sicher, ob ich meine Lebenszeit wirklich an einen Thriller verschwenden möchte, den versucht, seinen Reiz aus so einer Reizarmut zu ziehen.

Buchcover Elm Haven Dan Simmons

Elm Haven von Dan Simmons

„Unerschütterlich ragte die Old Central School mitten in Elm Haven auf, ein riesiger Bau, von Stille und Geheimnissen erfüllt. Durch die wenigen Sonnenstrahlen, die hineingelangten, schwebte der Kreidestaub von vierundachtzig Jahren, und von den dunklen Treppen und Böden stiegen Erinnerungen aus den Lackschichten auf, die die stehende Luft mit dem Mahagonigeruch von Särgen versetzten.“

Es ist der Sommer 1960. Die schwüle Hitze macht allen in Elm Haven, Illinois, schwer zu schaffen, und die Tage fließen träge dahin. Für die fünf Freunde Mike, Duane, Dale, Harlen und Kevin wird diese Zeit zum Sommer ihres Lebens, dessen Ereignisse ein unzerstörbares Band der Freundschaft und des geteilten Grauens zwischen ihnen schmieden werden. Denn noch ahnen sie nicht, was im Keller ihrer Schule lauert. Noch liegt Elm Haven friedlich in der Sommerhitze … (Klappentext)

Der in diesem Jahr erst erschienene Sammelband enthält die beiden Thriller „Sommer der Nacht“ und „Im Auge des Winters“ von Dan Simmons, die schon länger auf meiner „Interessante Bücher“-Liste stehen. Denn wer auf der Suche nach guten Horrorbüchern ist, stolpert über kurz oder lang hierüber – gerne im Vergleich mit Stephen Kings „Es“, da es sich hierbei auch um eine Art Coming-of-Age-Geschichte handelt. Aber genug der Vorrede.

Laut Klappentext geht es um die fünf Freunde Mike, Duane, Dale, Harlen und Kevin, die den Sommer ihres Lebens und ein unheimliches Grauen erleben werden. Dieses lauert im Keller ihrer Schule, die im ersten Kapitel im Mittelpunkt steht. Dass Simmons ein grandioser Erzähler ist, wird schon nach wenigen Sätzen deutlich. Er schreibt zum Teil sehr ausladend und anspruchsvoll, dadurch aber auch wahnsinnig bildhaft. Obwohl wir inhaltlich nur einen kurzen Abriss zur Geschichte und zum Aussehen des Gebäudes erhalten, schafft die Beschreibung dieser „architektonischen Monstrosität“ sofort eine schaurig-schöne Atmosphäre. So und nicht anders müssen unheimliche Thriller beginnen. Ich habe sofort Lust weiterzulesen. 

Buchcover Kill Creek Scott Thomas

Kill Creek von Scott Thomas

„Was wohl in den langen, dunklen Winternächten in jenem Haus vor sich ging, wenn der Wind durch den kahlen Wald fegte und an den Fensterläden rüttelte?“

Am Ende einer langen Straße mitten im ländlichen Kansas liegt einsam und verlassen das Finch House. Es ist berüchtigt, schließlich ereilte jeden seiner Bewohner einst ein grausames Schicksal. Könnte es eine bessere Kulisse geben, um die vier erfolgreichsten Horrorautoren der USA zu einem Interview zusammenzubringen und das ganze live im Internet zu streamen? Was als harmloser Publicity-Spaß beginnt, entwickelt sich schnell zum Albtraum für alle Beteiligten. Denn es kommen nicht nur die dunkelsten Geheimnisse der vier Schriftsteller ans Tageslicht, auch das Finch House selbst hütet ein dunkles Geheimnis. Aber anders als die vier Autoren möchte es dieses nicht für sich behalten. Und schon bald gibt es den ersten Todesfall … (Klappentext)

