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{Rezension} Superior – Das dunkle Licht der Gaben von Anne-Marie Jungwirth

Ein privilegiertes Leben und schier unbegrenzte Möglichkeiten, das bietet die Superior Human Society ihren Mitgliedern. Zumindest denen, die es wert sind …
Du bist eine Superia, aber deine Gaben sind minderwertig.
Unzählige Male hat die 20-jährige Amelia diesen Satz schon gehört. Und jedes Mal war sie froh darüber.
Sie wollte nicht dazugehören.
Sie wollte nicht die Pflichten.
Sie wollte nicht, dass man ihr vorschrieb, mit wem sie sich paaren sollte.
Doch was Amelia will, ist für eine andere bestimmt. Und was man von ihr will, ist schlimmer als eine Zwangsheirat. (Klappentext)

Rezension

Von der lieben Anne-Marie Jungwirth habe ich schon „Engelsstaub“ gelesen und mochte es sehr. Jetzt musste „Superior“ natürlich unbedingt her. :) Der Klappentext klingt schon extrem verlockend, denn ich LIEBE übernatürliche Gaben (X-Men – hallo!) und das in eine Dystopie eingebettet mit einem Hauch Selection/Royal/Bachelor garniert – immer her damit! Aber haben mich die Superior und ihre Superkräfte am Ende auch super beeindruckt?

Was mich sofort fasziniert hat, ist das Thema Genforschung, das hier die Grundlage der Superiorgesellschaft bildet. Es gibt ein regelrechtes Zuchtprogramm (auch wenn das natürlich offiziell nicht so bezeichnet wird) und die Gesellschaft schreibt den Menschen vor, mit wem sie sich paaren sollen. Alles im prunkvollen Rahmen einer Art „Bachelorette“-Veranstaltung, dem sogenannten Maturity Feast, bei dem der Frau drei potenzielle Heiratskandidaten vorgestellt werden. Damit sollen die genetisch am besten ausgeprägten Frauen und Männer zusammengebracht werden, um die perfekten Gaben hervorzubringen.

Das Thema Genforschung wurde von der Autorin gut umgesetzt – übrigens auch so, dass es für den Leihen – also mich – verständlich war. :) Es hat mich total in den Bann gezogen, da es einige Parallelen zu unserer aktuellen Gesellschaft gibt (ich sage nur „klonen“). Das lag mir beim Lesen schwer im Magen und gab mir einiges zum Nachgrübeln mit auf den Weg …

Trotzdem fand ich die Geschichte gar nicht so düster wie erwartet, sie liest sich eher locker-flockig, auch aufgrund des angenehmen Schreibstils der Autorin. Er ist absolut flüssig und vereinnahmend und die Protagonistin Amelia hat ihre ganz eigene Erzählstimme: sarkastisch, vorlaut, rebellisch und auch ein bisschen egoistisch und selbstzerstörerisch. Das macht Amelia zu einer echten Antiheldin. Wirklich erfrischend und unterhaltsam zu lesen. Allerdings hat sie an einigen Stellen auch meine Geduld strapaziert. Sie ist nämlich vor allem in Liebesdingen sehr impulsiv und launisch. Da tat mir der arme Nathan schon manchmal leid …

Stichwort: Nathan. Er ist Arzt am Superior Medical Center und untersucht regelmäßig die Ausprägung der Gaben. Amelia ist eine seiner Patientinnen. Keine leichte Situation für beide, da die gegenseitige Anziehung von Anfang an da ist und Nathan in eine schwierige Lage bringen kann … Er ist auf jeden Fall ein interessanter Charakter und ich danke Anne-Marie dafür, dass sie die Geschichte auch aus seiner Sicht erzählt hat. Das hat mir viele spannende Einblicke in die Superior-Denkweise und -welt gegeben und ich konnte ihm näher kommen. Nathan ist ein zwiespältiger Charakter, anfangs unnahbar und arrogant, kann er später auch seine sanfte Art zeigen und beschützt Amelia, so gut er kann. Ach ja: Habe ich schon erwähnt, dass er ziemlich heiß ist (und direkt und sarkastisch)? :D

