Daniela Ohms Insel der Nyx
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{Rezension} Die Insel der Nyx: Die Prophezeiung der Götter von Daniela Ohms

Seit Eleni auf der Insel Kreta angekommen ist, verspürt sie eine merkwürdige innere Unruhe, die sie kaum noch schlafen lässt. Als eines Nachts ein tosender Sturm losbricht, erwachen in ihr ungeahnte Kräfte. Noch dazu taucht am nächsten Morgen am Horizont eine mysteriöse Insel auf, die nur Eleni und ihre Freundin Philine sehen können. Doch von ihr scheint eine große Gefahr auszugehen: Schattenwesen und unheimliche Wassernixen versuchen, die Mädchen in ihre Gewalt zu bringen und der Göttin der Nacht zu übergeben. Erfüllt sich damit die geheimnisvolle Prophezeiung der Nyx? (Klappentext)

Rezension

Bereits zwei Romane für Erwachsene sind von Daniela Ohms (bzw. Winterfeld) erschienen. Sowohl „Harpyienblut“ als auch „Der geheime Name“ vermischen Realität und Fantastisches auf gekonnte Weise und überzeugen besonders durch den wunderschönen Schreibstil und die erstklassige Ausarbeitung der Figuren. Nun erschien mit „Die Insel der Nyx: Die Prophezeiung der Götter“ das erste Kinder- bzw. Jugendbuch der Autorin. Es ist als Auftakt einer Reihe und für Leser ab 11 Jahren konzipiert.

Was zuerst ins Auge fällt, ist die sehr detailreiche Gestaltung des Buchumschlags, die jedoch nicht zu überladen wirkt – wie leider bei einigen Büchern aus dem Programm des Planet Girl Verlags. Hinzukommt, dass die gezeigten Elemente perfekt zur Geschichte passen. So wünscht man sich ein Buchcover! Wunderbar!

Da es sich, wie erwähnt, um den ersten Band einer Buchreihe handelt, nimmt sich die Geschichte viel Zeit, um in das Geschehen und die Figuren einzuführen. Dabei vermag es die Autorin jedoch schon von Beginn an, Spannung aufzubauen und dem Leser zu zeigen, dass in dieser Geschichte viele mysteriöse Fäden miteinander verstrickt sind – ohne jedoch zu viel zu verraten. Die 13-jährige Eleni ist kein normales Mädchen. In vielen Nächten schlafwandelt sie und manchmal gibt sie in diesem Zustand unheimliche Prophezeiungen von sich. Dies ist auch einer der Gründe, wieso sie mit ihrer Schwester Leándra und ihrer Mutter Arjana ihre Heimat Berlin verlassen muss und nun ein Häuschen auf Kreta bezieht. Dass hier noch andere Dinge eine Rolle spielen, wird schnell klar – welche, bleibt jedoch vorerst ein Geheimnis. Im Verlauf der Geschichte kommen immer mehr fantastische Elemente hinzu, viele Motive und Figuren aus der griechischen Mythologie werden eingearbeitet. Dies wirkt jedoch nicht aufgesetzt oder an den Haaren herbeigezogen, sondern fügt sich passend ein.

Wenn man das Figurenpersonal genauer betrachtet, fällt auf, dass es gar nicht mal so klein ist, im Gegenteil. Die Autorin konfrontiert ihre Leser sogar mit einer relativ großen Anzahl an wichtigen handelnden Personen neben den Hauptcharakteren, hinzukommt außerdem ein ganzer Schwung von Nebencharakteren, die Kreta und die Insel der Nyx bewohnen. Das Konzept des Personals ist aber dennoch als sehr positiv und durchdacht zu bezeichnen. Keinesfalls überfordert die Vielzahl an Personen den Leser. Das liegt eben in der sehr durchdachten Konstruktion der Geschichte. Nach und nach treten immer wieder neue, entscheidende Figuren auf den Plan. Da es die Autorin perfekt beherrscht, in wenigen Worten sehr umfassend und aussagekräftig zu beschreiben, erhält jede Figur eine ausführliche Darstellung, ohne dass die Spannung der Geschichte oder ihr Vorankommen beeinträchtigt wird.

Auch der Schreibstil von Daniela Ohms kann in diesem Buch wieder als äußerst positiv betrachtet werden. Gerade in einem Jugendbuch, wo der „Platz“ oft knapp ist, muss ein Autor die Fähigkeit haben, mit wenigen Seiten eine dichte Erzählung vorzulegen. Und das vermag Daniela Ohms. Wunderschöne und die Fantasie anregende Beschreibungen werden eingesetzt, wo sie notwendig sind, Kleinigkeiten an den passenden Stellen geben der Erzählung eine Tiefe und Komplexität, die man oft in Büchern für diese Zielgruppe vermisst. Zusätzlich wird das Ganze mit wirklich schönen Vergleichen und Formulierungen gewürzt. Auch wenn es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, werden auch Erwachsene diese Geschichte mit einem gewissen Genuss lesen, der sich unter anderem auf das sprachlich hohe Niveau der Autorin zurückführen lässt.

Eleni hielt den Atem an. Was sollten sie tun, wenn sie einem feindlichen Menschen begegneten? Sie würden es kaum schaffen, schnell genug zu fliehen. „Vielleicht sollten wir einfach wieder gehen“, wisperte sie. „Wir hätten gar nicht erst herkommen sollen.“
Philine hielt inne und stupste Eleni an die Schulter. Vor ihnen lichtete sich der Dschungel. Zwischen den Palmen schimmerten lange Gräser hindurch und weiter hinten leuchtete glitzerndes Wasser. Philine deutete darauf. „Das sieht aus wie ein Teich oder ein See. Wenigstens das will ich mir noch ansehen.“

– Ohms: Die Insel der Nyx, S.146

Fazit

Für Die Insel der Nyx von Daniela Ohms kann ich eine absolute Empfehlung für alle Leser von 11 bis 110 Jahren aussprechen. Innen wie außen ist dieses Buch ein wahres Schmuckstück, das perfekt für die empfohlene Altersgruppe passt, jedoch auch erwachsene Leser begeistern wird. Der Schreibstil und die Ausarbeitung der Figuren sind wie gewohnt ausgezeichnet. Ersteres ist jedoch nicht zu anspruchsvoll für junge Leser.

Bewertung

fuenf_sterne

Daniela Ohms: Die Insel der Nyx: Die Prophezeiung der Götter I Planet Girl I 368 Seiten I 978-3-522-50343-3 I 14,95 Euro

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