Eine weitere Geschichte um ein unheimliches Spukhaus? Klar, bin ich da dabei und der Beginn scheint schon einmal vielversprechend zu sein. Wir erfahren einige Details aus der traurigen und blutigen Vergangenheit des majestätischen Gebäudes an der einsamen Kill Creek Road in Kansas. (Schon allein beim Namen der Straße hätte ich mir ja zweimal überlegt, ob ich mein Häuschen hier wirklich bauen möchte.) Jedenfalls scheint diese Location perfekt zu sein, um ein paar Horrorautoren hier einzuquartieren und das Ganze online zu streamen – eine Idee, die einiges Potenzial bereit hält, finde ich. Einen davon – Sam – lernen wir im ersten Kapitel kennen. Passender Weise referiert er in einem Seminar über die Merkmale von Schauerliteratur. Ich bin schon sehr gespannt, wie diese in die Geschichte eingewoben sind und welche Geheimnisse die vier Autoren selbst verbergen. Der Schreibstil gefällt mir übrigens auch ziemlich gut – fesselnd, bildlich, aber nicht zu überbordend. Scott Thomas scheint ein toller Erzähler zu sein. Daumen hoch, diesen Thriller werde ich definitiv weiterlesen.

Buchcover Die schwarze Frau Simone St James

Die schwarze Frau von Simone St. James

Durch den dichten Nebel konnte sie einen langen schwarzen Rock erkennen, schmale Schultern, eine schmale Taille, einen dünnen schwarzen Schleier, der über dem Gesicht der Gestalt im Wind flatterte.

Vermont 1950. Idlewild Hall ist ein Ort für Mädchen, die keinen anderen Platz in der Gesellschaft haben. Abends erzählen sich die Schülerinnen Schauergeschichten von der schwarzen Mary. Doch als eines Nachts eine von ihnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird der Schrecken real. 2014 ist das Internat eine Ruine, aber die Journalistin Fiona Sheridan kann nicht von Idlewild Hall lassen: Hier wurde vor 20 Jahren ihre Schwester ermordet. Als man bei Renovierungsarbeiten eine weitere Mädchenleiche findet, beginnt Fiona zu recherchieren. Dabei rührt sie an dunkle Geheimnisse, die besser für immer verborgen geblieben wären … (Klappentext)

Idlewild Hall ist ein Mädcheninternat mit Geistererscheinung, was schon allein Grund genug für mich ist, dem Buch meine Aufmerksamkeit zu schenken. Im Prolog dürfen wir schonmal einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen, zu einem Abend, an dem ein Mädchen auf dem dunklen Weg zum Internat von „Hausgeist“ Mary Hand verfolgt wird. Die atmosphärische Erzählweise hat mich sofort gefesselt und neugierig gemacht. Im ersten Kapitel lernen wie dann Fiona kennen, die Jahrzehnte später mitten in der Nacht auf der gleichen Straße unterwegs ist. Aber keine schwarze Frau treibt sie um, sondern der Gedanke an ihre hier vor 20 Jahren ermordete Schwester. Fiona war mir gleich sympathisch und ich glaube, das könnte ein spannender Thriller werden, bei dem sich Krimi- und Mystery-Elemente miteinander verbinden. Anscheinend wechseln die Kapitel auch zwischen den Geschehnissen in der Gegenwart und denen von 1950, was ich sehr spannend finde.

Fazit

Drei der angelesenen Thriller haben mir gleich richtig gut gefallen. Die Geschichten klingen mysteriös und ein wenig gruselig, eben vielversprechend! Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht entscheiden, wo ich anfangen soll. Wirklich enttäuscht war ich nur vom neuen Buch von Stephen King. Inhalt und Stil waren mir viel zu belanglos. Da reizt mich leider gar nichts dazu, es zu lesen (oder für diesen meiner Meinung nach überteuerten Preis überhaupt erst zu kaufen). Bei Lindqvist bin ich zwiegespalten. Es las sich gut und die Idee spricht mich auch an, aber die Thriller aus dem Norden können mich selten überzeugen. Kennt ihr die Bücher schon? Welches konnte euch überzeugen?

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