Geblubbel

Was wäre, wenn …

Heute Morgen las ich den Blogpost von Mirka. Es ging darin um ihren Beruf als Erzieherin aka Kindheitspädagogin und darum, dass viele Menschen – selbst die Studierenden – ein falsches Bild davon haben. Die einen meinen, es wäre am Ende nur 40 Jahre Basteln und Windeln wechseln, die anderen meinen, das wäre es nicht bzw. sie als studierte Erzieher wäre zu gut dafür – kurzum: um die gesellschaftliche Anerkennung dieses Studienberufs.

In vielem hat sie recht, sage ich mal pauschal. Wenn sich jemand inhaltlich dafür interessiert, dann klickt doch bitte auf den Link und lest Mirkas sehr ausführlichen Post. Denn mir geht es heute nicht darum, den Beitrag zu kommentieren oder zu analysieren. Mich hat er auf einen ganz anderen Gedanken gebracht. Als Literaturwissenschaftlerin habe ich meinen Beruf hundertmal verteidigt und unzählige Male erklärt. Aber …

Was wäre, wenn … ?

Was wäre, wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre?

In der neunten Klasse war ich im Schulpraktikum ein paar Wochen in der Kindergrippe. Ich fand das toll, ich mochte die Kleinen, auch wenn es ziemlich schwierig für mich war, mich in sie hineinzuversetzen. Ich bekam den Gedanken, später vielleicht mal Erzieherin zu werden. Den Gedanken trug ich weiter, aber als es ans Einschreiben an der Uni ging, war er irgendwie weg. Ich habe nicht mehr an diese Möglichkeit gedacht und machte was ganz anderes.

Was, wenn ich mich nicht anders entschieden hätte? Momentan kann ich mit Kindern gar nichts anfangen. Sie nerven mich beim Einkaufen, auf der Straße, überall. Aber liebe Muttis, ihr braucht jetzt nicht schon die Messer wetzen. Ob Kinder ja oder nein, ist hier nicht das Thema.

Immer wieder steht man im Leben an einem Punkt, an dem man gezwungen ist, eine Entscheidung zu treffen, und das ist meistens gar nicht so einfach. Besonders schwer ist es in der Berufswahl. Man ist noch so jung, hat oftmals kaum etwas von der Welt gesehen und kennt sich im schlimmsten Fall selbst auch nicht so richtig. Und dann soll man sich entscheiden. Das „Ach, hätte ich damals doch alles anders gemacht!“ ist damit vorprogrammiert. Es gibt wohl keinen Menschen, der nicht schon einmal einen solchen Gedanken hatte.

Ich bin da nicht anders und heute – wieder pünktlich zum Zähneputzen – sinnierte ich mal wieder. Wenn ich nicht abgewichen wäre von meinem Weg, wäre ich heute vielleicht Erzieherin, ich würde hundertprozentig nicht in dieser Stadt leben, hätte einige Menschen nicht kennengelernt, hätte einige düstere Erfahrungen nicht machen müssen, hätte aber umgekehrt auch einige besondere Menschen und Momente verpasst. Ich hätte (vermutlich) Kinder, wäre damit vielleicht glücklich – oder todunglücklich – wer weiß?

Aber am Ende gibt es keine Argumente. In schlimmen Situationen neigt man dazu, alles zu verteufeln und einige – sogar grundlegende – Entscheidungen zu verfluchen. Hab ich auch gemacht. Aber wer sagt denn, dass dann alles besser würde? Einiges, was verletzt und enttäuscht hat, hätte man nicht erlebt, das wäre ja gut. Aber es wäre anderes passiert, was einem nicht gefallen hätte, was traurig gemacht hätte.

Auf einem anderen Weg hätte ich andere Menschen getroffen, andere Enttäuschungen erlebt und andere glückliche Momente. Habe ich etwas verpasst? Nein, das glaube ich nicht. Alles wäre ganz anders und im Kern doch genauso wie jetzt.

Wie geht es euch? Was wäre, wenn eine eurer größten Entscheidungen ganz anders ausgefallen wäre?

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1 Kommentar

  • Antwort Chrissi 14. April 2015 at 14:15

    Toller Beitrag..zwar auch schon etwas älter, aber solche Gedanken macht man sich ja immer wieder. Insbesondere, wenn es einem in der derzeitigen Lebenslage nicht so gut geht.
    Ich hab das auch schon oft weitergesponnen und komme aber immer wieder zum gleichen Ergebnis. Hätte ich mich damals anders entschieden und wäre keine Buchhändlerin geworden, dann hätte ich mich nach meiner Ausbildung nicht nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen müssen, wäre nicht aus meiner Heimat und von meiner Familie weggezogen (was mich ab und zu doch etwas traurig stimmt), hätte nie so tolle Kollegen kennengelernt, hätte nicht so viel Freude in meinem Job und das wichtigste: ich hätte nie meinen Freund kennen gelernt und würde mit ihm jetzt nicht in einer wunderschönen Wohnung wohnen.
    Es gibt immer Vor- und Nachteile…egal wie man sich entscheidet. Wichtig ist nur, dass man aus allem etwas positives zieht. Auch aus den schlechten Zeiten und Erfahrungen. So etwas sieht man vielleicht nicht sofort, aber wenn man später auf diese Zeiten zurückblickt, merkt man, wie die einen geprägt haben und einem mehr Erfahrungen gegeben haben.

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