Drachenhaut von Frances G. Hill
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{Rezension} Drachenhaut von Frances G. Hill

Klappentext: Böse Gerüchte schwirren unaufhaltsam durch das Land Mohor: Der Naga, der Gott der Schlangen, soll den Kronprinzen verflucht haben. Gibt es Rettung für den stolzen jungen Mann? Fernab der höfischen Ängste und Ränke wächst unterdessen das Waisenkind Lilya behütet im Haus ihres Großvaters auf. Ihr Leben ändert sich jedoch von Grund auf, als auch ihr eines Tages Der Naga erscheint. Warum greift der Schlangengott in Lilyas Schicksal ein? Als plötzlich feine Zeichnungen auf ihrer Haut erscheinen, wird das junge Mädchen zu einer Gejagten, deren Schicksal mit dem des Prinzen auf geheimnisvolle Weise verwoben ist – und der eine magische Verwandlung bevorsteht.

Rezension

Frances G. Hill aka Susanne Gerdom legt mit „Drachenhaut“ einen richtig spannenden Fantasy-Schmöker vor. In Gang gebracht wird die Geschichte durch eine Wette der Feenkönigin Peri Banu und dem Schlangengott Der Naga. Der Schlangenköpfige wettet, dass der junge Kronprinz Massinissa „Amayyas“ niemals den Thron besteigen wird, die Feen, Patin des Jungen, hält dagegen. Und wie das so ist: Im Spiel der Götter sind die Menschen die Leidtragenden. Amayyas wird verflucht, seine Gestalt nach dem Lauf des Mondes zu verändern, was es ihm natürlich unmöglich macht, die Thronfolge anzutreten. Fortan versucht sein Vater Shâya Faridun alles, um seinen Sohn zu erlösen. Doch sein Hof-Magush (Zauberer) tut sich schwer mit einer Lösung. Unterdessen wächst der Junge heran. Da er jedoch in seinen Gemächern im Serail eingesperrt und sein Erzieher Aspantaman seine einzige Bezugsperson ist, entwickelt er sich ganz anders, als er es als Kronprinz getan hätte – ganz wie beabsichtigt? Nun, wer weiß …

„Verzage nicht“, sagte er leise. „Klügere Männer als diese beiden suchen nach einer Lösung für dein … Problem.“
Der Prinz lachte bitter auf. „Sie suchen schon seit Jahren“, erwiderte er. „Sie finden nichts. Ich bin verflucht, Aspantaman, und ich werde es mein Leben lang bleiben, bis die Dunkle Nacht mich erlöst. Oh, wie ich mich an solchen Tagen nach der süßen Umarmung des Todes sehne, mein Freund. Ich bin es so müde.“ Er lehnte seinen Kopf an die Schulter seines Erziehers und schloss die Augen. Aspantaman sah ihn teilnahmsvoll an. Er war dem Prinzen näher als die meisten anderen Höflinge, und er war der Einzige, der es wagte, die Einsamkeit des jungen Mannes zu teilen, wenn er während der Zeit des wachsenden Mondes in seine Gemächer eingesperrt war wie ein Tier.

– Hill: Drachenhaut, S.79

In der gleichen Stadt wächst Lilya auf. Nach dem Tod ihrer Eltern wurde sie von Beg Kobad aufgenommen und lebt nun als seine Enkelin in seinem Haus. Er ist ein sehr begabter Magush und wird auch auf die Heilung des Prinzen angesetzt. Lilya benötigt allerdings auch seine Hilfe. Sie ist ein einsames Mädchen, hat ähnlich wie Amayyas nur ihre Amme als Vertraute, denn Lilya ist mit schlimmen Narben und einem „bösen“ Auge gezeichnet. Sie verlässt das Haus so gut wir nie, doch auch in ihrem Heim ist sie nicht wirklich willkommen. Die Familie des Begs behandelt sie wie eine Aussätzige, denn sie hat die dunkle Hautfarbe der Wüstenvölker, die gemeinhin als Sklaven gehandelt werden.

