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{Rezension} Die Krone der Sterne von Kai Meyer

Die junge Adelige Iniza wurde dafür ausgewählt, in das galaktische Reich von Tiamande zu gehen, um die Braut der allmächtigen Gottkaiserin zu werden. Welches Schicksal ihre Bräute erwartet, weiß jedoch niemand. Iniza kann entkommen und befindet sich von nun an mit ihrem Geliebten Glanis, dem Kopfgeldjäger Kranit und der Alleshändlerin Shara Bitterstern auf der Flucht. Stets verfolgt vom Hexenorden der Gottkaiserin kommen die vier dabei Geheimnissen auf die Spur, die seit tausend Jahren in den unerforschten Weiten des Alls verborgen waren.

Rezension

Kai Meyer und ich, das ist immer so ein 50-50-Ding: Die Chancen stehen 50 Prozent dafür, dass er mich absolut begeistert, und 50 Prozent dafür, dass ich sein Buch furchtbar finde. Sein neues Buch „Die Krone der Sterne“ aus dem Fischer Verlag klang für mich auf den ersten Blick vielversprechend: Ein dramatisches Weltraumabenteuer voller Action und Magie sollte es werden. Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter? Da bin ich dabei. Das könnte wieder ein Werk sein, wo wir beide zusammenkommen! Und was soll ich sagen? Schon nach dem ersten Absatz war es um mich geschehen. Ich habe mich sozusagen selbst in seinen Worten wiedergefunden. Von nun an konnte Kai Meyer gar nichts mehr falsch machen – oder?

„Sie trage die Sterne in den Augen, hatte einmal jemand gesagt. Iniza spürte den Sog des Universums, seit sie zum ersten Mal hinauf in die Nacht geblickt hatte. Für sie war der Himmel keine Grenze, sondern ein Tor.“ (S. 15)

Iniza ist eine junge Adelige aus den äußeren Baronien der Galaxie. Zu ihrem Unglück soll sie die neue Braut der Gottkaiserin werden und befindet sich darum zu Beginn in einer Raumfähre, die sie ins Reich Tiamande bringen soll. Aber statt sich in dieses Schicksal zu fügen, hat sie ihre Flucht zusammen mit ihrem heimlichen Geliebten Glanis längst geplant. Und so muss man als Leser auch gar nicht lange warten, sondern wird gleich durch das spannende und actionreiche Geschehen in die Geschichte gezogen.

Mit diesem Einstieg gibt der Autor direkt ein Einblick in das, was den Leser auf den rund 460 Seiten erwartet: eine gut gemachte und rasante Actionstory, die ihre Charaktere einmal quer durch die Galaxie jagt.

Vom ersten Moment an habe ich mich in dem intergalaktischen Setting der Geschichte pudelwohl gefühlt und ich konnte gar nicht genug bekommen von den Erklärungen und Beschreibungen über die verschiedenen Welten und Raumschiffe, über die Parteien, die den Weltraum unter sich aufgeteilt haben, über die düstere Vergangenheit, in der Maschinen die Herrschaft übernommen hatten, und die Geheimnisse und Mythen, die sich um die unerforschten Weiten den Alls ranken. Das alles war für mich absolut kein Info-Dump, ich hätte sogar noch viel mehr davon erfahren wollen – aber es müssen ja auch noch ein paar Geheimnisse für die kommenden Bände bewahrt bleiben.

Kai Meyer erzählt diese Geschichte so bildhaft, dass ich nie Schwierigkeiten damit hatte, mir seine Welten vorzustellen – egal ob er vom Inneren eines Raumschiffes sprach oder von einsamen Raumstationen am Rande des Universums.

Mit einem Mal verblassten die Lichter der einsamen Minen, die letzten Felsen blieben zurück, und vor ihnen erstrahlte der Sternenozean der Galaxis. Die Nachtwärts ließ den Rand des Planetenrings hinter sich und tauchte mit irrwitziger Geschwindigkeit in die eisige Weite des Weltalls. (S.136)

Trotz der großartigen Atmosphäre, die der Autor aufbaut, gab es für mich einen kleinen Wermutstropfen, denn die Charaktere waren nicht so gut ausgearbeitet, wie ich es mir erhofft hatte. Iniza und vor allem Glanis blieben sehr blass. Über ihr bisheriges Leben erfährt man wenig bis gar nichts. Ihre Gedanken und Gefühle scheinen keinen Platz zu haben zwischen den rasanten Verfolgungsjagden der Geschichte. Ihre Liebe wird zwar erwähnt, aber kaum thematisiert. Ein Feeling zwischen beiden fehlt völlig. Zwischenzeitlich habe ich mich sogar mehrfach gefragt, wozu der Autor Glanis überhaupt in die Geschichte gebracht hat – vielleicht spielt er später mal noch eine Rolle? Nun, in diesem Teil ist er leider ziemlich überflüssig.

