Daniela Ohms Winterhonig
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{Rezension} „Winterhonig“ von Daniela Ohms

1940: Mathilda ist eines von zehn Geschwistern und weiß, was es bedeutet, ein hartes Leben zu führen. Sie lebt auf einem Bauernhof in Westfalen und liebt den benachbarten Stalljungen Karl. Bevor dieser zur Wehrmacht ging, schien es, als könnten bei beiden ein Paar werden. Doch Karl hütet ein Geheimnis, das ihn und Mathilda in Gefahr bringt.

Rezension

Dass Daniela Ohms eine meiner liebsten Autorinnen ist, ist ja kein Geheimnis. Seit Langem habe ich auf Nachschub gehofft und mich umso mehr gefreut, als ich von ihrem neuen Buch „Winterhonig“ hörte und sein wunderschönes Cover sah. Das Thema „Liebesgeschichte während des zweiten Weltkriegs“ war eher ernüchternd. Wer ihre Fantasy-Romane „Harpyienblut“ und „Der geheime Name“ kennt, der weiß zwar, dass ihre Geschichten keine leichte Kost sind. Aber ich muss zugeben, dass mich das Thema doch zunächst sehr abgeschreckt hat – wie viele ihrer Fans.

Nach sehr langem Überlegen (und lieben Worten der Autorin) habe ich mich schließlich doch dazu entschieden, dem Buch eine Chance zu geben. Hin und wieder habe ich ja doch mal den Anflug, über den Tellerrand hinausblicken zu wollen. ;)

Vielleicht vorab: Das Buch hat mir gut gefallen, mit ihren anderen ist es aber für mich absolut nicht vergleichbar. Was natürlich auch dem Thema geschuldet ist. Bei ihren Fantasybüchern, so düster sie auch stellenweise sein mögen, bleibt irgendwie eine Hoffnung, dass sich doch alles zum Guten wendet. Für mich war das in „Winterhonig“ nicht so. Wie auch? Selbst wenn wie durch ein Wunder alle Charaktere überleben sollten oder die Liebenden im glücklichen Ende vereint würden, wissen wir doch alle, wie diese, unsere „Geschichte“ verlaufen ist. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Aber wenn ja, dann werde ich zu Dir zurückkehren. Dann darfst Du mich in den winzigen, wunderschönen Kleinigkeiten suchen, die Dich umgeben. Vielleicht bin ich dann ein Tautropfen, der an einem Spinnennetz hängt, oder ein Wassertropfen, der vom Himmel regnet, oder eine Träne in deinen Augen.
Das wird es sein: Wenn ich tot bin, dann bin ich eine Träne in Deinen Augen, unzählige Tränen, so lange, bis Du nicht mehr traurig bist.

– Daniela Ohms: Winterhonig, S.463

Immer wieder musste ich die Lektüre unterbrechen. Es hat mir schier das Herz zerrissen. Manchmal wollte ich einfach nicht mehr wissen. Der Drang, die Augen zu verschließen, war einfach da. „Winterhonig“ erzählt zwar auch von glücklichen Zeiten, aber oft ist es so erschreckend, so traurig. Und so real. Immer wieder habe ich gedacht: Wie schafft sie das nur? All die viele Kleinigkeiten, die ihre Geschichte so unglaublich echt machen. Diese Fähigkeit der Autorin habe ich in ihren anderen Büchern ja schon gelobt. Aber hier hatte ich wirklich manchmal das Gefühl, sie müsse dabei gewesen sein. Es gibt einfach keine andere Erklärung. Ihre Recherche ist großartig. Großartig war übrigens auch das Nachwort, in dem die Autorin viel von ihrem Recherchejahr berichtet. Solche Infos liebe ich sehr. Schade, dass sie nicht in mehr Büchern vorkommen.

Wer nun aber fürchtet, dass so ein „Kriegsbuch“ nichts für ihn ist, den kann ich in einer Sache beruhigen. Es ist weder blutig oder eklig noch werden großartig Kriegshandlungen beschrieben. Da man aber weiß, dass das Beschriebene leider keine Fantasie ist, ist dies hier wirklich harte Kost – dabei spart die Autorin so viel aus, weil ihre Protagonistin nur ein Bauernmädchen ist, das von den wahren Gräueln nicht viel mitbekommt. Und auch Karl an der Front nicht. Die schrecklichen Taten der Nazis, um die wir heute wissen, geistern nur als Gerüchte durch die Seiten.

Mathilda und Karl sind die Protagonisten, durch deren Augen wir die Geschichte erleben. Sie bleibt auf dem Hof ihres Vaters, versucht das harte Leben dort zu überstehen. Er ist im Krieg. Erst in Frankreich, wo es ruhig ist, dann in Russland. Verbunden sind sie nur durch Briefe und Erinnerungen (Kapitel, die ihren letzten gemeinsamen Sommer beschreiben). Auf diese Weise bekommt man als Leser ein besonders umfassendes Bild von dem Leben zwischen 1938 und 1945.

Doch nicht nur diese beiden tragen die Geschichte, sondern noch viele, viele andere Charaktere. Und hier bin ich wieder ganz in der wunderbaren Welt von Daniela Ohms, in der selbst die kleinste Rolle so lebendig und komplex dargestellt wird, als wäre sie ein echter Mensch. Und das in so wenig Worten. Immer wieder staune ich darüber, wie sie das nur schafft. Dieses Talent macht sie für mich zu einer großartigen Autorin.

Fazit

„Winterhonig“ ist ein wahnsinnig bewegendes und herzzerreißendes Buch. Für diejenigen, die gern Geschichten lesen, die in der Zeit des zweiten Weltkriegs spielen, ist es meiner Meinung nach ein „Must-Read“. Alle anderen – besonders ihr Daniela-Fans da draußen – sollten der Geschichte um Mathilda und Karl zumindest eine Chance geben. Nach wenigen Sätzen könnt ihr Daniela Ohms wunderschönen Worten sowieso nicht mehr entfliehen! Versprochen!

Bewertung

Daniela Ohms: Winterhonig | Droemer Knaur | 978-3-426-65397-5 | Hardcover | 586 Seiten | 19,99 Euro

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3 Kommentare

  • Antwort Ela 24. Mai 2016 at 7:20

    Eine wunderbare Rezension die so richtig Lust auf das Buch macht.
    Ich setze es mir mal auf die Merkliste, weil ich es am liebsten als Hörbuch hören würde, es aber in diesem Format wohl noch nicht geplant ist.
    Notfalls lese ich es zu einem späteren Zeitpunkt als Buch.
    Du hast jedenfalls meine Neugier geweckt :)
    Liebe Grüße
    Ela

  • Antwort Ninespo 7. Februar 2017 at 14:47

    Hallöchen!

    Ich habe die Rezension eben über die Lieblingsbücher aus 2016 entdeckt und habe dazu eine Frage: Darf ich deine tolle Rezension unter meiner verlinken? Ich habe das Buch ebenso sehr geliebt wie du und würde mich freuen, wenn ich noch weitere Meinungen unter meiner Rezension hätte :)

    Liebste Grüßlies!
    Ninespo

    • Antwort Sandy 7. Februar 2017 at 15:38

      Hallo Ninespo,

      na klar, das darfst du natürlich! :D Ich freu mich! Viele Dank für das Lob und das Verlinken!

      LG Sandy

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