Antje Wagner - Schattengesicht
Bücherschrank

{Rezension} Schattengesicht von Antje Wagner

Klappentext: So harmlos sie auch wirken – irgendetwas stimmt mit Milana und Polly nicht. Etwas Ungreifbares, Rätselhaftes umgibt sie. Warum schrecken die Menschen vor Pollys Stimme zurück? Weshalb ist der Tod ihr ständiger Begleiter? Sicher ist nur, die beiden fliehen vor einem unaussprechlichen Geheimnis.

Rezension

Nachdem ich „Vakuum“, das gerade erschienene Jugendbuch der Autorin Antje Wagner, begeistert gelesen hatte, war für mich völlig klar, dass ihre anderen Bücher umgehend auf meine Wunschliste wandern müssen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als die Autorin wenige Tage später angefragt hat, ob ich nicht auch „Schattengesicht“ rezensieren würde. Lediglich mein Umzug hat mich zwei Wochen lang davon abgehalten, mich ins Lesevergnügen zu stürzen – und ein solches war dieses Buch auf alle Fälle!

Der Anfang des Buchs hat mich stark an „Vakuum“ erinnert, denn auch hier befinden wir uns in einem Frauengefängnis. Dieser Abschnitt wird allerdings nicht so ausführlich beschrieben wie in dem Jugendbuch. Trotzdem werden ähnliche Empfindungen von Beklemmung und Hoffnungslosigkeit beim Lesen geweckt. Zu Beginn des zweiten Kapitels sind Mila und Polly noch auf der Flucht. Mila schafft Geld ran, indem sie sich in einem miesen Job als Zimmermädchen malträtieren lässt, bis sich erneut ein entscheidender Riss in ihrem Lebensweg auftut und sie wieder die Flucht ergreifen muss …

Schon nach wenigsten Seiten und Abschnitten wird klar, dass diese Geschichte einen interessanten und absolut nicht alltäglichen Ablauf hat. Die Zeit und die Motive von Schuld, Hoffnung und Buße sind auch in diesem Buch von Antje Wagner wiederkehrende Elemente, die dem Geschehen eine wunderbare Tiefe verleihen. Dieses Mal ist es ein in der Vergangenheit liegendes Verhängnis, dessen feine Haarrisse sich durch Milas Leben ziehen. Die junge Frau ist ein sehr sympathischer Charakter. Sie ist klug und schlagfertig, doch ihr Leben ist alles andere als einfach. Welche Tücken und Hindernisse sie schon durchgemacht hat, erfährt man mehr und mehr im Verlauf der Geschichte, ebenso welche wichtige Rolle ihre Freundin Polly für sie spielt.

Den Klappentext fand ich zunächst etwas undurchsichtig, man kann überhaupt nicht lokalisieren, um welche Art Buch es sich hier handelt. Dies stellte sich beim Lesen allerdings nicht als Kritik heraus, sondern mit jedem neuen Kapitel taucht man tiefer in die Vergangenheit der Figuren und somit ihn ihre Geschichte ein, und trotzdem bleibt alles die ganze Zeit über sehr kryptisch, was das Lesen unheimlich spannend gemacht hat. Jeder neue Abschnitt bringt am Ende eigentlich mehr Fragen und Spekulationen als Antworten zutage. Dennoch bleibt das Gefühl, dass alles unweigerlich auf ein folgenschweres Ereignis zusteuert – so als würde ein Universum implodieren und am Ende bleibt nichts als der winzige Punkt, wo die Katastrophe ihren Anfang nahm.

Eine Kritik an „Vakuum“ war ja, dass das Ende manchen Leser etwas unbefriedigt zurückgelassen hat. Bei „Schattengesicht“ besteht diese Gefahr meiner Meinung nach kaum. Aufmerksame Leser werden über perfekt versteckte, in die Geschichte eingewobene Hinweise stolpern, die nichts anderes als dieses Ende zulassen – aber jetzt bin ich still! :)

Und ich weiß zwar nicht, warum, aber Antje Wagners Bücher erinnern mich immer an alte Filme, die ich vor Ewigkeiten gesehen habe. Dieses Mal ist es „Heavenly Creatures“ von Peter Jackson, obwohl er mit dieser Geschichte nicht so viel zu tun hat – vielleicht liegt es auch nur an Polly …

Ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus! Vor allem an Steffi von his and her books, der „Vakuum“ ja auch gefallen hat: Das musst du gelesen haben! ;-)

Fazit

„Schattengesicht“ hat mir wahnsinnig gut gefallen. Die Krimi-Geschichte um Mila und Polly strickt sich wie ein geniales Puzzle, von dem man in jedem Abschnitt neue Teile erhält, die jedoch nirgends wirklich dran passen. Aber am Ende ergibt sich ein lückenloses Bild. An einigen Stellen bin ich der Geschichte tatsächlich auf den Leim gegangen. Antje Wagner baut perfekt perfide Leserfallen! =)

Vielen Dank an Antje Wagner und Bloomsbury Taschenbuch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Bewertung

Antje Wagner: Schattengesicht I Bloomsbury Taschenbuch I 189 Seiten I 978-3-83335089-4 I 7,95 Euro

Hier geht’s zur Rezension von „Vakuum“

 Weitere lesenswerte Rezensionen:

Buchstabenträumerei

Previous Post Next Post

You Might Also Like

7 Comments

Leave a Reply