Bücherschrank

Flamingofeuer von Laura Lay

Flamingofeuer. „Das Buch ist ein Kaleidoskop von Begehrensformen, Identitäten und v. a. auch sexuellen Spielarten, also von zart bis hart und sweet bis düster.“ Mit diesen Worten stellte die Autorin das Buch in ihrer Rezensionsanfrage vor. Außerdem versprach sie einen mysteriösen Plot, Sprachschönheit und warnte: „Seid bitte auf alles Mögliche gefasst und habt ein offenes Herz für sexuelle Diversität!“

Das klingt nicht unspannend, aber seien wir ehrlich, das könnte auch komplett in die Hose gehen! Wenn Laura Lay nicht eigentlich Antje Wagner wäre – also eine Garatin für gute Bücher -, ich weiß nicht, ob ich dieses hier gelesen hätte. Das muss ich zugeben. Ob es ich bereut habe? Nun, lasst mal sehen …

Rezension

Das Interessanteste an Flamingofeuer ist, dass das Buch keine einzelne Geschichte erzählt. Es besteht aus vielen Kurzgeschichten, die jeweils in ein anderes Genre eintauchen und trotzdem durch einen roten Faden verbunden bleiben. Manchmal hatte ich das Gefühl, diesen Faden zu verlieren, weil er dünner wurde, doch dann war er mit einem Mal wieder leuchtend und stark da. 

Das Gefühl, sich im Labyrinth dieser Geschichten zu verlieren, hat einen großen Reiz an dem Buch ausgemacht. Immer auf der Jagd nach den symbolhaften Elementen, die hier und da wieder aufblitzen – seien es die Pferde, Flamingos, die Namen der Figuren in ihren Variationen oder die Flatterulme.

Flamingos sind zwar schön, das stimmt, sie sind ein Blitzschlag fürs Auge, und wenn die Leute sie von Weitem sehen, stürzen sie zum Gehege, wie angesaugt von der wilden Farbe des Gefieders. (S.15)

Der rote Faden ist die Geschichte des Autors Leon Walsky. Er veröffentlichte in seiner Karriere bisher nur ein erfolgreiches Buch und nagt inzwischen sozusagen am Hungertuch. Als eine unbekannte Gönnerin auftaucht, die ihn pro Seite für das Schreiben erotischer Geschichten bezahlt, ergreift er diesen Rettungsanker unverzüglich. 

Tanja Rs Forderungen an seine Geschichten quetschen auch noch das letzte Quäntchen an kreativer Schreibkraft aus ihm heraus, schicken ihn auf eine Reise, auf der sich seine Identität und die der Figuren Laura und Tanja in tausend andere zu zerteilen scheint.

Das Lesen dieser Geschichten fühlte sich ein bisschen wie puzzlen an. Immer wieder findet man sich mit den gleichen Puzzleteilen in der Hand wieder, die man dreht und wendet und die sich dadurch verändern. Immer wieder hat man das Gefühl, dass etwas passt und klick macht. Ganz langsam setzt sich ein Bild zusammen, das man jedoch erst am Ende wirklich erkennt. 

Die Zweige der Birke im Vorgarten wehten, doch auch das machte keinen lebendigen Eindruck auf mich. Es wirkte gespenstisch, als wäre es ein Birken-Automat, der da wippte. Immer hin und her. (S.165)

Dieser Kniff war super-spannend und ich sehr beeindruckt davon, wie die Autorin die gleichen Elemente immer wieder zusammensetzt und zu so unterschiedlichen Geschichten kommt: etwas Sommerliches, eine Komödie, etwas Fantastisches, eine düstere Gothic Novel, eine bewegende SciFi-Geschichte …

Ich könnte nicht einmal sagen, welche ich am besten fand, denn jede konnte mich auf ihre Weise überzeugen – und das obwohl Kurzgeschichten mich oft nur schwer begeistern können.

Sein Mantel lag um uns beide. Wie riesige Flügel. Die Farbe war so auffallend. Feuerfarbe, orange geflammt. Niemand sah, was darunter passierte. (S.224)

Diese Geschichten sind, wie angekündigt, erotisch – mal hetero, mal queer, mal subtiler und mal ziemlich eindeutig. Sie sind aber immer geschmackvoll geschrieben, wie das bei Antje Wagner eigentlich auch nicht anders zu erwarten war. Ich liebe ihren Schreibstil, der Sachlichkeit und Poesie vermischt, der nicht ausschweifend und trotzdem so bildgewaltig ist. Mit wenigen Worten lässt sie lebendige Szenen entstehen, die einen einsaugen und mit allen Sinnen berühren. 

Fazit

Flamingofeuer von Laura Lay (die eigentlich Antje Wagner ist) hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, denn es erzählt nicht nur die eine Geschichte des Autors Leon Walsky. Es führt durch ein Kaleidoskop seiner erotischen Kurzgeschichten, jede einzigartig, doch durch die gleichen Elemente subtil verbunden. Wie ein Puzzle setzt sich das Geheimnis hinter Leon Walsky zusammen. Wer erotische Literatur mag, wird in Flamingofeuer definitiv eine Perle finden.

Bewertung

Rezension Sternebewertung 5 Sterne

Laura Lay: Flamingofeuer | 240 Seiten | Ulrike Helmer Verlag | Taschenbuch | 16 Euro

Previous Post

You Might Also Like

1 Comment

  • Reply Mika Krüger 24. Mai 2019 at 7:15

    Obwohl mich Erotik so gar nicht interessiert, hast du mich mit deiner Rezension neugierig gemacht. Spannend, was die Autorin da geschaffen hat.

  • Leave a Reply