Ich fand es toll, dass er, obwohl er sich in Amelia verliebt, nicht sofort seine Prinzipien und sein Leben über Bord wirft und ihr auch nicht alles recht machen will. Es knallt häufiger zwischen den beiden und das ist mir viel lieber als diese sabbernden, hechelnden Schoßhündchen, zu denen manche Buchboys mutieren, wenn sie ihrer Traumfrau begegnen. *Augen verdreh* So sehr mich die Lovestory anfangs auch gefesselt hat, später fand ich einige Streits unnötig, einiges Hin und Her ermüdend und das „Zusammenraufen“ danach zu überhastet. Ein bisschen weniger wäre mehr gewesen. Zumal die Probleme eher von Amelia hausgemacht sind und sie ein paar mal zu oft rumzickt, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Mein Favorit war Sky, der „Drecksempath“, um es mit Nathans Worten zu sagen. :D Ihn mochte ich als Gesamtpaket, auch mit seiner Gabe, die ihn sehr belastet und mit der er wohl immer noch nicht so gut umgehen kann. Ich habe das Gefühl, dass hinter ihm noch mehr steckt und würde in einem zweiten Band gern in seine Vergangenheit und Gedanken eintauchen. Ich hätte rein gar nichts dagegen, ein paar Kapitel aus seiner Sicht zu lesen, Frau Autorin! ;)

Sehr unterhaltsam fand ich die Anlehnungen an unsere Popkultur und aktuelle Ereignisse, zum Beispiel: Trump, Sherlock Holmes, Bachelor, Trash-TV … Auf sowas stehe ich total, weil es die Geschichte für mich realer macht. Bravo! Jetzt muss ich leider noch ein bisschen Kritik üben, denn die Story geht ab einem gewissen Punkt sehr schnell vonstatten. Dadurch ist das Lesetempo die ganze Zeit enorm hoch, aber es war mir stellenweise einfach zu sprunghaft.

Auch hätte ich mir gewünscht, dass mehr Fokus auf die Fähigkeiten der Superior gelegt wird, schließlich hatte ich mich darauf besonders gefreut, weil ich ein Fan solcher Gaben bin. Es wird zwar darauf eingegangen, aber zu wenig und ich hätte mir noch mehr Fantasy-Elemente gewünscht. Auch etwas mehr Action, Blut und Mord und Totschlag und überhaupt, wäre nach meinem Geschmack gewesen. ^^ Es dreht sich doch sehr viel um Amelia und Nathan und ihre Gefühle. Gerne hätte ich mehr über den Alltag der Superior und normalen Menschen erfahren. Wie leben sie, worin besteht der Unterschied und wie hat sich die Gesellschaft noch abseits des Auswahlverfahrens weiterentwickelt? … Aber hey, was nicht ist, kann ja noch werden …

Am Ende ging mir alles zu einfach vonstatten, es lief alles zu glatt und Gegenspieler lassen sich zu leicht ausspielen. Es hätte mehr Hindernisse geben müssen, denn alles fügt sich irgendwie zur Zufriedenheit aller. Der Schluss war für einen ersten Band trotzdem zufriedenstellend, aber die großen Fragen sind noch offen, Band 2 kann also kommen! Und dafür sehe ich seeeeeeeeeeeeehr viel Potenzial, denn im Grunde geht´s jetzt erst richtig los … :D

Fazit

„Superior“ zeichnet eine erschreckende Zukunftsvision, die ich überzeugend und durchaus im Bereich des Möglichen fand. Es gibt einige interessante Denkanstöße und moralische Fragen, die angesprochen werden, allein deshalb ist es schon lesenwert! Der lebendige Schreibstil, der Humor und die interessanten Charaktere fesselten mich zusätzlich an die Seiten.

Persönlich hätte ich mir aufgrund des Themas etwas mehr Fantasy und Action erhofft und etwas weniger Gefühlschaos. Ich möchte einfach noch mehr über die gesellschaftlichen Hintergründe und übernatürlichen Fähigkeiten erfahren, denn das war wirklich faszinierend. Ich bin sowas von bereit für die Folgebände und bin sicher, die Autorin hat da noch einige Überraschungen für uns in petto!

Bewertung

Anne-Marie Jungwirth: Superior | Drachenmond Verlag | 350 Seiten | 978-3-95991-211-2 | 14,90 Euro

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

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3 Kommentare

  • Antwort Freigeistbloggerin 12. August 2017 at 8:31

    Das Buch muss ich auch noch unbedingt lesen. Danke für deine tolle Rezension:)

    • Antwort Kristina 12. August 2017 at 21:39

      Danke für deine Worte, ich wünsche dir jetzt schon viel Spaß damit! :)

  • Antwort Tamara Zimmermann 12. August 2017 at 22:42

    Steht ganz weit oben auf meiner Wuli :)

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