Man sieht es schon, die ganze Geschichte spielt in einer Art orientalischem Setting, was auf mich wirklich einen Reiz ausgeübt hat. Ich habe es genossen, durch diese andere Welt zu streifen, die aber eben nicht die übliche Fantasywelt ist. Hier wandeln keine Elfen durch immergrüne Zauberhaine, keine Zwerge graben sich durch die Felsen, nein, hier gibt es unübersichtliche Basare, trocken-steinige Wüsten, prunkvolle Gemächer, Schleier, Kamele, aber auch Drachen, Leopardenmenschen und Zauberer.

Die meiste Zeit folgt der Leser Lilya auf ihrer Reise, bei der sie immer ein kleines Stück mehr von sich, von der Wahrheit und von der Welt erfährt. Sie wuchs als Sardari auf, ein Mädchen aus der bürgerlichen, gut gestellten Schicht. In ihrem Haus sind viele Sklaven angestellt. Aber obwohl ihr schon lange eingeimpft wurde, dass dieser Zustand ganz normal ist, bemerkt man als Leser schnell Lilyas Zweifel, sogar schneller als sie selbst. Irgendwann kommt sie nicht umhin zu erkennen, das einige Dinge gar nicht so sind, wie sie immer dachte. Diese dann aber auch mit allen Konsequenzen zu akzeptieren, ist noch einmal eine ganz andere Sache.

Zu Amayyas wechselt die Perspektive immer mal wieder. Häufigere „Besuche“ bei ihm, als die Geschichte macht, sind meiner Meinung aber nicht notwendig. Der Prinz ist die meiste Zeit sowieso eingesperrt oder nicht Herr seiner Sinne, und der Flucht nimmt immer mehr von ihm. Er ist eine sympathische Figur, wie Lilya auch, und sein Schicksal ist wirklich tragisch, allerdings erkennt man als Leser (wie Der Naga) die großen Zusammenhänge und versteht schnell, was der Plan dahinter ist. Trotzdem bleibt es die ganze Zeit spannend und man darf mit ihm hoffen und bangen. Kann Amayyas vom Fluch befreit werden? Wo sind hier die Drachen? Wer ist gut und wer tut nur so? Ich muss ja zugeben, dass ich irgendwann angefangen habe, jeden zu verdächtigen. Aber das ist einfach die Kunst.

Mir hat die Geschichte ausgesprochen gut gefallen. Ich habe mich im Land Mohor sehr wohlgefühlt. Lilya und Amayyas sind natürlich nicht die einzigen Figuren, aber als Protagonisten für diese Rezension sehr wichtig. Ich mochte auch Yani, den Sklavenjungen sehr, mit dem sich Lilya in ihrem Haus anfreundet. Allerdings fand ich es schade, dass ihm nicht mehr Raum gegeben wurde, zumal er ja auch nicht ganz unwichtig ist. An dieser Stelle also die kleine Kritik: Yani ist zu kurz gekommen! Das wars aber auch schon mit den kritischen Punkten. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar, ihre Beschreibungen lassen diese orientalische Welt richtig erblühen. Außerdem vermochte sie auch, ihre Figuren immer ins passende Licht zu rücken, ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen so widerzuspiegeln, dass man als Leser völlig gefesselt wurde und das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

Fazit

„Drachenhaut“ ist ein sehr fesselndes Fantasybuch mit wunderbaren Figuren – die guten und die bösen, und auch die, bei denen man es erst noch herausfinden muss. Das orientalische Setting gibt der Geschichte das gewisse Etwas und hebt sie aus der Masse der Jugendbücher heraus. Ich bin wirklich begeistert und werde definitiv weitere Bücher der Autorin lesen. Zu empfehlen ist das Buch allen Jugendlichen und Erwachsenen, die keine Lust mehr auf diese platten Geschichten à la Panem, Twilight und Co. haben.

Bewertung

Frances G. Hill: Drachenhaut I arsEdition I 464 Seiten I 978-3-7607-8453-3 I 18,99 Euro

Ich danke dem Verlag arsEdition und Blogg-dein-Buch für die Bereitstellung des Leseexemplars! =)

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