Feature, Filmtipps

{Halloween-Spezial} Filmkritik zu Crimson Peak

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es – passend zu unserer startenden Halloweenwoche, eine Rezi zu einem Film, der mir sehr am Herzen liegt. Deshalb konnte ich mich mal wieder nicht kurz fassen, die Gedanken wollten einfach raus. Also besorgt euch einen schönen Kürbislatte oder Halloweentee oder was ihr sonst so mögt, machts euch vor dem Kamin (wenn ihr dann einen habt, sonst genügt auch ne Kerze auf dem Tisch) gemütlich! ;)

Gott, was habe ich mich auf Crimson Peak gefreut! Wirklich, seit der Film angekündigt wurde, schienen sich die Monate ins Unendliche zu ziehen und ich bin vor Ungeduld fast gestorben. :D Als dann der grandiose Trailer herauskam, habe ich ihn mit den Augen gefressen und bestimmt an die 20-mal gesehen (ich kleiner Nerd, ich xD). Wer es noch nicht weiß: Tom Hiddleston ist einer meiner liebsten Schauspieler (denkt euch hier einfach gaaaaaaaaaanz ganz viele Herzen <3), denn er hat es einfach drauf. Punkt. Dann noch einer meiner liebsten Regisseure, der mir Hellboy 1 + 2 und Pans Labyrinth beschert hat – drei meiner absoluten Lieblingsfilme – dazu ein Traumcast und die mysteriöse Story, die genau nach meinem Geschmack klang, was konnte da noch schief gehen? Nun denn, finden wir es heraus … ;)

Darum gehts

Inhalt (von amazon.de): England im 19. Jahrhundert: Die junge Autorin Edith Cushing (Mia Wasikowska) ist noch nicht lange mit Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verheiratet, doch schon kommen ihr erste Zweifel, ob ihr so ungemein charmanter Ehemann wirklich der ist, der er zu sein scheint. Edith spürt immer noch die Nachwirkungen einer schrecklichen Familientragödie und sie merkt, dass sie sich immer noch zu ihrem Jugendfreund Dr. Alan McMichael (Charlie Hunnam) hingezogen fühlt. Durch ihr neues Leben in einem einsamen Landhaus im Norden Englands versucht sie, die Geister der Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch das Haus auf Crimson Peak – und seine übernatürlichen Bewohner – vergessen nicht so einfach … denn zwischen Begehren und Finsternis, Geheimnissen und Wahnsinn liegt die Wahrheit unterhalb von Crimson Peak.

Trailer

Kulisse & Kostüme

Zunächst mal: Del Toro hat jahrelang am Drehbuch gefeilt (er fertigte es bereits 2006 an) und sagte selbst, dass der Film ein Herzensprojekt für ihn war und er auf ihn, zusammen mit Pans Labyrinth am meisten stolz ist. Stolz sein kann er auf jeden Fall – auf die Optik! Wow, sieht der Film hammermäßig aus! Ein wahres Wunderwerk mit einmaligen Bildern wurde hier auf die Leinwand gezaubert und allein dafür lohnt sich ein Kinobesuch! Der Kostümdesigner hätte wirklich einen Oscar verdient und die Kulissen ebenso! Allein an dem eindrucksvollen Haus, das monatelang komplett gebaut (und nicht animiert) wurde, kann man sich kaum sattsehen. Viele Rezensenten betiteln es als den eigentlichen Star des Films und da kann ich mich nur anschließen. Die opulenten Kostüme, die gedeckten, düsteren Farben, der rote Lehm im weißen Schnee, ja sogar die altertümlichen Szenenüberblendungen, bauen eine angenehm unheimliche Stimmung auf und lassen über einige Schwächen hinwegsehen …

Eine Ausnahme bilden lediglich die Geister, die zwar detailliert, aber einfach zu animiert aussehen. Dadurch habe ich mich leider nicht gegruselt, wie ich nach Schauen des Trailers eigentlich erwartet hätte. Ich hätte hier lieber richtige „Puppen“ oder Schauspieler in Kostümen (wie in Pans Labyrinth) gesehen als komplette CGI-Geister. Der Film ist allerdings von den Machern nicht als Horror, sondern als Gothic Romanze gedacht; wie Del Toro und die Schauspieler immer wieder betont haben. Del Toro soll mit dem Trailer wohl deshalb auch nicht ganz glücklich gewesen sein, da er falsche Erwartungen weckt. Das muss man beim Schauen halt im Hinterkopf haben. Ich muss sagen, der Film hätte auch ohne Geister funktioniert, denn außer ominöse Warnungen auszusprechen, auf dem Boden rumzukriechen und mit dem Finger auf etwas zu zeigen, machen sie nicht viel.