Ganz anders sieht es bei der Alleshändlerin Shara Bitterstern und dem Waffenmeister Kranit aus, die ebenfalls zur neuen eher unfreiwilligen Crew der mondsichelförmigen Nachtwärts gehören – was für ein wunderschöner Name für ein Raumschiff übrigens. Shara und Kranit sind ein bisschen wie Hund und Katze und harmonieren zusammen doch ziemlich gut. Wenn es zwischen zwei Figuren in diesem Buch ein Feeling gibt, dann zwischen diesen. Die beiden sind auch definitiv die Humorträger dieser Geschichte. Besonders von Shara und ihrer Vergangenheit – in der auch Kranit schon eine kleine Rolle gespielt hat – erzählt der Autor etwas mehr. Was die beiden für mich letztlich zu den eigentlichen Protagonisten dieser Story gemacht – und mich etwas versöhnt – hat.

Obwohl es sich bei der Geschichte offensichtlich um Science Fiction handelt, konnte (und wollte vermutlich) Kai Meyer sein Metier Fantasy nicht verbergen. Die Magie bricht sich klammheimlich immer mal wieder Bahn und unterfüttert all die technischen Details mit geheimnisvollen Elementen und Wesenheiten. Das macht einen großen Reiz der Geschichte aus.

Zugegeben habe ich bei diesem Buch – wie viele andere auch – auf einen Einzelband gehofft. Recht schnell war aber klar, dass es das sicher nicht werden würde. Und jetzt bin ich sehr froh darüber. Der Autor hat so viele fesselnde Rätsel in die Geschichte eingebracht, dass ein Buch gar nicht reicht, um sie alle aufzulösen. Ich brenne darauf zu erfahren, wie es weitergeht, welche Mysterien hinter dem Pilgerkorridor, uralten Hyperschleusen und der nebulösen Gottkaiserin stecken. Und vielleicht erfahren auch die Figuren in den folgenden Bänden ein wenig mehr Ausarbeitung – zu hoffen bleibt es.

Fazit

„Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer ist ein Science-Fiction-Roman, in den sich immer wieder ein Hauch von Magie eingeschlichen zu haben scheint. Wer sich eine rasante Action-Story wünscht, bei der auch nicht mit rätselhaften Elementen gegeizt wird, der ist hier genau richtig. Einzig auf die Ausarbeitung der Figuren hätte der Autor mehr Wert legen sollen, denn sie bleiben leider eher blass.

Bewertung

Kai Meyer: Die Krone der Sterne | 460 Seiten | Fischer Verlag | ISBN: 978-3-596-03585-4 | 14,99 Euro

 

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2 Kommentare

  • Antwort Frau Curly 13. April 2017 at 16:49

    Das war mein Highlight zu Beginn des Jahres. Bisher aus diesem Genre auf jeden Fall auch weiterhin. Ich fand es richtig klasse und ich bin ebenfalls froh, dass es noch mindestens zwei weitere Bände geben wird, denn ich finde auch, dass einige Charaktere noch zu blass geblieben sind, trotzdem habe ich die volle Punktzahl vergeben, da ich ja wusste, da kommt noch was ;)

    • Antwort Sandy 14. April 2017 at 7:59

      Hallo Frau Curly,
      danke für den Kommentar. Für mich war es auch schon ein Highlight, weil es mir so viel Spaß gemacht hat. Einen Punkt abziehen muss ich aber trotzdem, denn die Charaktere sind einfach ein elementarere Teil eines Buchs. Und ein guter Autor sollte auch im ersten Teil schon mit ihnen überzeugen können – ganz gleich, welche Entwicklungen (und auch die sind essentiell) sie in den folgenden Bänden nehmen.
      Liebe Grüße,
      Sandy

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