Die Schauspieler

Kommen wir zu etwas Gutem, den Schauspielern. Ich hab es schon mal geschrieben: Wahnsinn, was für ein Cast! Ich mag so ziemlich jeden der fünf Hauptakteure und habe mich sehr auf deren Interaktionen gefreut, weil sie einfach wie die Faust aufs Auge zusammenpassen. Besonders hervorheben kann ich eigentlich keinen, weil alle ihrer Rolle entsprechend überzeugt haben. Natürlich hab ich mich besonders über Tom Hiddlestons Performance gefreut, weil ich finde, dass ihm die zwielichtigen, geheimnisvollen Typen hervorragend stehen (er sollte am besten nur noch Bösewichte spielen ^^), aber hier hat das unausgegorene Drehbuch Glanzleistungen leider verhindert. Jessica Chastain spielt ebenfalls gut, aber es wäre vielleicht spannender gewesen, hätte man ihre Abneigung gegen die neue Ehefrau nicht so direkt aufs Auge gedrückt bekommen. Sie läuft immer mit einer so düsteren Miene herum, dass ihre Blicke allein töten könnten. Interessanter und gruseliger wäre es gewesen, wenn sie zumindest am Anfang gegenüber Edith freundlich getan und sich ihr wahrer Charakter erst nach und nach gezeigt hätte. Es war ein bisschen die Holzhammermethode, die Del Toro leider ganz oft angewendet hat. Außerdem hat man einfach zu wenig Hintergrundinfos zu allen Charakteren, besonders zu den Sharpe-Geschwistern, bekommen. Eine Rückblende in ihre Kindheit wäre schön gewesen, damit man mit ihnen mitfühlen und ihre Taten verstehen kann. Stattdessen wird es nur in zwei Nebensätzen erwähnt und das hat mir nicht gereicht.

Die Dialoge

Auch die Dialoge waren teilweise unfreiwillig komisch, nicht tiefgründig und bissig genug. Vielleicht liegt es auch an der deutschen Synchro? Es gab so Sätze wie: „Vertrau mir, nur noch ein letztes Mal!“, „Fahre bloß nicht in den Keller!“ (was sie – ihr erratet es – natürlich trotzdem tut :p), oder auch: „Müssen wir das tun? Ja, wir haben keine Wahl.“ So schwammige Klischees, die nicht viel hergeben und die Story verwässern. Bei einigen Szenen habe ich mich deshalb im Nachhinein nach dem Sinn gefragt, sie hätten ersatzlos gestrichen werden können (aus Spoilergründen kann ich euch leider nicht sagen, welche).

Die Altersfreigabe

Übrigens finde ich die FSK 16 durchaus berechtigt. Es gibt einige brutale Szenen, in denen die Kamera gnadenlos draufhält und nicht mit Blut gespart wird. Da sollte man vielleicht nicht gerade was Essbares in Reichweite haben. ;) Es tat mir dann selbst körperlich weh, wenn jemandem etwas angetan wurde und die Knochen knackten, autsch! Die im Vorfeld oft angesprochene Sexszene zwischen Thomas und Edith ist doch recht „zahm“ (aber ansehnlich ^^) geworden, muss ich sagen. Keine Ahnung, warum da so viel Wind drum gemacht wurde, aber vielleicht wurde hier auch etwas geschnitten? Sie kam mir verdammt kurz vor. Mich wundert auch, dass Del Toro eigentlich meinte, der Film wäre ab 18, weil es sein bisher brutalster Film wäre, in dem auch ein heikles Thema vorkommt, aber warum wurde er dann doch ab 16 freigegeben? Falls jemand dazu eine Info hat – das würde mich brennend interessieren, denn ich konnte leider nichts herausfinden …

Die Handlung

Kommen wir zum größten Schwachpunkt, der Handlung. Es gab so viele lose Fäden, so viele Szenen und Spuren, die im Sande verlaufen. Was hat mich das geärgert! Die überraschenden Wendungen, die angekündigt wurden und die ich mir erhoffte, wo waren sie??? Überraschungen gibt es nämlich keine und vieles kann der geübte Zuschauer schon im Vorfeld erahnen. So viel verschenktes Potenzial, das tut mir in der Seele weh. *schnief* Auch gibt es ein paar Ungereimtheiten, was das Verhalten der Charaktere betrifft. Sie handeln ziemlich klischeehaft und entwickeln sich nicht weiter (kann ich leider auch nicht näher ausführen ohne euch zu viel zu verraten).

Die Aussage des Films schälte sich auch nicht klar heraus. Es gibt keine Botschaft, die man als Zuschauer mit nach Hause nehmen kann, jedenfalls hab ich keine entdeckt. Zwischendurch und am Ende wurde dazu zwar etwas angedeutet und auch angesprochen, aber viel blieb davon nicht hängen. Auch eine „Wendung“ am Ende, die wohl als solche gedacht war, konnte man schon früh erahnen und sie schockierte deshalb nicht wirklich. Hätte auch etwas eindrucksvoller und direkter in Szene gesetzt werden können, für meinen Geschmack. Del Toro opfert viel Logik und Story zuliebe der wunderschönen, perfekt drapierten Bilder und das ist auf Dauer nicht hilfreich, denn dadurch wirkt alles ein bisschen gekünstelt. Letztendlich scheitert der Film an den Ansprüchen, die ich (und wohl viele andere) im Vorfeld hatten und der Tatsache, dass man von DEM Regisseur Guillermo Del Toro einfach MEHR erwartet hätte.

Die Kamera

Um noch mit etwas Positivem abzuschließen: Die Kameraarbeit war traumhaft, keine schnellen Schnitte, und so entstanden ein paar schöne Szenen, die im Gedächtnis geblieben sind, u. a. die Schmetterlings-Szene auf der Wiese, der Auftritt von Thomas Sharpe vor den Geldgebern (hat mich amüsiert ^^), die stimmungsvolle Ballszene mit dynamischer Kamerafahrt und ein absolut überzeugender, leidenschaftlicher erster Kuss zwischen Edith und Thomas im Hotelflur.

Fazit

Puh, lange Rede, kurzer Sinn: Die Kulissen und Kostüme sind überragend, die Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut, aber an der Story und den Dialogen hapert es gewaltig … Ich WOLLTE den Film lieben und er hätte mit DEN Voraussetzungen einer meiner Lieblingsfilme aller Zeiten werden können, aber es hat dann leider nicht gereicht. Ich geh jetzt nochmal in mein Kämmerlein um so viel verschenktes Potential trauern … :(

Bewertung

*Anmerkung: Eher Tendenz zu 3 Sternen, aber ich mag die Schauspieler und den Regisseur, also drücke ich ein Auge zu. ;)

Und habt ihr den Film schon gesehen? Oder habt den Kinobesuch noch vor euch? Wie hat er euch gefallen? Erzählt – ich bin gespannt auf eure Antworten!

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5 Comments

  • Reply Toni 26. Oktober 2015 at 10:13

    Also bei dem Szenenbild 0:54 hatte doch Tim Burton seine (Scheren)Hände im Spiel? Fehlen nur noch die Puppen, die sich in Stop-Motion auf dem Anwesen bewegen (das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit für die Geister-Umsetzung gewesen? – Ich stell‘ mir das sehr unterhaltsam vor ;) )

    • Reply Kristina 26. Oktober 2015 at 16:55

      Hallo Toni,

      hehe, das sieht wirklich nach Tim Burton aus, stimmt! :) Jetzt wo du’s sagst: Ich hab sogar beim Gucken im Kino gedacht: Die Optik erinnert irgendwie an „Sleepy Hollow“. Allein die düsteren Farben, der Schnee mit den roten Spuren und dann auch die Farbe von dem ganzen spritzenden Blut. ^^

      Die Idee mit den Puppen gefällt mir! Klingt gruseliger als das, was wir im Kino zu sehen bekommen haben! :D

  • Reply Susanne 26. Oktober 2015 at 11:14

    Ach, schade. Ich hatte so was befürchtet – wenn ein Regisseur sich in seine Dekorationen verliebt und darauf verlässt, dass die guten Schauspieler ihren Job schon machen werden, dann hängt fast immer genau der entscheidende Teil durch (vielleicht wäre er gut beraten, sich seine Drehbücher von jemand anderem verfassen zu lassen. Ich denke da an Nolan … ^^)
    Ansehen werd ich mir den Film trotzdem. Aber mit einem weinenden Auge. Man kann die Autorin bei so was einfach nicht ausschalten, gell, Kristina? Und die sagt die ganze Zeit: Neee, das hätte ich anders gemacht. ^^

    Danke für die aufschlussreiche Rezension!

    • Reply Kristina 26. Oktober 2015 at 17:01

      Hallo Susanne,

      danke für deinen Kommentar, ich freu mich! :)

      Es ist genau so, wie du es beschreibst! Nolan wäre wirklich nicht schlecht. Der hat das mit den überraschenden Wendungen perfektioniert. ^^ Wenn ich da nur an „Prestige – Meister der Magie“ oder „Memento“ denke, WOW!

      Man kann sich den Film auch auf jeden Fall mal ansehen – es lohnt sich allein schon wegen der hübschen Bilder (kriegt man ja so auch nicht oft zu sehen). ;) Und da sagst du was Wahres! Ich konnte die Autorin (Vielleserin ^^) in mir auch nicht ausschalten. Da zieht man automatisch Vergleiche zu gelungeneren Storys und überlegt sich, was man selbst besser gemacht hätte. :D

      Liebe Grüße und gerne doch! ;)

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